Von: importer
Sie sind klein, aus Holz, manche etwas angeschlagen, bei anderen ist die Farbe verblasst: Auf den ersten Blick wirken die Marienskulpturen, die nun versteigert werden, beinahe unscheinbar. Doch für Brigitte Bardot – sie starb am 28. Dezember 2025 im Alter von 91 Jahren – waren sie mehr als Dekoration. Die Filmikone ging nie ohne eine kleine Marienfigur in ihrer Handtasche aus dem Haus.
Am 21. September sollen solche persönlichen Gegenstände des Stars in Paris versteigert werden. Diese erzählen von einer Bardot, die mit der Frau, die die Welt als Filmstar und Sexsymbol aus Filmen wie “Die Verachtung” kannte, nur wenig gemein zu haben scheint. Kein großer Luxus, kein Bling-Bling – stattdessen geht es dabei um viele persönliche Erinnerungen und erstaunlich alltägliche Dinge.
Bardots spirituelle Verstärkung
Eine kleine Marienfigur in ihrer Handtasche mitzunehmen, war für Bardot offenbar ein Ritual – besonders dann, wenn ein wichtiges Gespräch anstand. Vor Treffen mit Ministern oder Präsidenten, bei denen sie für Tierschutz vorsprechen wollte, sagte sie: “Ich werde etwas mit meiner kleinen Jungfrau Marie diskutieren.” Ging das Gespräch schlecht aus, schimpfte sie anschließend mit der kleinen Helferin.
So erzählt es zumindest Frank Guillou, Bardots persönlicher Sekretär, der sie 37 Jahre lang begleitete. Denn Mitte der 70er-Jahre waren für Bardot nicht mehr Filmrollen wichtig, sondern Tiere. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere hing sie mit knapp 40 Jahren die Schauspielerei an den Nagel und machte den Tierschutz zu ihrer Lebensaufgabe. 1986 gründete sie die Fondation Brigitte Bardot für den Schutz der Tiere.
Begleiter auch aus Plüsch
Neben den Marienfiguren kommen auch andere kleine Begleiter bei der Auktion unter den Hammer: Robben und Hunde aus Plüsch, die auf ihrem Bett lagen. Viele davon waren Geschenke von Fans. Einen Plüschhund kaufte ihr Guillou am Flughafen, als Bardot einmal ohne ihre eigenen Hunde unterwegs war. Denn sie reiste je nach Lebensphase, Anlass und Reiseziel mit unterschiedlich vielen Tieren – meist mit mehreren ihrer geliebten Hunde.
Die Schreibmaschine fürs Lebenswerk
Ihre Schreibmaschine erzählt von einer weiteren ungewöhnlichen Gewohnheit. Bardot benutzte die mechanische Olivetti nicht, um ihre Post zu beantworten. Ihre Briefe und Antworten schrieb sie in Saint-Tropez stets selbst – mit einem blauen Filzstift.
Die Schreibmaschine kam nur zu einem besonderen Zweck zum Einsatz: In La Madrague tippte Bardot darauf den zweiten Band ihrer Memoiren, “Le Carré de Pluton”. Darin thematisiert sie den Rückzug aus dem Filmgeschäft, schrieb über Einsamkeit, turbulente Liebesbeziehungen, persönliche Verletzungen und Enttäuschungen.
Eine Wohnung in Orange
In ihrer Pariser Wohnung in der Rue de la Tour zeigt sich eine Bardot, die man so vielleicht nicht erwartet hätte. Für die Ausstellung im Pariser Auktionshaus Drouot wurde die Wohnung eigens rekonstruiert. Orange war ihr Grundton: Die Wände waren orange, ebenso der Teppich und die Möbel. Dazwischen zahlreiche Porträts der Hausherrin.
Unter ihnen auch eine Zeichnung, die Bardot von sich selbst angefertigt hatte, sowie ein Porträt von Roger Vadim, ihrem einstigen Ehemann und Regisseur. Er besetzte sie in “Und immer lockt das Weib” – dem Film, der sie 1956 international bekannt machte.
Die “Merdouilles”
Neben Möbeln werden auch kleine Dinge des Alltags versteigert. Bardot selbst nannte diesen persönlichen Krimskrams ihre “Merdouilles”: Schatullen, Dosen, Ablageschälchen, Wecker, kleine Tischuhren, Feuerzeuge, Aschenbecher. Sie hing an Erinnerungen, bewahrte die Geschenke ihrer Fans auf, ebenso viele Dinge von ihrer Mutter und Großmutter.
Die 285 Gegenstände erzählen von einem “zweiten Leben”, wie Ghyslaine Calmels, Generaldirektorin der Fondation Brigitte Bardot, es nennt. Von einem privaten Leben, das sich weniger durch Glamour als durch Einfachheit und persönliche Erinnerungen auszeichnet – und das auch in ihrer Garderobe sichtbar wird: viel Schwarz, wenig Bling-Bling, nur wenige Outfits für öffentliche Auftritte.
Was ist eine Erinnerung wert?
Die Schätzwerte reichen von 20 bis 10.000 Euro, die meisten Stücke liegen bei weniger als 100 Euro. Doch was auf dem Papier wenig wert ist, kann bei einer Auktion schnell teurer werden – schließlich geht es nicht nur um einen Aschenbecher, eine Schatulle oder einen Stoffhund. “Es geht um ein Stück Erinnerung an Brigitte Bardot”, sagt Alexandre Millon, der die Auktion organisiert.




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