Von: importer
“Born In The U.S.A” ist ein vielfach missverstandener Rocksong. Auch Musikkritiker Steven Hyden wusste nicht, wovon er handelt, als er ihn erstmals hörte. Aber damals war der Autor eines kürzlich auf Deutsch erschienenen Buches über das gleichnamige Album von Bruce Springsteen ein Kind. Ronald Reagan, der den Song 1984 für seinen Wahlkampf verwenden wollte, hätte dagegen sehr wohl durchschauen können, dass es sich textlich um die Abrechnung eines Vietnamveteranen handelt.
In “Bruce Springsteen – Born In The U.S.A. – Soundtrack einer Generation” erzählt Hyden die Entstehung des Albums, wie es Bestandteil der US-Kultur wurde, von den politischen Hintergründen und der damaligen Stimmung in den USA, über die Bedeutung der Platte aus musikgeschichtlicher Sicht – und natürlich ganz viel über den “Boss”. “Dieses Album hat es geschafft, die Mitte des amerikanischen Lebens einzufangen. Doch die Mitte zerfiel. Vielleicht hat es sie auch nie gegeben”, schreibt Hyden.
Der Autor belässt es nicht dabei, die Songs zu beschreiben und wie sie entstanden (vieles davon mag für Fans keine große Enthüllung sein). Er führt aus, was vor und nach der Veröffentlichung mit Springsteen, der Rockmusik und Amerika geschah. Doch Hyden hält im Vorwort selbst fest, dass es sich um keine Biografie oder einen Blick hinter die Kulissen handelt, sondern um eine “kritische Auseinandersetzung mit Bruce Springsteens Musik und seiner Karriere anhand des Albums ‘Born In The U.S.A.'”. Über manches davon, durchaus spannend und gut argumentiert aufbereitet, lässt sich diskutieren.
Autor deckt weites Feld ab
Hyden beschäftigt sich mit der öffentlichen Person Springsteen, seinen verbindenden und seinen polarisierenden Seiten, mit Vereinnahmung und dem Widersetzen einer solchen. Immer wieder zieht er Querverbindungen zu anderen Künstlern (so stellt er Guns N’ Roses “Appetite For Destruction” Springsteens bekanntester Arbeit gegenüber). Politik spielt eine Rolle, aber politisches Buch ist es keines. Die Auseinandersetzung mit Springsteen beschränkt sich nicht auf die 80er-Jahre, sondern reicht bis in die Gegenwart und zum Thema dynamische Preisgestaltung bei Konzerten. Es ist ein weites Feld, das Hyden abdeckt, leicht lesbar, ebenso informativ wie oft subjektiv.
“Ich möchte in dem Amerika leben, das ich mit ‘Born In The U.S.A.’ entdeckt habe”, so Hyden. Ein “Heartland”, in dem Amerikaner bei aller Ungleichheit trotzdem zusammenrücken. “Doch aktuell kommt es einem wie ein schrecklich verlassener Ort vor.” Auch das ist zentrales Thema der Abhandlung.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E – Steven Hyden: “Bruce Springsteen – Born In The U.S.A. – Soundtrack einer Generation”, aus dem amerikanischen Englisch von Marion Ahl, Hannibal Verlag, 280 Seiten, 26 Euro)




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