Von: apa
Das Schwierigste an einem Ende ist der Neuanfang. Linkin Park, vor deren Konzert am Dienstag in Wien dieser Spruch auf der Videowall zu lesen war, wissen das nur zu gut. Doch die US-Formation hat es geschafft: 57.000 Fans erlebten im Ernst-Happel-Stadion eine gewaltige, dynamische und spielfreudige Performance mit neuen und alten Hits. Neo-Sängerin Emily Armstrong hat sich nun endgültig eingefügt. Nach diesem Abend kann man behaupten: Linkin Park sind größer denn je zuvor.
Dass der 13. Auftritt der Amerikaner in Österreich zum Triumph ausartet, damit konnte nicht unbedingt gerechnet werden. Zwar überzeugte das Comebackalbum “From Zero” (2024) rund sieben Jahre nach dem Tod von Sänger Chester Bennington, aber die Darbietung im vergangenen Jahr am Nova Rock war schaumgebremst und Armstrong in ihrer Aufgabe, den charismatischen Bennington auch live zu ersetzen, überfordert. Berichte von anderen Shows bestätigten diesen Eindruck.
Aber die Fans blieben Linkin Park treu und Linkin Park haben sich ordentlich warm gespielt. Das Zusammenwirken von Armstrong mit Mike Shinoda – Bandleader, Rapper, Sänger und Musiker – sitzt mittlerweile. Die Stimmen ergänzten sich perfekt, wie ab dem mitreißenden Opener “The Emptiness Machine” deutlich hörbar war. Armstrong, die ebenso schön klar singen wie aggressiv brüllen kann, gewann offensichtlich eine ordentliche Portion Bühnen-Selbstvertrauen dazu. Dafür gab es verdiente Ovationen. Wie selbstverständlich bewegte sich die 40-Jährige etwa zu “The Catalyst” (im Handy-Lichtermeer) über einen Steg.
Es braucht nicht viel Gerede
Große Publikumsinteraktionen darf man sich bei Linkin Park nicht erwarten (außer, dass Shinoda mal in den Graben geht und einem Fan sein Kapperl schenkt), auch für Improvisationen ist in der minutiös abgestimmten Großproduktion kein Platz. Aber das braucht es hier auch nicht. Die Musik, umrahmt von einer gediegenen Video-Inszenierung auf zwei großen Screens links und rechts der Bühne sowie auf vier Kuben im Hintergrund, war packend, intensiv, laut, makellos und innerhalb des bandtypischen Stils auch abwechslungsreich. Da brauchte es nicht viel Gerede zwischendurch.
Die Setlist könnte auch der größte Fan der Band zusammengestellt haben. Alte und neue Kracher fügten sich nahtlos aneinander. Auch wenn frühere Großtaten wie “Numb”, “In The End” (im furiosen Zugabenteil) oder “Bleed It Out” entsprechend abgefeiert wurden, untermauerten Linkin Park mit ganzen acht Stücken aus “From Zero” ihre Aktualität. Das Crossover aus Nu Metal, Alternative Rock, Rap und Electro (schön, dass auch “Knöpferldreher” DJ Joe Hahn immer wieder auf den Screens eingeblendet wurde) sitzt anno 2025 wieder bzw. weiterhin perfekt.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)




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