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Vor Corinna Schumacher liegt der Helm der Saison 1994. Der Helm, den Michael Schumacher trug, als sich die Formel 1 veränderte. Wenn der Helm im Spiel gewesen sei, “war es immer aufregend”, sagt Corinna Schumacher beim Blick auf den Kopfschutz, der auf der Rückseite die Farben Schwarz, Rot und Gold trägt. Auch deswegen trägt die neue Dokumentation über Michael Schumacher den Titel “Schumacher ’94 – Die Geburt einer Legende”. Abrufbar ab Freitag bei Netflix.
Sie erzählt von einer Saison, die die Formel 1 in ihren Grundfesten erschütterte, die den damals 25 Jahre alten Michael Schumacher bereits ans Aufhören denken ließ. Die politischen Kraftproben, die Ränkespiele hinter den Kulissen, der Kampf der Etablierten gegen einen Aufsteiger – nichts wird ausgelassen.
Corinna Schumacher und die große Liebe
Bernie Ecclestone kommt kurz zu Wort, der damalige mächtige Mann der Formel 1, mittlerweile 95 Jahre alt. Flavio Briatore spricht, heute wieder Chefberater bei Alpine, damals der Teamchef des viel belächelten Benetton-Rennstalls, verspottet als T-Shirt-Hersteller. Willi Weber, Schumachers einstiger Manager, erinnert sich an alte Zeiten.
Allen voran aber prägt Corinna Schumacher diese Dokumentation. Sie ist die immer wiederkehrende Erzählerin. Anekdoten, Privates, Einblicke in das Leben des Rennfahrers Michael Schumacher und des Menschen Michael Schumacher und die gemeinsame große Liebe. “Der Michael wusste, mein Herz fährt mit, wenn er gewinnt, aber mein Herz fährt auch mit, wenn er verliert”, erzählt Corinna Schumacher: “Viele können viel über Michael sagen. Aber nicht viele kennen Michael, wie ich ihn kenne.”
Die Sache mit den flachen Schuhen
Und sie lässt die Zuschauer daran teilhaben. Sie erzählt von einer Bank auf dem Grundstück in der Schweiz am Genfer See. Der Ort, an dem sie sich immer ausgesprochen hätten. “Wenn ich lauter wurde, wurde er immer leiser”, erinnert sich Corinna. Sie erzählt aber auch, warum sie im Fahrerlager meist flache Schuhe trug: Es lag daran, dass Michael im strammen Schritt da durchmarschierte, weil der ganze Trubel nie sein Ding war. Seit dem Sommer 1995 sind die beiden verheiratet, die gemeinsamen Kinder sind selbst mittlerweile erfolgreich im Sport unterwegs.
1991 stieg Michael Schumacher mitten in der Saison in die Formel 1 ein, in seinem dritten Jahr als Stammfahrer wurde er Weltmeister. Sechs weitere Titel folgten, fünf davon mit Ferrari. Er war es, der die triumphalste Zeit der Scuderia prägte. So ist dieser Film auch ein Zeitdokument – eine Erinnerung an Michael Schumacher, der nach seinem schweren Skiunfall in den französischen Alpen Ende 2013 und damit gut ein Jahr nach seinem endgültigen Formel-1-Rücktritt nicht mehr öffentlich aufgetreten ist.
Was Schumacher 1994 erlebte, leistete und überstand, ist Thema der Dokumentation. Die Siege des jungen Deutschen zum Auftakt in São Paulo vor dem Heimpublikum von Ayrton Senna, dem dreimaligen Weltmeister und damaligen Superstar, und im japanischen Aida.
Zweifel, Ängste und der “Schummel-Schumi”
Dann die schlimmsten 72 Stunden der mittlerweile über 75 Jahre alten Geschichte der Formel 1. Rubens Barrichello übersteht einen massiven Crash wie durch ein Wunder in Imola, der Salzburger Roland Ratzenberger verunglückt tags darauf tödlich. Und im Rennen kommt dann Senna im Williams von der Strecke ab, hinter ihm sieht Schumacher den Unfall. Senna stirbt an diesem Tag, dem 1. Mai 1994. Schumacher gewinnt das Rennen, verliert aber sein Vorbild. Jahre später, als er in Monza 2000 die 41 Siege von Senna einstellt, weint Schumacher hemmungslos.
Die Doku zeichnet das Wochenende von Imola nach – die Spannung am Anfang, die wachsende Anspannung. Die Zweifel, die sich immer mehr breit machen und die Sorgen, die auch die Fahrer erreichen. Schumacher habe gesagt, er wolle das nicht mehr machen, erinnert sich Ex-Manager Weber. Niemand habe ihn beruhigen können. Es ist ein Blick auf die verletzliche Seite, die in der Formel 1 lange nicht gezeigt wurde und die vor allem Schumacher nie nach außen zeigen wollte. “Schumacher ’94 – Die Geburt einer Legende” erzählt die erste Weltmeister-Saison Michael Schumachers chronologisch.
Das Ende: Jubel, Emotionen – und mehr, das noch kommt
Am Ende kommt es zum Showdown im australischen Adelaide. In Kerpen treffen sich die Fans nachts zum Public viewing und sehen, wie der Wagen ihre großen Helden auf zwei Rädern durch die Kurve fährt und in der Streckenbegrenzung zum Stehen kommt. Auch das zeigt die Doku. Aus für Michael Schumacher nach einer Karambolage mit seinem WM-Widersacher, dabei musste er doch vor Hill ins Ziel kommen. Nur einen Punkt Vorsprung hatte er bis zum Finale in Australien retten können.
Aber auch Hill kommt nicht ins Ziel, die Radaufhängung hatte bei der Berührung mit dem Benetton-Ford etwas abbekommen. Schumacher wird der Weltmeister am Zaun. Zwischen Zuschauern und der Absperrung bekommt er die Nachricht von einem Streckenposten ins Ohr geflüstert.
“Ich wusste überhaupt nichts mehr, ich wusste nicht, ob ich mich freuen sollte, in mir waren sämtliche Gefühle total vermischt”, sagt Michael Schumacher später einmal. “Es war schrecklich da draußen, aber es war unbeschreiblich, als es dann endlich feststand.”
(S E R V I C E – www.netflix.com/at/title/81916859 )




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