Uschi Obermair hat gut lachen und ist "loved out"

68-Ikone Uschi Obermaier wird 80

Dienstag, 22. September 2026 | 05:01 Uhr

Von: importer

“Wie, auch schon 80?”, fragte die Wochenzeitung “Die Zeit” im Februar zum runden Jubiläum ihres eigenen Bestehens. Die Ehre des Covergirls bekam Uschi Obermaier. Die posierte mit fast aufgerauchter Zigarette in der Hand, an der Kippe ein Abdruck ihres tiefroten Lippenstifts. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war die Ikone der 68er-Bewegung noch nicht ganz 80 – am Donnerstag ist es nun aber so weit.

Uschi Obermaier ist die Frau, welche in Deutschland die sexuelle Revolution der späten 60er Jahre verkörpert wie keine zweite. Sex, Drugs and Rock’n’Roll – was oft ein blasses Klischee ist, ist in Obermaiers Fall Biografie. Um ihre Gunst prügelten sich die Rolling-Stones-Köpfe Mick Jagger und Keith Richards – und kamen beide zum Zug -, der jung verstorbene Jimi Hendrix – “so sanft” – war ihr der berührendste Liebhaber, das chaotische Leben in der Kommune 1 ein Aufbegehren gegen die Konventionen.

Bitteres Gesellschaftsfazit

“Wir dachten ja, wir ändern die Welt – wir waren davon so felsenfest überzeugt”, sagte Obermaier der “Zeit” zum Anspruch ihrer Generation. Heute ist ihr Gesellschaftsfazit eher bitter – “die Menschen alle so falsch”, dazu “diese alten, fürchterlichen Männer, die Macht haben und nur auf Zerstörung aus sind”. Da sei sie froh, so alt zu sein und bescheiden auf ihrem Hof in Portugal zu leben. 2019 hatte sie die USA verlassen und war nach Europa zurückgekehrt.

Obermaier kam am 24. September 1946 in München zur Welt – mit einem Hüftdefekt. Lange musste sie in einer Schiene eingezwängt liegen, damit ihre Knochen nachwachsen konnten. Bis heute bekomme sie deshalb manchmal klaustrophobische Zustände, schrieb Obermaier in ihrer Biografie. “Ich denke, mein unbändiger Freiheitsdrang hat mit diesem Eingeschlossensein zu tun.”

Der Freiheitsdrang gesellte sich zu einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung. Ihre Mutter zog sie allein auf, doch trotz der Trennung vergötterte Obermaier ihren Vater. Um seine Aufmerksamkeit zu erhaschen, wollte die gelernte Retuscheurin in die Zeitungen. Durch das ständige Tingeln durch Münchner Klubs wurden Fotografen auf die junge Frau aufmerksam. Obermaier schaffte es wie ersehnt in die Zeitungen.

Kommune 1 als Wegmarke

Zu den Fotos kam die Musik. Obermaier reiste Bands hinterher und lernte dabei auf den Essener Songtagen im Ruhrgebiet Rainer Langhans aus der Kommune 1 kennen. “Ich habe mich sofort verliebt”, sagte Obermaier. Mit den Inhalten der Kommune konnte sie sich nicht auseinandersetzen – “ich kannte nicht mal den Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus”.

Dafür hatte sie ihre sexuelle Anziehungskraft – und mit Langhans einen Partner ohne Eifersucht. Später zerstritten sich die beiden, erst vor wenigen Jahren gab es eine Versöhnung. Auf die Kommune folgten Jahre als Hippie. Obermaier verliebte sich in die Hamburger Reeperbahngröße Dieter Bockhorn. Mit ihm zog sie ab Mitte der 70er Jahre um die Welt. Doch das Hippieleben endete 1983 – Bockhorn verunglückte betrunken tödlich mit seinem Motorrad.

Von da an arbeitete Obermaier neben dem Modeln auch als Schmuckdesignerin in den USA. Dass sie einmal 80 wird, dürften manche nicht erwartet. Denn zu Sex und Rock’n’Roll kamen auch die Drogen. Aufputschmittel, Kiffen, auch Heroin. Obermaier ließ wenig aus – allerdings mit einer fürs Überleben wichtigen Disziplin. So legte sie nach eigenen Worten zwei Tage vor Fotoshootings eine Drogenpause ein, um fit zu sein.

Ein “Pfeifchen” gönnt sie sich auch heute noch gern, wie sie selbst sagt. Mit den Männern dagegen sei es vorbei. “I am loved out”, sagt die Frau, deren Fotos einst Jugendzimmer in aller Welt zierten.

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