Von: Sophia Molitor
Lienz – Die Johannishütte im Bezirk Lienz in Osttirol, am Fuße des Großvenedigers auf rund 2.000 Metern Höhe gelegen, gerät immer wieder in die Schlagzeilen und sorgt auch auf Instagram für kritikreiche Diskussionen wegen den fehlenden veganen Optionen auf der Speisekarte.

Der Betreiber Leonhard Unterwurzacher hat ein Informationsblatt aufgestellt, in dem er Bergfreunde darüber informiert, dass auf seiner Hütte ausschließlich Gerichte mit tierischen Produkten angeboten werden. Zur Begründung verweist er auf die Bedeutung der Almwirtschaft, die seiner Ansicht nach erhalten werden müsse. Zudem sei es neben der Berücksichtigung von Laktose- und Glutenunverträglichkeiten nicht praktikabel, zusätzlich vegane Speisen anzubieten. „Es ist ein Unterschied, ob jemand aus gesundheitlichen Gründen bestimmte Lebensmittel nicht verträgt oder sich bewusst dafür entscheidet, auf tierische Produkte zu verzichten“, betont der Hüttenwirt.
Die Johannishütte ist für ihre überwiegend positiven Google-Bewertungen bekannt. Immer wieder erhält sie jedoch auch Ein-Stern-Bewertungen, in denen die fehlenden veganen Speisen kritisiert und dem Betrieb vorgeworfen werden, bestimmte Gäste auszuschließen.
Auch bei einigen Vertretern der Gemüsebauern stößt der Betreiber auf vielfältige Argumentationen. Stefan Müßigang, Obmann der Tiroler Gemüsebauern, warnt davor, die Bedeutung anderer landwirtschaftlicher Bereiche zu relativieren. „In Wahrheit lebt Tirol von seiner Vielfalt: von der Alm- und Viehwirtschaft genauso wie vom Obst- und Gemüsebau“, erklärt er. Die Argumentation der Wirtsleute vermittle den Eindruck, dass allein Milch und Fleisch die regionale Landwirtschaft tragen könnten.
Der Betreiber betont, dass seine Entscheidung nicht darauf abzielt, jemanden auszuschließen, sondern vor allem praktische Gründe habe. Alle zusätzlichen Zutaten für vegane Gerichte müssten aus dem Tal heraufgebracht werden, was mit einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden sei. Deshalb setzt er bewusst auf Produkte aus der unmittelbaren Umgebung und kocht bevorzugt mit den Lebensmitteln, die von den benachbarten Almbauern stammen.
Wer hat die richtige Haltung?
Beim Durchlesen der Google-Rezensionen fallen sofort klimawandelbezogene Kommentare wie „Jammern wegen kein Schnee in den Alpen, aber dafür Tiere töten“ auf. Andere Gäste kritisieren hingegen vor allem das aus ihrer Sicht nicht mehr zeitgemäße gastronomische Angebot und empfinden den Umgang als wenig gastfreundlich.
Auch lokale Medien haben das Thema aufgegriffen. Die Diskussion zeigt jedoch, wie schwierig eine sachliche Auseinandersetzung wird, wenn unterschiedliche Überzeugungen als persönlicher Angriff wahrgenommen werden. Die Almhütte ist dabei ein Beispiel dafür, wie viele gesellschaftliche und politische Debatten über den veganen Lebensstil, aber auch über andere gesellschaftliche Themen wie feministische Positionen oder Fragen der Geschlechtsidentität mitunter sehr konfrontativ verteidigt werden.
Immer häufiger steht nicht mehr das gegenseitige Verständnis im Mittelpunkt, sondern die Frage, welche Seite recht hat. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich Menschen zunehmend in sozialen und ideologischen Blasen bewegen, während der respektvolle Dialog mit Andersdenkenden verloren geht.
Entscheidend ist daher vielleicht nicht nur, welche Veränderungen notwendig sind, sondern vor allem, wie man diese anstößt. Ist man künftig in der Lage für die eigenen Entscheidungen einzustehen und gleichzeitig die Fähigkeit zu bewahren, mit Lebensweisen umzugehen, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen? Eine Herausforderung, die beide Seiten betrifft: sowohl diejenigen, die Veränderungen fordern, als auch jene, die an bestehenden Traditionen festhalten.
Oftmals könnte das nicht bedeuten, die eigenen Werte aufzugeben, sondern anzuerkennen, dass gesellschaftlicher Wandel Zeit braucht und durch Dialog meist nachhaltiger entsteht als durch gegenseitige Vorwürfe.




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