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Wie viel sind uns Kinder wert?

Dienstag, 11. August 2026 | 01:23 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Mit seiner Aussage, Kinderbetreuung sei keine Arbeit, hat der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker eine Welle der Empörung ausgelöst. Auch nach seiner öffentlichen Entschuldigung geht die Debatte weiter – und das ist gut so.

Stocker hatte am Donnerstag bei einem Auftritt in Salzburg von einer Zuseherin darauf angesprochen, was er für Mütter zu tun gedenke, gemeint: „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit.“ Er habe seine Kinder nicht als Rechenspiel erzogen, „was kriege ich dafür“.

Nicht nur die FPÖ reagierte mit harscher Kritik in zahlreichen Aussendungen, sondern auch der Koalitionspartner SPÖ zeigte sich sichtlich irritiert.

Nach seinem Fehltritt versuchte der ÖVP-Obmann die Wogen zu glätten. Mütter, Väter und Großeltern würden mit der Betreuung und Erziehung der Kinder einen unermesslichen Beitrag für die Gesellschaft und Zukunft des Landes leisten, schrieb er in einer Aussendung.

Doch was ist uns dieser „unermessliche Beitrag“ wert? Vor allem Italien sollte sich diese Frage stellen. Im Jahr 2024 wurden lediglich 370.000 Geburten verzeichnet, womit die Geburtenrate im 16. Jahr in Folge sank. Zudem handelt es sich um den niedrigsten Wert seit der Einigung Italiens im Jahr 1861. Ökonomen befürchten, dass das Wirtschaftswachstum weiter zurückgeht und Italien schließlich nicht mehr in der Lage sein wird, sein Renten- und Sozialsystem zu finanzieren.

Politische Unterstützung für den Wunsch nach Kindern gibt es im Vergleich zu anderen EU-Ländern allerdings kaum. Neben ökonomischen Hilfen fehlt häufig auch die Infrastruktur, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wenn Italien in Sachen Familienpolitik nicht den besten Beispielen in Europa folgt, könnten die Entwicklung und die soziale Nachhaltigkeit des Landes in den nächsten Jahrzehnten gefährdet sein.

Bezirk: Bozen

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