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Er gehört zu den Göttern des Filmuniversums, war einer jener kreativen Köpfe, die ganze Welten für die Leinwand neu erschufen und die Richtung des Kinos neu justierten: Fritz Lang. Heute vor 50 Jahren starb der große Filmregisseur aus Wien, der in Berlin Geschichte schrieb und unter den Nazis nach Hollywood auswanderte, in Beverly Hills. Bis heute lebendig ist hingegen das filmische Œuvre des Meisters, das zahlreiche Klassiker wie “Metropolis” umfasst.
Dieser cineastische Kosmos nahm seinen Ausgangspunkt am 5. Dezember 1890 in Wien, wo klein Friedrich als Sohn des Architekten Anton Lang und dessen Frau Paula geboren wurde. Heute erinnert eine Gedenktafel am Wohnhaus in der Josefstädter Piaristengasse 28 an den prominenten Ex-Bewohner. Der Wille des Vaters war eigentlich, dass Fritz in seine Fußstapfen tritt, der entschied sich jedoch, Malerei zu studieren und meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger an die Front. Erste Drehbuchmanuskripte verfasste Lang im Lazarett, das Debüt als Regisseur sollte sich jedoch bis in die Nachkriegszeit verzögern.
1918 zog Lang nach Berlin, wo 1919 der in fünf Tagen gedrehte Stummfilm “Halbblut” Premiere feierte, bevor 1921 mit dem expressionistisch geprägten Werk “Der müde Tod” bereits der Durchbruch erfolgte. Bei den weiteren UFA-Hits wie “Dr. Mabuse, der Spieler” (1922) oder den monumentalen “Nibelungen” (1923/1924) schrieb Lang das Drehbuch gemeinsam mit der Schriftstellerin Thea von Harbou, die er 1922 geheiratet hatte.
“Metropolis” erwachte 1927 zum Leben
1927 folgt aus der Feder der beiden schließlich jenes Werk, das als das Fundament des Science-Fiction-Genres gilt: “Metropolis”. Der aufwendig gedrehte Film schildert in einer Stadt der Zukunft die Versöhnung von Kapital und Proletariat und thematisiert Lang’sche Stammtopoi wie die Übermacht von Organisationen, den Menschen im Hamsterrad der Systeme und die Massenerhebungen. Die finden sich auch in Langs erstem Tonfilm “M – eine Stadt sucht einen Mörder”. Der der Neuen Sachlichkeit verpflichtete Kriminalfilm festigte nicht nur den Ruf seines Regisseurs, sondern machte den glubschäugigen Peter Lorre als dämonischen Kindermörder zum Star.
Dann begann die NS-Ära in Deutschland, die das Ende für den deutschen Regisseur Fritz Lang bedeutete. Die Nazis verboten 1933 sein neuestes Werk “Das Testament des Dr. Mabuse”, machten Lang ungeachtet seiner jüdischen Mutter jedoch zugleich das Angebot, das Deutsche Filmwesen zu übernehmen. Die Ehe mit Harbou war zerrüttet, die Nähe zu den Nazis nicht gegeben, und so emigrierte der Filmemacher bereits im Frühjahr 1933 nach Paris, wo er “Liliom” drehte.
Im Sommer folgte dann der endgültige Schritt nach Hollywood, wo Lang letztlich 22 Filme drehen sollte. Der Durchbruch in seiner US-Zeit brachte 1936 das Sozialdrama “Blinde Wut” (“Fury”). 1939 schließlich nahm Lang nach der österreichischen und deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Mit Bert Brecht arbeitete er 1942/43 am Anti-Nazi-Film “Auch Henker sterben” oder drehte nach dem Kriegsende 1952 mit Marlene Dietrich den Western “Engel der Gejagten”.
1956 Rückkehr nach Deutschland
1956 versuchte der bereits alte Lang, der nach einer Augenverletzung im Ersten Weltkrieg stets mit markantem Monokel auftrat, die Rückkehr nach Europa. Die beiden Abenteuerfilme “Der Tiger von Eschnapur” (1958) und “Das indische Grabmal” (1959) wurden zwar kommerzielle Erfolge, künstlerisch aber nicht gewürdigt. Sein 43. Film “Die tausend Augen des Dr. Mabuse” präsentierte sich 1960 als Tiefenanalyse der jungen Bundesrepublik, bevor sich Lang beinahe taub und blind nach Beverly Hills zurückzog. 1964 verkörperte er noch einmal in Godards “Die Verachtung” (“Le mépris”) vor der Kamera sich selbst als Filmregisseur, der die “Odyssee” auf die Leinwand bringen möchte – Szenen, die Lang selbst drehte.
Als Fritz Lang am 2. August 1976 in Beverly Hills im hohen Alter von 85 Jahren starb, hatte er den Ruf als einer der innovativsten Regisseure der Filmgeschichte, als Perfektionist und Mentor ganzer Regiegenerationen gefestigt. Zugleich galt der Filmemacher als diktatorischer Visionär, welcher der Realisierung seiner Utopien alles unterordnete. Und diese Utopien leben auch ein halbes Jahrhundert nach dem Tod ihres Schöpfers weiter.




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