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Mit ihrer kraftvollen Stimme ist die deutsche Sängerin Inga Rumpf seit Jahrzehnten eine Ikone im Bereich Rock, Blues, Jazz, Folk und Gospel. Sie stand mit Weltstars wie Lionel Richie und B.B. King auf der Bühne, rockte mit Ron Wood und Keith Richards von den Stones – war dabei eine der ersten Frauen in der Branche. Am Sonntag (2. August) wird die in Niedersachsen lebende preisgekrönte Künstlerin, die auch komponiert und textet, 80 Jahre alt.
Den runden Geburtstag nimmt sie zum Anlass für einen zuletzt eher rar gewordenen Auftritt. Das große Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie am 13. September ist längst ausverkauft, sagt Inga Rumpf (“My Life Is A Boogie”) der dpa und freut sich über den Zuspruch ihrer Fans.
Seemannstochter wollte zur See fahren
Als Seemannstochter nahe dem Hauptbahnhof in Hamburg aufgewachsen, sei sie als Kind oft zu Fuß zum Hafen gegangen, habe am Strand gebadet und das Hämmern und Stampfen auf den seinerzeit noch vielen Werften genossen. Damals wollte sie sogar als Funkerin einmal selbst zur See fahren.
“Als junges Mädchen konnte ich das Morsealphabet und kannte alle Flaggensignale”, erinnert sich Rumpf schmunzelnd, die überhaupt “die coole Mentalität im Norden” mag. “Es ist dann anders gekommen – und das ist auch gut so.”
Rumpfs familiäre Verhältnisse in der Nachkriegszeit waren eng und bescheiden, der Vater streng. So entdeckte sie als schüchterner und stotternder Teenager die eigene Gesangsstimme als Möglichkeit, sich zu entfalten. “Wenn ich gesungen habe, wusste ich, das ist mein Raum, da kann mir keiner was anhaben. Ich dachte, mit Musik kann ich viel erreichen – die Welt sehen, Menschen kennenlernen und meinen Lebensunterhalt verdienen.” Sie sollte recht behalten.
Erfolge auch in den USA
Rumpf war nicht nur im eigenen Land erfolgreich, auch in den USA kam sie mit ihrer Band Atlantis gut an. Für Inga, die zunächst noch Ingeborg hieß, begann es 1965 mit der Folk-Rock-Gruppe City Preachers. “Das war eigentlich Weltmusik. Viel Folklore, ich habe Blues und Gospel dazu beigetragen. Weil das die Musik ist, mit der ich eigentlich sozialisiert wurde”, sagt die Sängerin.
Die Preachers, bei denen zeitweise Udo Lindenberg Schlagzeug spielte, standen für die Folk-Bewegung, die aus den USA kam – mit Bob Dylan oder auch Joan Baez. “Fans waren junge Leute, die mit der etablierten Welt nicht mehr zufrieden waren. Es war so ein Übergang – vom Kleinkarierten zum Weltoffenen”, blickt die nun 80-Jährige zurück. “Wir sind auch demonstrieren gegangen gegen den Vietnam-Krieg.”
Mit der Zeit wurde der Sound härter und die Stimme der stets energiegeladen agierenden Inga lauter. So kam es um 1970 zur Gründung der Band Frumpy mit Kollegen wie dem Keyboarder Jean-Jacques Kravetz, der in Paris das Musikkonservatorium besucht hatte. “Wir machten im weitesten Sinne progressive Rockmusik, es kamen wieder verschiedene Stilrichtungen zusammen”, erzählt Rumpf. Die Vorbilder hießen Jimi Hendrix, Procol Harum, aber auch The Rolling Stones.
Kultband Frumpy
Dem Drogenkonsum, der in der Szene schon damals grassierte, entzog sich die Frontfrau bald. “Ich trinke höchstens gern mal ein Bier, habe nie viel geraucht, seit fünf Jahren überhaupt nicht mehr”, sagt die Musikerin. Frumpy stieg zur Kultband auf und bekam einen Plattenvertrag. Aus Frumpy ging 1972 Atlantis hervor, wobei wiederum Lindenberg mit von der Partie war. Nach internationalen Konzerterfolgen löste sich Atlantis schon 1976 auf.
Für die vielseitige Rumpf ergaben sich noch viele Neuanfänge. So tourte sie mit ihrer Band Reality, war Dozentin an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater – und gab umjubelte Gospelkonzerte in Kirchen.
Endlich Gelassenheit und Muße für Freunde
Heute lebt die Musikerin, die zweimal verheiratet war, ruhiger. “Ich bedaure überhaupt nichts”, sagt Rumpf – auch in Hinblick auf eine möglicherweise verpasste Weltkarriere. “Ich war ja sehr oft in Amerika und es war auch an vielen Ecken schön, aber es hat mich immer wieder nach Hamburg zurückgezogen”, sinniert sie. Im Älterwerden, sagt die Künstlerin, sehe sie den Vorteil, endlich die Gelassenheit und Muße zu haben, um sich ihren Freunden wirklich widmen zu können.




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