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Mehr als drei Jahrhunderte lang war ihre Musik verstummt: Nun kehrt ein vergessenes Werk der Wiener Barockkomponistin Anna Maria von Raschenau (1650 – 1714) auf die Bühne zurück. In der friaulischen Stadt Pordenone wird am 22. September erstmals seit mehr als 300 Jahren das Oratorium “Die heiligen Stigmata des Franz von Assisi” wieder vollständig aufgeführt.
Das Konzert im Stadttheater “Giuseppe Verdi” ist Teil der kulturellen Vorbereitungen Pordenones auf das Jahr 2027, in dem die Stadt italienische Kulturhauptstadt sein wird. Zugleich steht die Veranstaltung im Zeichen des 800. Todestages des heiligen Franz von Assisi, der 1226 starb.
1710 wurde von Raschenau zur Chormeisterin ernannt
Anna Maria von Raschenau wurde 1650 in Wien geboren und trat um 1672 in das dortige Augustinerinnenkloster St. Jakob an der Hülbe ein. Dort entwickelte sich die hochgebildete Musikerin zu einer bedeutenden Persönlichkeit der geistlichen Musik. Von Raschenau beherrschte unter anderem Orgel, Cembalo, Laute, Violine und Flöte. 1710 wurde sie zur Chormeisterin ernannt und leitete ein angesehenes Frauenensemble, das auch vor der kaiserlichen Familie auftrat.
Ihr Oratorium über die Stigmata des heiligen Franziskus wurde am 25. Juli 1695 erstmals aufgeführt. Anlass war der traditionelle Besuch Kaiser Leopolds I. im Wiener Kloster. Der musikbegeisterte und selbst komponierende Habsburger verfolgte Aufführungen häufig anhand der Partitur. Seiner Sammelleidenschaft ist es zu verdanken, dass das Manuskript erhalten blieb. Es wird heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt. Das gedruckte Libretto befindet sich in der Biblioteca Nazionale Marciana in Venedig.
Aufführung unter Leitung des Dirigenten Roberto Zarpellon
Die Wiederentdeckung des Oratoriums unterstreicht auch die Bedeutung von Komponistinnen in der Musikgeschichte. In einer Zeit, in der Frauen nur wenige Möglichkeiten zur künstlerischen Selbstverwirklichung hatten, gelang es von Raschenau, sich als Tonsetzerin zu etablieren.
Die Aufführung in Pordenone soll möglichst nahe an der historischen Klangwelt bleiben. Unter der Leitung des Dirigenten Roberto Zarpellon werden historische Instrumente eingesetzt. Beteiligt sind das Orchestra Tiepolo Barocca del Friuli Venezia Giulia, das Orchestra Mitteleuropea Lorenzo da Ponte und der Venice Monteverdi Academy Choir. Die künstlerische Leitung liegt bei Diego Cal.
Im Mittelpunkt des Werks steht die Stigmatisation des heiligen Franziskus im September 1224 auf dem Berg La Verna. Der Überlieferung zufolge empfing der Ordensgründer dort die Wundmale Christi. Raschenau und der Librettist Marco Antonio Signorini stellen Franziskus als Mensch dar, der Christus durch Gebet, Demut und eine besonders intensive Gottesbeziehung nachfolgt.




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