Philippe Jaenada gewinnt den Prix Goncourt

Literaturpreis Prix Goncourt geht an Philippe Jaenada

Dienstag, 03. November 2026 | 13:42 Uhr

Von: importer

Der Literaturpreis Prix Goncourt geht heuer an Philippe Jaenada für seinen im Verlag Flammarion erschienenen Roman “L’inconnue du quai de Javel”. Das gab die Académie Goncourt unter Juryvorsitz des Autors Philippe Claudel nach ihrer Schlusssitzung im Pariser Restaurant Drouant am Dienstag bekannt. Der 1964 in Saint-Germain-en-Laye geborene Spezialist für historische Kriminalfälle setzte sich im ersten Wahlgang mit sechs zu drei Jurystimmen gegen Sylvain Prudhomme durch.

In “L’inconnue du quai de Javel” (dt. “Die Unbekannte vom Quai de Javel”) geht es um einen echten ungeklärten Mord aus der Nachkriegszeit: Im September 1949 wurde Louise Cansot, eine junge Frau, die zahlreichen Malern Modell gestanden hatte, am Pariser Seine-Ufer Quai de Javel tot aufgefunden. Die junge Bretonin war zur Muse der Maler von Montparnasse geworden. Daher auch ihr Spitzname: “Die Frau mit den hundert Porträts”. Damals stellte die Polizei den Fall ein, da sie davon ausging, dass sie Opfer ihres “schlechten Lebenswandels” geworden sei. “Es ist ein sehr bewegendes Buch, das ein unsichtbares Opfer sichtbar macht – ein großes Lesevergnügen”, erklärte Philippe Claudel laut “Le Parisien” bei der Bekanntgabe in dem nahe der Pariser Oper gelegenen Restaurant. “Wenn man Jaenada liest, fühlt man sich wie in einem Film”, so Claudel weiter. Mit über 100.000 verkauften Exemplaren war das Buch bereits vor dem Preis der größte Erfolg unter den vier Finalisten.

“Ich möchte auf keinen Fall, dass sich mein Leben ändert”

“Es war spannend, es hat Spaß gemacht”, kommentierte Philippe Jaenada laut Medienberichten bei seiner Ankunft bei Drouant. Er empfinde “Stolz und Freude” und widme seinen Sieg Bernard Barrault, seinem “langjährigen Verleger”, der Anfang des Jahres verstorben ist. “Ich denke auch an Louise Cansot”, würdigte er die Heldin seines Romans. “Ich denke an die jungen Frauen, die ihr glichen und ihr heute gleichen”, so der Autor. “Ich möchte auf keinen Fall, dass sich mein Leben ändert”, erklärte er. “Ich werde in Strudel geraten, in kleine Turbulenzen, aber ich möchte schnell wieder zu meinem ruhigen, beschaulichen, abgeschiedenen Leben zurückkehren, in dem ich schreibe.”

Der 62-jährige Philippe Jaenada, der 2017 für seinen Roman “La Serpe” den Prix Femina erhalten hatte, war bereits viermal für den Prix Goncourt in die engere Auswahl gekommen – und nun erstmals im Finale. Dort setzte er sich nun gegen Yannick Haenel (“La solitude des professeurs est infinie”, Gallimard), Clémentine Mélois (” Choses que je croyais perdues, L’Arbalète/Gallimard) und Sylvain Prudhomme (“De l’autre côté du lac”, Minuit) durch. “Prudhomme ist noch jünger, er kann noch warten!”, hieß es seitens des Jurymitglieds Françoise Chandernagor in Richtung des 47-Jährigen. Sie lobte den “großartigen Roman” von Philippe Jaenada, der “ein literarisches Genre erfunden hat”.

Ausschluss des Autors Thélyson Orélien sorgte für Aufregung

Bereits im Vorfeld hatte der Ausschluss des Autors Thélyson Orélien für Aufregung gesorgt. Ihm war vorgeworfen worden, für seinen Roman “C’était ça ou mourir” mit Künstlicher Intelligenz gearbeitet zu haben. Der Autor wies die Anschuldigungen zurück, wurde aber dennoch von der Académie aus dem Rennen genommen.

Die prestigeträchtigste französische Literaturauszeichnung wird seit 1903 vergeben. Sie ist zwar nur mit symbolischen 10 Euro dotiert, kurbelt aber die Verkaufszahlen im Weihnachtsgeschäft enorm an. Im vergangenen Jahr gewann Laurent Mauvignier mit seinem Roman “La maison vide”, der in der Folge eine Auflage von 640.000 Exemplaren erreichte. Die deutsche Übersetzung von Claudia Kalscheuer (“Das leere Haus”) soll Anfang 2027 im Verlag Matthes & Seitz Berlin erscheinen.

Prix Renaudot an François-Henri Désérable

Der zeitgleich vergebene Prix Renaudot ging an heuer François-Henri Désérable (39). In “Le Palais”, erschienen bei Gallimard, erzählt er die fiktive Geschichte von Arun Kumar, einem Buben aus den Slums von Delhi, der von einem Weinhändler aus dem Burgund adoptiert wird. Mit seinem absoluten Gehör ausgestattet, nutzt er dieses als Mittel zur persönlichen Rache.

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