Von: apa
Sängerin und Songschreiberin Charis ist in einem evangelikalen Elternhaus ohne TV und Radio aufgewachsen. Trotzdem hat sie Popmusik nicht nur für sich entdeckt, sondern auch zur Berufung gemacht: Am 26. Juni erscheint ihre erste EP “Hit & Run”, die eine emotionale Reise von atmosphärischem Dark Pop über Songs mit Folk- und Countryeinflüssen bis zum tanzbaren, unbeschwerten Lied “Kiss & Ride” bietet. Die 27-Jährige verhandelt ernste Themen, es mangelt trotzdem nicht an Humor.
“Die EP repräsentiert mein emotionales Spektrum”, sagt Charis (bürgerlicher Nachname Schnaithmann) im APA-Interview. “Ich habe durchaus überlegt, ob ich so weit gehen soll, weil viele auf Kohäsion Wert legen. Aber ich habe im Endeffekt beschlossen, dass ich immer das machen will, was der einzelne Song braucht, anstatt irgendwas zu erzwingen.”
Keine leichten Themen
Auf die Texte legt Charis dabei großen Wert. “Für diese EP habe ich nur autobiografisch geschrieben”, betont sie. “Aber in diesen Geschichten stecken oft universelle Themen. Es geht ganz viel darum, sich übersehen zu fühlen, gesehen werden wollen, anderen das Gefühl geben wollen, gesehen zu sein.”
Es sind keine leichten Themen, die Charis ohne inhaltliche Kompromisse konsumierbar in Popsongs verpackt. “Ich musste lernen, in diesen Gefühlen zu verbleiben. Ich finde das wichtig. Unsere Gesellschaft ist schlecht im Umgang mit Trauer. Dabei geht es nicht nur um den Tod. Das war für mich das Allerwichtigste bei dieser EP, dass ich mir den Raum gebe, um zu trauern und um einfach zu sagen: ‘Heute geht es mir schlecht’ – dann gibt es eben kein Happy End, sondern das ist jetzt einfach so.”
Liebe zur verbotenen Popmusik
Charis verbrachte ihre Kindheit in der Umgebung von Stuttgart, “einer sehr pietistisch geprägten Gegend”, erzählt sie. “Da gibt es einige Subströmungen und Subkulturen, die das noch ernster nehmen. Dadurch war meine Kindheit in vielerlei Hinsicht sehr isoliert von der Mainstreamgesellschaft.”
Charis’ Mutter “hat sehr gerne viel gesungen”, im Haus lief nur klassische Musik und Gospel. “Ab und zu habe ich trotzdem im Auto das Radio einschalten dürfen.” Popmusik habe sie angezogen, “vielleicht ein Stück weit auch dadurch, dass sie in meinem Umfeld sehr verpönt und verboten war. Ich bin oft ein bisschen trotzig und will es dann erst recht wissen”, schmunzelt Charis. “Meinen eigenen Musikstil habe ich erst mit 18 oder 19 entdeckt. Ich bin durch meine besondere Kindheit ein Late-Bloomer in vielen Bereichen.”
Erste Aufnahmen im Keller
Mit ihrem Bruder nahm Charis im Keller erste eigene Songideen auf. Den Schritt in eine andere Welt vollzog sie mit dem Eintritt in eine weiterführende Schule. “Da hatte ich zum ersten Mal Freunde, die nicht an Gott geglaubt haben. Das kannte ich davor nicht. Da habe ich gemerkt, dass manche Leute das gar nicht toll finden, wenn ich sage: ‘Ich habe für dich gebetet’.”
Als stimmliche Vorbilder nennt Charis, die zum Studium nach Wien übersiedelte und hier weiter an der Gesangskarriere arbeitete, Taylor Swift und Tate McRae. “Ich liebe Olivia Rodrigo und Gracie Abrams”, ergänzt sie. 2024 brachte sie ihren ersten Song heraus, via TikTok wuchs eine Fangemeinde heran. Bis zur EP war es aber noch ein Stück Weg: “Gute Sachen brauchen ja länger, wie man weiß”, gibt sich Charis selbstbewusst.
(S E R V I C E – https://readymag.website/u755251994/5816249 )




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