Am Ende des Schuljahres geben die Schüler eine Prüfung ab

Schule mal anders: Neun Monate zu Fuß durch Italien

Mittwoch, 30. September 2026 | 07:58 Uhr

Von: Sophia Molitor

Toblach – Schule muss nicht immer im Klassenzimmer stattfinden. Dieser Meinung sind die Promotoren des Projekts „Strade Maestre“, das schulische Bildung mit einem neunmonatigen Leben auf Wanderschaft verbindet. Am Dienstag, 29. September, stellte die aktuelle Gruppe gemeinsam mit ihren Lehrpersonen im Cristallo Theater in Bozen das Konzept dieses alternativen Bildungswegs vor.

Im Rahmen der Initiative verbringen Schülerinnen und Schüler innerhalb der letzten drei Schuljahre ein komplettes Schuljahr abseits des klassischen Klassenzimmers. Zu Fuß geht es von den Alpen bis in den Süden Italiens, wobei mehr als 1.000 Kilometer zurückgelegt werden. Die dritte Ausgabe des Projektes ist am 14. September in Toblach gestartet. Am Dienstag erreichte die Gruppe, begleitet von Lehrpersonen, die zugleich als Wanderführer tätig sind, Bozen.

Das Projekt hat einen starken nationalen Charakter, da es Etappen in verschiedenen Regionen in ganz Italien geben wird. Der Unterricht orientiert sich unter anderem an den staatlichen Lehrplänen, statt im klassischen Klassenzimmer findet er jedoch unterwegs statt. Unterstützt wird die private Bildungsinitiative, die im Rahmen des italienischen homeschoolings beziehungsweise elternorganisierter Bildung stattfindet, von AIGAE – dem italienischen Berufsverband der Umwelt- und Wanderführer und CAI – dem italienischen Alpenverein. Weitere Unterstützung kommt von der Generas Foundation und zahlreichen weiteren Organisationen.

Lernen unterwegs

Neben Unterricht und Workshops gehören Begegnungen mit den Orten und Menschen entlang der Strecke zum Schulalltag. Geschichte wird etwa an archäologischen Stätten vermittelt, Geografie auf Wanderwegen, Literatur in Berghütten. Auch Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften gehören zum Programm – allerdings immer mit einem engen Bezug zur Natur und zur Umgebung. Die Gruppe übernachtet unterwegs und lernt dabei unter anderem, Verantwortung für das gemeinsame Leben zu übernehmen. Das tägliche Wandern und Zusammenleben soll nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Selbstständigkeit und Anpassungsfähigkeit fördern. Statt nach einem Schultag einfach nach Hause zu gehen, wird auch das gemeinsame Leben zu einem Teil des Lernprozesses.

Rechtlich bleiben die Schülerinnen und Schüler an das italienische Schulsystem angebunden. Am Ende des Schuljahres im Juni legen sie als Privatschüler einen Eignungstest an einer staatlichen Schule ab. Damit können sie anschließend in die nächste Klassenstufe wechseln oder ihren Bildungsweg in Richtung Matura fortsetzen.

Der Verband “Strade Maestre” gibt auch einen Ausblick auf die kommenden Monate: Nach dem Stopp in Bozen führt die Route weiter über Padua, Venedig, Ravenna, Bologna, Florenz, Prato, Pistoia und Lucca bis nach Livorno. Im Januar geht es von Siena aus über den historischen Pilgerweg Via Francigena weiter in Richtung Rom. Im März durchquert die Gruppe Sardinien, bevor sie in den letzten Monaten des Schuljahres ihren Weg in den Süden der italienischen Halbinsel fortsetzt.

Bezirk: Pustertal

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