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Wie ferngesteuert

Dienstag, 20. Oktober 2026 | 01:41 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Die Videos der Krawalle in Frankreich und in italienischen Städten wie Mailand und Turin machen sprachlos: Man fühlt sich unweigerlich an einen schlechten Zombie-Film erinnert. Wie ferngesteuert rennen Horden durch die Straßen, um mutwillig Zerstörung anzurichten.

Messenger-Dienste und soziale Medien machen es möglich, dass Massen innerhalb weniger Sekunden mobilisiert werden. Selbst im nahegelegenen Trient finden sich Nachahmer. Angefangen hat in Italien alles mit Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten, doch was daraus geworden ist, lässt sich kaum wiedererkennen.

Wer wirklich dahintersteckt, ist nach wie vor unklar. Viele geben der Migration die Schuld. Menschen, die sich übers Mittelmeer gekämpft und dabei ihr Leben riskiert haben, hätten sich nie wirklich integriert – zumindest ein Teil von ihnen. Dasselbe gelte für ihre Kinder, die in Europa geboren wurden.

Doch welchen Sinn hat es, wahllos fremdes Eigentum zu demolieren? Ein Vorstrafenregister, das angelegt wird, verbessert keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern man verbaut sich damit schlimmstenfalls die Zukunft.

Andere machen linke Kräfte für die Tumulte verantwortlich, die sich radikalisiert hätten. In der Tat wehen bei den Krawallen immer wieder Palästinenser-Fahnen, während der Überfall der Hamas am 7. Oktober konsequent ausgeblendet wird. Wiederum andere machen ausländische Akteure verantwortlich, die Jugendliche über das Internet aufwiegeln.

Eine Demokratie lebt vom Diskurs unterschiedlicher Interessen und Ideen, doch wer zu Gewalt greift, hat das Recht auf Mitsprache verwirkt. Und: Wer für sein Unglück und die innere Leere immer nur andere verantwortlich macht – die Politik, die Wirtschaft, die Reichen oder wen auch immer –, wird nie Herr über sein eigenes Leben.

Bezirk: Bozen

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