Die Agrarpolitik sei rückwärtsgewandt

Unterberger über Massentierhaltung

Mittwoch, 04. November 2026 | 15:15 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Die Vorsitzende der Autonomiegruppe im Senat, Julia Unterberger, äußert sich in ihrer Wortmeldung zum Maßnahmenpaket „Coltivaitalia”: “Es reicht nicht aus, finanzielle Mittel bereitzustellen, um von einer Agrarpolitik zu sprechen. Es braucht auch eine klare Vision und eine Zukunftsstrategie, die Innovation fördert und jene unterstützt, die sich für nachhaltigere Produktionsmodelle entscheiden. Dieses Maßnahmenpaket hingegen blickt weiterhin in die Vergangenheit und ignoriert die Herausforderungen, vor denen die italienische Landwirtschaft steht.”

Unter anderem bezieht sie Stellung zu den Folgen des Klimawandels in der Landwirtschaft:

„Die Regierung klammert die Umweltpolitik weiterhin aus und unterschätzt die Folgen des Klimawandels. Dabei haben extreme Wetterereignisse der italienischen Landwirtschaft in den vergangenen vier Jahren laut Coldiretti Schäden von mehr als 20 Milliarden Euro verursacht. Wie der Berichterstatter selbst erklärt hat, soll mit diesem Maßnahmenpaket die heimische Fleischproduktion angekurbelt werden, da derzeit 55 Prozent des Fleischbedarfs durch Importe gedeckt werden. Damit geht Italien in die entgegengesetzte Richtung zu den meisten europäischen Ländern, die versuchen, den Fleischkonsum zu reduzieren.
Darüber hinaus wird weiterhin das Modell der Massentierhaltung unterstützt, das enorme Umweltbelastungen verursacht und dem Tierwohl nicht gerecht wird.
Stattdessen müssten die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Sie stehen für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen und für hochwertige landwirtschaftliche Erzeugnisse. Gleichzeitig leisten sie – wie etwa in Südtirol – einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft und zur Pflege der Almen und Weideflächen. Und auch das Tierwohl hat einen höheren Stellenwert.
Gerade die Berglandwirtschaft kommt in diesem Maßnahmenpaket jedoch zu kurz. Und das, obwohl sie unter besonders schwierigen Rahmenbedingungen wirtschaften muss: mit höheren Produktionskosten und geringem Gewinnspann.
Das grundlegende Problem ist, dass die Mehrheit glaubt, einen Wirtschaftssektor zukunftsfähig zu halten, indem sie an den Produktionsmodellen der Vergangenheit festhält. Das ist eine kurzsichtige Strategie, die letztlich die Wettbewerbsfähigkeit eines für das Land so wichtigen Sektors gefährdet.”

Bezirk: Bozen

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