Von: Sophia Molitor
Bozen – Wer in Südtirol selbstverständlich zwischen Dialekt und Standardsprache wechselt, ist in einem weiteren Sinn bereits mehrsprachig. Wie solche Formen innerer Mehrsprachigkeit mit anderen Sprachen, Migration und Schule zusammenspielen, steht im Mittelpunkt der 16. Bayerisch-Österreichischen Dialektologietagung (BÖDT), die vom 16. bis 18. September am Campus Brixen der Freien Universität Bozen stattfindet.
Die internationale Tagungsreihe besteht seit 1980 und bringt alle drei Jahre Sprachwissenschaftler:innen zusammen, die Dialekte und sprachliche Variation in Bayern, Österreich, Südtirol sowie in angrenzenden Gebieten und Sprachinseln wie etwa Walserdeutsch, Zimbrisch oder Fersentalerisch erforschen. Nach einer ersten Ausgabe in Südtirol im Jahr 1992 ist die BÖDT nun zum zweiten Mal in der Region und erstmals an der Fakultät für Bildungswissenschaften der unibz zu Gast.
Innere und äußere Mehrsprachigkeit
Der diesjährige Schwerpunkt „Dialekt und Mehrsprachigkeit” greift ein Thema auf, das für Südtirol besondere Relevanz hat. In der Sprachwissenschaft wird zwischen äußerer und innerer Mehrsprachigkeit unterschieden: Äußere Mehrsprachigkeit bezeichnet den Gebrauch verschiedener Sprachen wie Deutsch, Italienisch oder Albanisch. Innere Mehrsprachigkeit meint dagegen unterschiedliche Varietäten derselben Sprache – etwa Dialekt und Standardsprache. „Das Tagungsprogramm deckt die gesamte Bandbreite dieses Schwerpunktthemas ab, vom Verhältnis von Dialekt und Standard einer Sprache bis hin zum Kontakt von Varietäten verschiedener Sprachen”, sagt der Forscher Alexander Glück, der die Tagung gemeinsam mit Prof.in Birgit Alber und Joachim Kokkelmans organisiert.
Symbolisch dafür stehen die drei Plenarvorträge der Tagung. Claudia Maria Riehl von der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigt sich mit Dialekt und Mehrsprachigkeit in der Migrationsgesellschaft – und damit mit der Frage, was geschieht, wenn Dialekte auf neue Migrationssprachen treffen. Luca Melchior von der Universität Klagenfurt richtet den Blick auf das Thema Dialekt und Deutschunterricht. Stefan Rabanus von der Universität Verona thematisiert mehrsprachige Regionen in Norditalien und den Kontakt zwischen germanischen und romanischen Sprachen.
Darüber hinaus reicht das Programm von sprachlichen Besonderheiten einzelner Dialekte über Spracheinstellungen und Sprachkontakt bis zu historischen Entwicklungen.




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