Von: importer
Österreichs Fußball-Teamchef Ralf Rangnick gibt im letzten Länderspielfenster des Jahres erstmals Zukunftshoffnung Luca Weinhandl eine Chance. Der 17-jährige Mittelfeldspieler von Sturm Graz steht im Kader für die abschließenden Nations-League-Gruppenspiele gegen Irland (14. November in Linz) und Israel (17. November in Debrecen). Der verletzte ÖFB-Kapitän David Alaba fehlt erneut, dafür kehrt neben Verteidiger Michael Svoboda auch Christoph Baumgartner ins Aufgebot zurück.
Brighton-Legionär Svoboda ersetzt Marco Friedl, der nur noch auf der Abrufliste steht. Beide waren im Sommer Teil des WM-Kaders. Neben den verletzten Nikolas Veratschnig, Maximilian Wöber, Paul Wanner und Patrick Wimmer scheint im Gegensatz zum jüngsten Lehrgang auch Vasilije Markovic nicht im 25-köpfigen Aufgebot auf. Der Austria-Youngster, gemeinsam mit Weinhandl im Vorjahr U17-Vizeweltmeister, soll die ÖFB-U19 verstärken. Der Ende September nachnominierte LASK-Kapitän Sascha Horvath behielt seinen Platz.
Die Aktie Weinhandl
Weinhandl hat sich in diesem Jahr bei Sturm etabliert. “Er hat in den letzten Monaten nochmal einen großen Schritt nach vorne gemacht. Er ist nicht nur Stammspieler, sondern auch Leistungsträger”, sagte Rangnick. Man habe schon beim ersten Kader nach der WM intensiv über Weinhandl diskutiert, diesen aber für die finale Phase der EM-Qualifikation bei der U21 belassen. “Jetzt haben wir uns klar entschieden, ihn dazuzunehmen. Wir sind sehr gespannt, wie er sich auf diesem Level präsentiert.”
Man dürfe nicht vergessen, wie jung Weinhandl sei. “Es ist schon erstaunlich in diesem Alter, wenn man ihn nach dem Spiel vor laufender Kamera sieht. Da fällt es einem fast schwer zu glauben, dass er erst 17 ist. Da klingt er eher wie einer, der schon fünf oder sechs Profijahre auf dem Buckel hat.” Dabei wäre der 1,90-Meter-Mann, wenn er noch in diesem Jahr debütiert, der viertjüngste ÖFB-Nationalspieler nach dem Zweiten Weltkrieg. Nur Alaba (Debüt 2009), Hans Buzek (1955) und Yusuf Demir (2021) waren jünger.
Laut Medienberichten soll Weinhandl bereits das Interesse mehrerer englischer Großclubs auf sich gezogen haben, die Plattform transfermarkt.at weist ihn mit einem Marktwert von 15 Mio. Euro als derzeit wertvollsten Spieler der heimischen Bundesliga aus. “Er ist im Moment dort, wo er ist, bei Sturm, perfekt aufgehoben”, meinte Rangnick. “Er spielt in der Liga, er spielt internationalen Fußball, er spielt jedes Spiel. Ich denke, da gibt es im Moment keinen Grund, über irgendetwas anderes nachzudenken.”
Erneut kein Rapidler im Kader
Demir steht wie zuletzt auf der Abrufliste. “Rapid hat im Moment einen absoluten Lauf, da hat er sicherlich seinen Anteil daran”, sagte Rangnick. Man müsse aber die Konkurrenzsituation auf der Position im Mittelfeldzentrum berücksichtigen. Weinhandl sei um einiges jünger als der 23-Jährige, dazu auch Horvath wieder fit. Rangnick: “Für Yusuf Demir ist es gut und wichtig, dass er einmal irgendwo angekommen ist, dass er in einer Mannschaft ist, wo er gesetzt ist, wo er gebraucht wird.” Wenn er weiterhin auf höchstem Niveau spiele, sei es nicht ausgeschlossen, dass er bei einem der nächsten Lehrgänge dabei sei.
Vorerst nominierte Rangnick aber neuerlich keinen Spieler Bundesliga-Tabellenführer Rapid, dafür vier von Meister LASK: neben Horvath auch Christoph Lang, Sasa Kalajdzic und Tormann Lukas Jungwirth. Letzterer bildet erneut mit Salzburgs Christian Zawieschitzky, Florian Wiegele und WM-Goalie Alexander Schlager das Torhüter-Quartett. “Die vier haben es sich absolut verdient, alle dabei zu sein”, meinte Rangnick. “Deswegen sehe ich keinen Grund, an der Konstellation etwas zu ändern.”
Jungwirth war Anfang Oktober um seine A-Team-Premiere umgefallen, weil er wegen einer Verletzung von Zawieschitzky zur U21 beordert wurde. In der “Pole Position” für einen Einsatz im November-Doppel sieht Rangnick den 22-Jährigen deswegen nicht. “Dazu sind diese beiden Spiele zu wichtig, dass wir irgendeinem Spieler irgendetwas in Aussicht stellen.” Man werde gegen Irland mit der stärkstmöglichen Auswahl auflaufen. “Da geht es nicht darum, was im letzten Lehrgang war.”
Baumgartner-Rückkehr nach fünf Monaten
Baumgartner steht Österreichs Team erstmals nach seiner schweren Sehnenverletzung im Oberschenkel, die er sich kurz vor der WM-Generalprobe Anfang Juni gegen Tunesien (1:0) zugezogen hatte, wieder zur Verfügung. Der 27-Jährige hat in seinen vier Kurzeinsätzen nach der Zwangspause für RB Leipzig mit drei Pflichtspieltoren überzeugt. “Klar hatte er ein fantastisches Comeback. Viel besser kann man aus einer Verletzung nicht zurückkommen”, meinte Rangnick. Man dürfe aber nicht vergessen, dass Baumgartner noch keine Partie von Anfang an gespielt habe. “Wir müssen schauen, wieviel er dann tatsächlich schon im Tank hat, wenn er für uns spielt.”
Im Gegensatz zum Niederösterreicher fehlt Alaba wegen einer vor zwei Wochen bei seiner Startelf-Premiere für seinen neuen Club Udinese erlittenen Wadenverletzung weiterhin. “Wir haben zuletzt nochmal telefoniert. Da war klar, dass es sich für diesen Lehrgang noch nicht ausgehen wird”, schilderte Rangnick. Alaba sei nach wie vor nicht im Mannschaftstraining. “Ich wünsche es ihm, dass er nach der Länderspielpause soweit ist, dass er für Udine wieder spielen kann.”
Sein 117. und bisher letztes Länderspiel hat der 34-Jährige Anfang Juli im WM-Sechzehntelfinale gegen Spanien (0:3) bestritten. In Abwesenheit von Alaba und Baumgartner blieb die ÖFB-Auswahl Ende September bzw. Anfang Oktober in ihren ersten vier Nations-League-Partien ungeschlagen. Gegen Israel (3:1), Kosovo (3:1/heim, 1:1/auswärts) und in Irland (2:2) holten die Österreicher insgesamt acht Punkte. Mit einem Heimsieg gegen die Iren wäre der Gruppensieg und damit auch die Rückkehr in die Liga A der Topnationen vorzeitig fix.




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