Von: Sophia Molitor
Mailand – Roberto Vannacci, Gründer und Parteivorsitzender von Futuro Nazionale, befand sich am 2. November in der Mailänder Innenstadt, um gemeinsam mit Carmelo Burgio, dem Bürgermeisterkandidaten seiner Bewegung, Präsenz zu zeigen. Sein Aufenthalt war nicht nur ein politischer Solidaritätsbesuch bei lokalen Geschäftsleuten, deren Geschäfte bei den Ausschreitungen beschädigt worden waren, sondern wurde auch zum Schauplatz einer direkten Konfrontation mit einer Passantin, die dem General und Politiker zurief er solle sich in Grund und Boden schämen für seine “abscheulichen” Aussagen gegenüber Frauen und dem Thema Abtreibung.
Auch bei den Pressefragen sorgte er mit kontroversen Aussagen zur Gedenkfeier des faschistischen „Marsches auf Rom“ für Aufsehen.
Während des Rundgangs wurde er auf dem Weg zum Dom von der Passantin lautstark kritisiert. Er solle seiner Mutter danken, dass er überhaupt auf dieser Welt ist, sagte sie eifrig. Außerdem forderte sie die anwesenden Journalisten auf, ihm keine Bühne zu bieten, da es unmöglich sei einen Dialog mit jemanden zuführen, der im Jahr 2026 noch immer solche Aussagen trifft.
Die Kritik der Passantin steht im Zusammenhang mit mehreren öffentlichen Äußerungen Vannaccis. Am 22. September sagte Vannacci in der Sendung von TG24, auf die Frage, ob er Frauen mit kurzem oder langem Rock bevorzuge, er bevorzuge eine Frau grundsätzlich ohne Rock. Anschließend erklärte er, er habe die Frage mit derselben Leichtigkeit beantwortet, mit der sie gestellt worden sei.
Auch zum Thema Feminizid äußerte er sich und meinte es handle sich um einen Mord wie jeder andere auch. Mit dieser Aussage möchte er einen eigenständigen Straftatbestand für Femizide ablehnen und argumentiert, ein Verbrechen dürfe nicht nach dem Geschlecht des Opfers unterschiedlich bewertet werden. Am 20. Juni bekräftigte er diese Position und sagte in einem Interview: “Täter von Gewalt gegen Frauen müssen mit den höchstmöglichen Strafen bestraft werden.”
Wenn politisches Vorhaben auf gesellschaftliche Realität trifft
Die Frau kritisierte vor allem Vannaccis Haltung zum Thema Abtreibung. Diese fordert keine vollständige Abschaffung des italienischen Abtreibungsgesetzes, sondern zielt darauf ab, den gesellschaftlichen und rechtlichen Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen grundlegend zu verändern: Abtreibung soll nicht länger als selbstbestimmte Entscheidung der Frau betrachtet werden, sondern stärker als Ausnahmefall, der möglichst verhindert werden soll.
Der Fall zeigt einmal mehr, dass die entscheidende Frage nicht allein darin besteht, welche Regeln die Politik vorgibt, sondern auf welchem gesellschaftlichen Werte- und Verantwortungsbewusstsein sie aufbauen – und ob dieses Bewusstsein überhaupt vorhanden ist. Einerseits wird versucht, etwas abzuschaffen, um sich selbst und die leitende Politik in Verbindung mit gewissen Werten zu stellen, die keinen wirklichen Raum im Gesamtbild der Gesellschaft haben.
Eine Gesellschaft, in der Sexualität vorwiegend als Ausdruck von Freiheit und Leidenschaft gelebt wird, kann der Schutz des Lebens kaum in einer Abschaffung der Abtreibung gesehen werden. Sexualität und die Möglichkeit einer Schwangerschaft sind untrennbar miteinander verbunden. Ein verantwortungsvoller Umgang damit sollte vielleicht weniger dort beginnen, wo die Politik Grenzen setzt, sondern viel früher – in unserem eigenen Bewusstsein, in unseren Beziehungen und in unseren moralischen Vorstellungen.




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