Von: importer
In St. Petersburg haben die Gespräche von US-Unterhändler Steve Witkoff mit Kremlchef Wladimir Putin über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Zum Auftakt gab Putin die Freilassung eines US-Amerikaners bekannt, der 2024 zu langer Haft verurteilt worden war, weil er als Söldner an der Seite der ukrainischen Streitkräfte gegen russische Truppen gekämpft haben soll.
Stephen Hubbard sei bereits auf dem Flughafen Pulkowo in St. Petersburg, sagte der Präsident der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Witkoff dankte Putin für die Freilassung des 75-Jährigen. Hubbards Familie und die Amerikaner seien froh darüber. Witkoff will nach den Unterredungen mit dem russischen Präsidenten von Pulkowo abreisen und dürfte Hubbard mitnehmen.
Putin selbst dankte US-Präsident Donald Trump erneut, dass er sich um eine Beendigung des Ukraine-Krieges bemühe. Von Witkoff erwartet er Informationen über seine Ukraine-Gespräche am Vortag in Oslo, wie der Kremlchef im Konstantinpalast sagte. Witkoff nannte die Gespräche in Norwegen produktiv. Es gebe Fortschritte. Er habe einige Unterlagen zu den Vorschlägen mitgebracht, über die sich Putin Gedanken machen könne.
Witkoff hofft auf Wiederaufnahme von Dreier-Verhandlungen
Witkoff äußerte seine Hoffnung auf Wiederaufnahme von Dreiergesprächen zwischen Russen und Ukrainern unter US-Vermittlung, wie in einem von Staatsmedien verbreiteten Video zu sehen war. Es gebe derzeit ein Momentum für die Beendigung des Krieges, sagte Witkoff. Er hoffe auf konkrete Schritte für einen Friedensprozess. Witkoff sagte, dass im Verlauf des Gesprächs auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner per Telefon zugeschaltet werde. Er war bei den Gesprächen in der Vergangenheit auch persönlich anwesend.
Mit am Verhandlungstisch saßen auch Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow und sein Beauftragter für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew. Der Kremlchef sagte, dass Russland an einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA interessiert sei. Nach den bereits vereinbarten Diesellieferungen könne Russland auch Dünger in großen Mengen für den amerikanischen Markt bereitstellen, sagte Putin. Der erste Tanker mit 40.000 Tonnen Diesel soll an diesem Donnerstag seine Reise starten.
Ukraine vor neuem Kriegswinter unter Druck
Der US-Unterhändler hatte am Dienstag auch mit europäischen Spitzenpolitikern in Norwegen gesprochen. Er will Putin die von den Europäern und Amerikanern erarbeiteten Vorschläge für eine Friedenslösung in dem russischen Angriffskrieg unterbreiten. Konkrete Inhalte waren zunächst nicht bekannt. Nach dem Treffen mit Putin wird Witkoff erneut in Oslo erwartet, um von Putins Reaktion zu berichten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, dass er mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støre in der Früh in Oslo weitere Gespräche über Schritte zu einem Frieden geführt habe. Nun hänge viel davon ab, ob die US-Seite von Putin etwas Neues höre in Richtung Frieden und nicht zur Fortsetzung des Krieges.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Die Lage hat sich für das Land in der kalten Jahreszeit angesichts massiver russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur massiv verschärft, weil Kiew auch nicht ausreichend Mittel für die Flugabwehr hat. Russland hofft darauf, mit einem weiteren Kriegswinter den Widerstand der Ukrainer zu brechen. Selenskyj hatte zuletzt eine Waffenruhe für gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen befürwortet. Putin lehnte das bisher ab.
Russland kündigt erste Diesellieferung in die USA an
Russland kündigte indes die erste Dieselverschiffung in die USA für den Donnerstag an. “Dieser Tanker wird eine Ladefähigkeit von 40.000 Tonnen haben”, sagte Vizeregierungschef Alexander Nowak vor Journalisten, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete. Weitere Lieferungen werden demnach folgen. Die Vertragsunterzeichnung stehe kurz vor dem Abschluss. Nowak schloss dabei Dieselexporte auch in andere Länder nicht aus. Das hänge jedoch von den russischen Raffineriekapazitäten ab.
Anfang Oktober 2026 vereinbarten Trump und Putin Diesellieferungen aus Russland in die USA, wofür Washington bestehende Russland-Sanktionen vorübergehend aussetzte. Der Deal löste international scharfe Kritik aus – von der EU, der Ukraine und sogar Teilen des US-Kongresses – während Moskau ihn begrüßte.
Vier Tote bei erneuten russischen Angriffen auf die Ukraine
Unterdessen wurden bei einer neuen Welle russischer Angriffe auf die Ukraine nach Behördenangaben mindestens vier Menschen getötet. Zwei Menschen starben beim Einschlag einer Drohne in ein 24-stöckiges Gebäude in Kiew, zwei weitere in der nordöstlichen Region Charkiw, wie Ministerpräsident Serhij Korezkyj am Mittwoch mitteilte.
Russland habe seit Dienstagabend “unaufhörlich” Energieanlagen, Bahnanlagen, Einkaufszentren und Wohngebäude angegriffen, erklärte Korezkyj. Betroffen waren demnach Energieanlagen in den Regionen Kiew, Wolhynien, Odessa und Mykolajiw. Auch ein Einkaufszentrum in Uman und ein Universitätsgebäude in Krementschuk wurden getroffen. Im Schwarzen Meer wurde nach Angaben des Regierungschefs zudem ein Handelsschiff von einer Drohne angegriffen.
Bei den Todesopfern in der Region Charkiw handelte es sich nach Angaben des Regionalverwaltungschefs Oleh Synjehubow um ein älteres Paar. Ihre Leichen seien nach der Zerstörung ihres Hauses aus den Trümmern geborgen worden. Elf weitere Menschen wurden in der Region nach Behördenangaben verletzt.
Der ukrainische Stromversorger DTEK meldete wegen der Angriffe außerplanmäßige Stromabschaltungen in Teilen Kiews. In anderen Stadtteilen gab es demnach bereits geplante Stromabschaltungen.




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