Von: mk
Enneberg Pfarre/La Pli – Ein außergewöhnliches Kulturprojekt hat am vergangenen Samstag, den 13. Juni 2026, stattgefunden: Die neue ladinische Volksoperette „Franzi“ feierte auf dem Pavillon eine „pröma prejentaziun“. Die Produktion in vier Akten aus der Feder von Iaco Rigo (Idee und Text) und Alex Trebo (Musik) markiert zweifellos den bisherigen Höhepunkt des ambitionierten Kulturprogrammes „face-to-face“, das im Rahmen des Wiederaufbauplans PNRR „La Pli, le tesur da descorí“ in der Gemeinde Enneberg umgesetzt wird. Es handelt sich dabei um eine Zusammenarbeit zwischen Gemeinde Enneberg, Ert por i Ladins (EPL) und Bürgergenossenschaft POR MAREO.
Zwischen schnellem Reichtum und tragischem Bumerang
Im Mittelpunkt der Handlung steht Franzi, der Leiter der örtlichen Mülldeponie. Als seine Tochter im Universitätsalter eine Beziehung mit dem neu gewählten Bürgermeister eingeht, sieht er sich bereits auf der gesellschaftlichen Karriereleiter ganz oben. Doch der Alltag nimmt eine dramatische Wendung, als sich eine vermeintlich einmalige Chance bietet, in kürzester Zeit an immensen Reichtum zu gelangen. Für das Geld betrügt Franzi Freunde und Bekannte im Dorf. Die Tochter bricht die Beziehung zum Bürgermeister ab, und die gesamte Familie kehrt ihrer geliebten Heimat den Rücken, um in Panama ein neues Leben aufzubauen.
Mit einem innovativen, ökologischen Beherbergungskonzept gelingt ihnen in der Fremde zwar der Neustart und sie ernten viel Zustimmung – doch der schnelle Wohlstand wendet sich wie ein Bumerang gegen sie und schlägt tragisch ein. Am Ende steht die existenzielle Frage: Wer hat in einer kalten Welt, die nur auf Profit ausgerichtet ist, noch Mitleid? Vielleicht genau jene Freunde, die einst wie Müll weggeworfen wurden? Das Stück zeigt auf eindringliche Weise, wie schnell der Grat zwischen Reichtum und Armut in der heutigen Zeit verlaufen kann.
Spannende Geschichten vom Wertstoffhof
Dass der soziale Aufstieg Franzis ausgerechnet über den Abfall gelingt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Gleichzeitig greift die Operette ein Thema auf, das jeden betrifft: Die Mülldeponie wird zum sozialen Mikrokosmos, an dem die unterschiedlichsten Charaktere aufeinandertreffen und spannende Geschichten entstehen. Passend zu diesem Setting setzt die Produktion auch musikalisch auf ein originelles Konzept: Die Live-Band spielt teils auf Instrumenten, die aus recycelten Materialien gebaut wurden.
Klanggewaltiges Team: Alex Trebo und Iaco Rigo
Für die musikalische Umsetzung zeichnet der renommierte Gadertaler Komponist Alex Trebo (St. Martin in Thurn) verantwortlich. Trebo, der seit Jahren als „rechte Hand“ von Herbert Pixner große Arrangements schreibt und mit dem Herbert-Pixner-Projekt Erfolge in ganz Mitteleuropa feiert, bewies bereits 2020 als Co-Produzent des meisterhaften Albums von Hubert von Goisern sein außergewöhnliches Gespür für wegweisende Sounds. Bei „Franzi“ verbindet er gekonnt alpinen Klangcharakter mit mitreißenden Latino-Rhythmen.
Das Libretto und das Konzept stammen aus der Feder von Iaco Rigo. Der Autor ist bekannt für seine multimedialen Bühnenwerke und Theaterprojekte, die das Spannungsfeld zwischen traditioneller Dorfgemeinschaft und moderner Welt beleuchten. Nach der erfolgreichen ladinischen Operette „La Zingaindra“ (2018 ebenfalls in Enneberg Pfarre) und dem interkulturellen Projekt „Caligula“ (2024 im Stadttheater Bruneck in Zusammenarbeit mit dem europäischen Netzwerk phōnē), setzt Rigo mit „Franzi“ einen weiteren Meilenstein für das ladinische Gegenwartstheater.
Weitere Termine im Spätsommer
Nach diesem ersten Auftakt, bei dem auch die neue Beschattungsanlage getestet werden konnte, müssen sich Kulturbegeisterte ein wenig gedulden, bis das Stück wieder auf die Bühne zurückkehrt: Die nächsten Aufführungen von „Franzi“ finden ab dem 6. August 2026 statt. Die Vorstellungen beginnen jeweils abends um 21:00 Uhr auf dem Pavillon in Enneberg Pfarre.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen