Von: red
Bozen – Kann man aus Brennnesseln wirklich Bier brauen? Unser Selbstversuch zeigt, wie das ungewöhnliche Getränk schmeckt, woher die Idee dazu stammt und warum die Heilpflanze seit Jahrhunderten weit mehr ist als nur ein lästiges Unkraut.
Die Brennnessel zählt zu den ältesten bekannten Heilpflanzen Europas. Schon der griechische Arzt Hippokrates, später auch Dioskurides, Hildegard von Bingen und Paracelsus beschrieben ihre vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten in ihren überlieferten Werken.
Bereits in der Römerzeit berichten Quellen von Soldaten, dass sie sich mit Brennnesseln absichtlich stachen, um sich bei Kälte zu wärmen. Archäologische Funde aus der Bronzezeit belegen zudem, dass die Fasern der Brennnessel zur Herstellung von Kleidung genutzt wurden.

Traditionell wird die Brennnessel unter anderem bei Blutarmut, Allergien, Hauterkrankungen sowie Beschwerden der Nieren und Harnwege eingesetzt. Sie enthält zahlreiche wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren und Aminosäuren, von denen viele antioxidative Eigenschaften besitzen.

Was einst der Volksmedizin zugeschrieben wurde, ist heute wissenschaftlich untersucht und teilweise bestätigt.
Ein bereits altes Rezept wird heute neu entdeckt
Lange bevor Kühlschränke existierten, wurden Wildkräuter wie die Brennnessel fermentiert, um sie haltbar zu machen. Gleichzeitig förderte der natürliche Fermentationsprozess die Vermehrung nützlicher Mikroorganismen. Die gesundheitsfördernde Wirkung fermentierter Lebensmittel war bereits damals bekannt, auch wenn ihre Ursachen erst viel später wissenschaftlich erklärt werden konnten.
Heute wird die Brennnessel nicht nur wegen ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften geschätzt, sondern findet auch als natürlich fermentiertes, leicht alkoholisches Sommergetränk Verwendung.
Für die Zubereitung werden eine gute Handvoll frische Brennnesseln, 2,5 Liter Wasser, 300 Gramm Zucker und ein Teelöffel Hefe benötigt.
Zum Selbstversuch:
Die Brennnesseln in 2,5 Litern Wasser etwa 30 Minuten auskochen. Anschließend den Zucker einrühren und die Flüssigkeit vollständig abkühlen lassen. Danach eine kleine Menge des Suds in ein Glas füllen, die Hefe darin auflösen und die Mischung wieder zur restlichen Flüssigkeit geben. Nun beginnt der Fermentationsprozess.

Nach etwa vier Tagen kann das Brennnesselbier bereits probiert werden. Sein volles Aroma entwickelt es jedoch, wenn es rund zehn Tage gärt.

Überraschenderweise erinnert unser Selbstversuch geschmacklich an klassisches Bier – obwohl Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot ausschließlich aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe bestehen darf. Als sommerliche Erfrischung ist das fermentierte Brennnesselgetränk deshalb ideal. Mit Eiswürfeln sowie einer Scheibe Zitrone lässt es sich besonders gut genießen und dürfte auf den meisten Tischen eine Seltenheit sein.




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