Von: Redaktion Südtirol News
Schnals – Im Schnalstal stand das vergangene Wochenende wieder im Zeichen der Transhumanz – tausende Schafe kehrten mit ihren Hirten von den Sommerweiden bei Vent im Ötztal wieder ins Schnalstal zurück.
Bei der länderübergreifenden Wanderweidewirtschaft handelt es sich um eine jahrhundertealte Praxis im Alpen- und im Mittelmeerraum. Seit 2019 ist sie als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. Damit werden Traditionen, Bräuche und Wissensformen gewürdigt, die Gemeinschaften über Generationen hinweg prägen und verbinden.
“Wir setzen uns verstärkt für die Aufwertung des immateriellen Kulturerbes in Südtirol ein – von der traditionellen Bewässerung durch die Waale über den Alpinismus bis hin zur Transhumanz”, unterstreicht der Landesrat für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz Peter Brunner. “Es ist wichtig, auf den kulturellen Wert dieser Traditionen aufmerksam zu machen.”
Darüber hinaus unterstützt das Land Südtirol, das die Koordination aller UNESCO-Anerkennungen in Südtirol in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren innehat, die Tradition der Transhumanz auch ganz konkret. So stellte in diesem Jahr das Forstinspektorat Meran den Agrargemeinschaften Niedertal und Rofenberg Holz zur Verfügung. Mit diesem wurden Speltenzäune aus Lärche errichtet, um jene Flächen einzuzäunen, in denen die Schafe vor dem Abtrieb zusammengetrieben werden. Dieser Zaun war 2026 für Rofenberg komplett zu erneuern, für Niedertal zum Teil. Georg Pircher, Direktor des Forstinspektorats Meran, betont: “Der Südtiroler Forstdienst unterstützt die traditionelle Alm- und Weidewirtschaft auf vielfältige Weise. Wir leisten gerne einen Beitrag, diese spezielle Art der Almbewirtschaftung im Schnalstal für die Zukunft zu erhalten.”
Wie bereits im Jahr 2025 konnte das Land die Bauern zudem auch in diesem Sommer mit dem Ankauf von Salz für die Schafe unterstützen.
Die Rolle der Hirten
Eine ganz besondere Rolle in der Transhumanz kommt den Hirten und Treibern und ihren Hunden zu. Ihre Arbeit bildet die Grundlage für das immaterielle Kulturerbe der UNESCO. Hirte Markus Götsch betont: “Ich bin stolz darauf, diese traditionsreiche und verantwortungsvolle Arbeit auszuüben. Auch wenn sie im Gebirge nicht immer ungefährlich ist und im weitläufigen Gebiet noch immer alles zu Fuß und in Handarbeit erledigt werden muss.” Dazu kämen neue Herausforderungen, etwa durch Großraubtiere. “Noch handelt es sich bei den Sommerweiden um wolfsfreie Almen, sonst könnten keine Schafe mehr aufgetrieben werden”, sagt Götsch.
“Damit diese jahrhundertealte Tradition auch in Zukunft lebendig bleibt, braucht es eine ausreichende Zahl an Schafen und verlässliche Rahmenbedingungen”, betont Manuel Gurschler, Obmann der Agrargemeinschaft Rofenberg. “Aktuell werden rund 1500 Schafe von Kurzras aus ins Ötztal getrieben. Sollte diese Zahl unter 1000 sinken, wäre die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben. Daher ist es wichtig, den bürokratischen Aufwand so gering wie möglich zu halten.”
“Gerade im Internationalen Jahr der Weiden und Hirten, das die Vereinten Nationen 2026 ausgerufen haben, gilt unser Dank all jenen, die diese wertvolle Tradition mit viel Einsatz, Erfahrung und Leidenschaft lebendig halten und weitertragen”, sagt Marcella Morandini, UNESCO-Sonderbeauftragte des Landes Südtirol. “Die Transhumanz ist weit mehr als gelebtes immaterielles Kulturerbe – sie verbindet Menschen, Tiere, Landschaft und überliefertes Wissen.”




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