Von: importer
Die Haare trägt er wieder etwas länger, statt Schnauzer einen grauen Dreitagebart, dazu eine abgewetzte Jeansjacke: Es ist unverkennbar Wolfgang “Wolle” Petry, der mit dem Video zu “Morgen Gold” eine neue Single präsentiert. Die Freundschaftsbänder allerdings lässt er wie schon seit Jahren weg – und auch auf eine Tournee der Schlagerikone dürfen seine Fans nicht hoffen. Am Dienstag feiert Petry seinen 75. Geburtstag.
“Gestern war Bronze, heute ist Silber, morgen ist Gold” singt Petry in seinem neuen Lied übers Älterwerden und streift dabei im dazugehörigen Videoclip mit seinen Händen über ein Karohemd, wie er es früher immer trug. Das Video steckt voller Bilder aus seiner erfolgreichsten Phase – eine Zeit, die Petry trotz seines Rückzugs aus der Öffentlichkeit vor 20 Jahren offenbar nicht bedauert. Wäre er mit dem, was er heute wisse, noch einmal 20 Jahre alt, gelte: “Ich würde nichts an all dem ändern.”
50-jähriges Jubiläum als Musiker
Das Album zur Single erscheint Ende September – dann feiert Petry auch gleich sein 50-jähriges Jubiläum als Musiker. Das klingt nach einer unendlich langen Erfolgsgeschichte, die aber tatsächlich eine Geschichte mit vielen Brüchen war. Petry kam am 22. September 1951 in Köln zur Welt. Er spielte schon als Jugendlicher in Bands in der Domstadt. Als er 16 Jahre alt war, starb der Vater überraschend – der Mutter zuliebe machte er eine Lehre.
Doch nach deren Abschluss verließ er das Handwerk direkt wieder. “Ich wollte freier leben, unabhängig sein von Stechkarten und festen Tagesabläufen.” Noch bevor er richtig durchstartete, heiratete Petry mit Anfang 20 seine Frau Rosi, mit der er bis heute zusammen ist und mit der er Sohn Achim hat. Dieser verriet kürzlich in einem Podcast, dass der Papa ohne die Mutter “lebensunfähig” wäre – Papa Petry habe etwa keine Kreditkarte und kein Handy.
In der Diskothek entdeckt
Entdeckt wurde Petry schließlich von einem Produzententeam in einer Diskothek. Er bekam das Angebot, in der ZDF-“Hitparade” aufzutreten – der erste Auftritt 1976 bei Dieter Thomas Heck machte ihn bekannt. “Sommer in der Stadt” heißt das Lied, das sich danach über Wochen in den Charts hielt.
“Gianna”, “Wenn ich geh'”, “Tu’s doch”, “Der Himmel brennt” und vor allem “Wahnsinn” wurden die Hits dieser ersten erfolgreichen Phase von Petrys Karriere. Doch Anfang der 80er Jahre fiel Petry in eine Sinnkrise, wie sie viele Schlagersänger hatten. Die Texte wurden ihm zu seicht, Petry wollte politisch werden. “Ich wollte den Grönemeyer links überholen”, sagte er Jahre später dem “Focus” – eine fatale Umorientierung.
Das Publikum begann Petry zu vergessen, seine Plattenfirma schmiss ihn raus – der Sänger liebäugelte mit dem Ende seiner Laufbahn. Doch dann lehnte Jürgen Drews ein Lied ab, das Petry ein riesiges Comeback ermöglichte. Mit “Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n” gingen 1992 seine Verkaufszahlen wieder durch die Decke, auch für die alten Hits.
Füllte jede Halle
Der Erfolg blieb danach ungebrochen. In den 90er-Jahren füllte Petry jede Halle, überall wurde von jungen Menschen zu “Wahnsinn” lautstark “Hölle, Hölle, Hölle, Hölle” gebrüllt. Petry gewann alle Preise der Schlagerbranche direkt in Serie.
Aber den Erfolg erlebte er als Fluch. “Es ist schön, ein Musikant zu sein, aber es ist grausam, ein Star zu sein”, sagte er 2006 und zog sich zurück. Verschlossen und nachdenklich sei er durch die Bekanntheit geworden. “Für mich war das irgendwann eine Form von Freiheitsberaubung.”
Seitdem gibt es fast keine Interviews und schon gar keine Tournee mehr. Immerhin veröffentlicht Petry regelmäßig wieder neue Alben. Seine Fans würden sich wünschen, dass ihr “Wolle” noch einmal auf die Bühne zurückkehrt. Bei Facebook gingen in großer Zahl die Daumen hoch, als einer schrieb: “Wir brauchen dich hier in dem Land – gib uns das Gefühl unbeschwerter Tage zurück.”




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