Glasner steht in Nottingham vor einer gut bezahlten Aufgabe

Trainer Glasner will mit Forest kein “one hit wonder” sein

Dienstag, 18. August 2026 | 11:28 Uhr

Von: importer

Die Hoffnungen von Nottingham Forest sind groß – und sie ruhen auf Oliver Glasner. Nach einer turbulenten Saison mit vier verschiedenen Trainern soll der oberösterreichische Erfolgscoach den Club des ebenso ehrgeizigen wie ungeduldigen griechischen Reeders Evangelos Marinakis in Englands Premier League wieder in ruhige Gewässer führen. Kontinuität lautet das Motto. “Wir wollen kein ‘one hit wonder’ sein”, sagte der 51-Jährige, der am Samstag gegen Leeds in die Saison startet.

Wolfsburg führte das Rieder Urgestein in die Champions League, mit Eintracht Frankfurt gewann er die Europa League – und Crystal Palace bescherte er mit FA Cup und Conference League die ersten Titel überhaupt. Glasner hat in den vergangenen Jahren mehrmals Dinge erreicht, die ihm und seinen Clubs nicht unbedingt zugetraut wurden. Forest soll nun der nächste Verein auf dieser Liste sein – auch, wenn Glasner den Premier-League-Verein zunächst nicht auf der Rechnung hatte. Denn eigentlich habe er europäisch spielen wollen, wie der im Sommer auch von AC Milan umworbene Trainer mehrfach betonte.

Doch nicht zuletzt das eingehende Studium des Forest-Kaders sowie Marinakis selbst hätten ihn überzeugt. “Es steckt mehr Potenzial im Kader”, habe er dem Griechen bei einem “fantastischen Abendessen” mit Meeresblick in Athen erklärt, erzählte er dem Telegraph. Der andere Grund sei Marinakis’ Ehrgeiz. Dieser sei, so Glasner, “eine der wenigen Personen, die noch ehrgeiziger ist als ich. Und das ist ziemlich schwierig”. Dass Marinakis ihm laut englischen Medienberichten ein Gehalt von 15 Millionen Euro pro Saison überweist, dürfte außerdem ebenfalls Eindruck hinterlassen haben. Nur Arsenal-Coach Mikel Arteta liegt gerüchteweise über dieser Marke. Glasner unterschrieb einen Dreijahresvertrag.

Schlager als alter Bekannter

Die beachtliche Summe könnte auch zum Schmerzensgeld werden, sollte Glasner scheitern. Denn große Ambitionen hegte Forest nach Platz sieben und der erstmaligen Europacupteilnahme seit 29 Jahren auch zu Beginn der Vorsaison. Nuno Espirito Santo, Ange Postecoglu und Sean Dyche scheiterten beim Versuch, die “Tricky Trees” zu einer Hausmarke zu machen. Vitor Pereira rettete den Club schließlich vor dem Abstieg und führte das Team um Goalgetter Morgan Gibbs-White sogar ins Europa-League-Halbfinale. Für eine Jobverlängerung reichte das aber nicht, der Weg für Glasner war frei.

Am Transfermarkt ließ der Club, der 1979 und 1980 den Meistercup gewann und erst 2022 wieder in die oberste Liga zurückkehrte, bisher eher Zurückhaltung walten – auch wenn der Verkauf von Mittelfeldmann Elliot Anderson an Manchester City um rund 135 Mio. Euro viel Geld in die Kassen spülte. Anderson ist nun der teuerste englische Fußballer aller Zeiten. Fix ist, dass mit dem ablösefrei geholten ÖFB-Teamkicker Xaver Schlager ein weiterer Österreicher zu sehen sein wird. In ihm hat Glasner quasi einen Gewährsmann aus Wolfsburger Zeiten in der Mittelfeldzentrale, bereits in den Testspielen wusste der 28-Jährige mit seinen gewohnten Stärken zu gefallen. Geld nahm der Club bisher nur für Innenverteidiger Ousmane Diomande in die Hand, der Ivorer kam für 40 Mio. Euro von Sporting Lissabon.

Kein Zauberer

Zuletzt gab es Testsiege gegen Bayer Leverkusen und Stade Brest, die Wahrheit liegt allerdings erst beim Ligaauftakt gegen Leeds United auf dem Platz. Wie gewohnt zierte sich Glasner vor Saisonbeginn nicht, den Fans reinen Wein einzuschenken. “Wir werden zu Beginn nicht in unserem besten Zustand sein”, sagte er zu Sky. “Dann wären wir ja Zauberer, wenn wir das binnen fünf, sechs Wochen hinbekommen.” Auf Zaubertricks verlässt er sich nicht. Vielmehr sei er, so die Eigenbeschreibung, auf der Suche nach dem Fortschritt rastlos, fast ein Getriebener.

Wenig überraschend, dass Glasner das Zentrum Nottinghams in den ersten fünf Wochen erst zweimal besucht hat. “Bisher beschränkt sich mein Leben hier auf zwölf bis 14 Stunden am Trainingsgelände und nach einem kurzen Telefonat mit Zuhause geht es ins Bett.” Alles und jeden kennenlernen, Trainings, Transfers besprechen – das Legen des Fundaments ist zeitintensiv, macht dem Erfolgsarchitekten aber Spaß. Bleibt das Umfeld ruhig und gelingt es dem Innviertler tatsächlich, das gesamte Potenzial des Kaders zu heben, könnte es nicht nur zum Hit, sondern für ein ganzes Erfolgsalbum reichen.

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