Von: Matthias Knapp
Meran – Es ist soweit: Am 20. August dirigiert Bar Avni das Openingkonzert des südtirol festival meran. Der Abend mit dem Kammerorchester Basel und mit dem herausragenden Pianisten und Komponisten Fazıl Say beginnt mit der Ouvertüre zu Mozarts Opera buffa „La finta giardiniera“, die 1774 als Faschingsspaß für den Münchner Hof entstand, und mit Haydns Sinfonie Nr. 39. In der 2017 entstandenen Konzert-Rhapsodie „Yürüyen Köşk“ („Die laufende Villa“) ehrt Fazıl Say den türkischen Staatsgründer und Naturliebhaber Mustafa Kemal Atatürk, der 1930 sein Ferienhaus verschieben ließ, um eine Platane zu retten.
Danach spielt er Beethovens Klaviersonate Nr. 23 „Appassionata“ und Schostakowitschs Zweites Klavierkonzert, das dieser seinem Sohn Maxim zu dessen 19. Geburtstag schenkte. Das Werk führt in eine schöne neue Welt voller Optimismus – mit virtuoser und heiterer Musik, die „vollkommen durchdrungen“ ist von „jugendlicher Dreistigkeit“. Beginn: 20.30 Uhr.
Mit seinem pianistischen Können begeistert Fazıl Say seit fast 30 Jahren Publikum und Kritiker gleichermaßen. Konzerte mit diesem Künstler sind etwas Besonderes; sie sind direkter, offener, spannender. Kurz gesagt: Sie gehen direkt ins Herz. Das muss der Komponist Aribert Reimann gemeint haben, als er 1986 bei einem Besuch in Ankara zufällig das Vergnügen hatte, den damals 16-Jährigen zu hören. Er bat seinen Begleiter, den Pianisten David Levine, mit ihm sofort zum Konservatorium in der türkischen Hauptstadt zu kommen, und tat dies mit Worten, die inzwischen legendär geworden sind: „Du musst ihn dir anhören, der Junge spielt wie der Teufel.“ Fazıl Say erhielt seinen ersten Klavierunterricht bei Mithat Fenmen, einem Pianisten, der bei Alfred Cortot in Paris studiert hatte. Fenmen – der vielleicht ahnte, wie groß das Talent dieses Jungen war – bat seinen Schüler, zunächst jeden Tag zu alltäglichen Themen zu improvisieren, bevor er sich den Klavierübungen und Etüden widmete. In dieser Auseinandersetzung mit freien kreativen Prozessen und Formen wurde der Grundstein für das enorme Improvisationstalent und die ästhetische Haltung gelegt, die den Kern des Selbstverständnisses des Pianisten und Komponisten Fazıl Say bilden. Sein komsitorisches Œuvre umfasst sechs Sinfonien, zwei Oratorien, Solokonzerte sowie Klavier- und Kammermusikwerke. Fazıl Say trat mit allen renommierten amerikanischen und europäischen Orchestern sowie zahlreichen bedeutenden Dirigenten auf und entwickelte ein vielfältiges Repertoire, das von Kompositionen von Johann Sebastian Bach über die „Klassiker“ Haydn, Mozart und Beethoven bis hin zur romantischen und zeitgenössischen Musik, einschließlich seiner eigenen Klavierkompositionen, reicht.
Bar Avni ist ausgebildete Schlagzeugerin. Sie studierte Dirigieren bei Yoav Talmi, Martin Sieghart und Ulrich Windfuhr. 2024 gewann sie den Wettbewerb La Maestra in Paris und erhielt vier weitere Preise. Dieser Erfolg führte zu einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Paris Mozart-Orchester und Claire Gibault. Ein wesentliches Element ihrer künatlerischen Arbeit ist die Programmgestaltung – sie konzipiert Konzerte als ganzheitliche Erlebnisse, vergleichbar mit der Komposition eines Menüs. Ein eindrucksvolles Beispiel ist ihr Debütalbum, das im Februar 2026 bei Alpha Classics erschienen ist. Es entstand mit dem Orchestre National Bordeaux Aquitaine und vereint Werke von Charlotte Sohy, Darius Milhaud, Carl Philipp Emanuel Bach und Igor Strawinsky. Bar Avni bietet Workshops an Schulen, Krankenhäusern und für Unternehmen an. Sie betrachtet das Dirigieren als Kommunikationsmittel, das Körperbewusstsein, nonverbalen Ausdruck und Selbstvertrauen fördert. Gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern entwickelt sie inklusive Konzertformate, die allen Menschen offenstehen – unabhängig von musikalischen Vorkenntnissen.
Mit mehr als 60 Konzerten pro Saison gastiert das Kammerorchester Basel regelmäßig auf den bedeutendsten Konzertpodien der Welt. Eine Diskografie von über 30 preisgekrönten Aufnahmen bei renommierten Labels wie Sony, Deutsche Harmonia Mundi, Pentatone oder Warner Classics belegt die exzellente Qualität des Ensembles. Für seine historisch informierten Interpretationen wurde das Kammerorchester Basel 2008 mit dem ECHO Klassik in der Kategorie Bestes Ensemble ausgezeichnet und erhielt 2019 als erstes Orchester den Schweizer Musikpreis. Die Konzertprogramme sind so vielfältig wie die 46 Musikerinnen und Musiker und reichen von Alter Musik auf historischen Instrumenten bis hin zu zeitgenössischer Musik. Jedes Jahr vergibt das Kammerorchester Basel Kompositionsaufträge und nimmt am Kompositionswettbewerb Basel Composition Competition teil. Unter der Leitung von Giovanni Antonini wird das Orchester bis 2032 abwechselnd mit dem Ensemble Il Giardino Armonico alle 107 Sinfonien von Joseph Haydn aufführen und auf CD einspielen. Seit 2022 werden außerdem sämtliche Sinfonien von Felix Mendelssohn-Bartholdy unter der Leitung von Philippe Herreweghe aufgeführt.
Ticket und Info: www.meranofestival.com




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