Marketing bedient die emotionale Ebene

Sind Heißluftfritteusen mehr als “heiße Luft”?

Dienstag, 20. Oktober 2026 | 07:04 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Heißluftfritteusen, auch Airfryer genannt, sind im Trend. Influencer und Starköche zeigen in ihren Videos, wie sie damit einfach und schnell leckere und gesunde Speisen zubereiten. Im Handel sind immer mehr unterschiedliche Modelle, im Buchhandel spezielle Airfryer-Kochbücher erhältlich.

Die Lebensmittelindustrie lobt altbekannte Tiefkühlprodukte wie Pizza, panierten Fisch oder Lasagne jetzt auch als „Airfryer-geeignet“ aus, passt die Zubereitungshinweise an und bringt sogar neue Produkte speziell für die Heißluftfritteuse auf den Markt. Neun von zehn im Jahr 2025 beim Online-Händler Galaxus gekauften Fritteusen waren bereits Heißluftfritteusen, MediaMarktSaturn hat 2025 in Deutschland über 50 Prozent mehr Airfryer verkauft als noch 2024 – jeweils laut eigenen Angaben. 42 Prozent der deutschen Haushalte verfügen laut dem Marktforschungsunternehmen YouGov mittlerweile über einen Airfryer.

Eine Heißluftfritteuse besteht im Wesentlichen aus Heizelement, Ventilator und Garraum mit herausnehmbarem Korb oder perforiertem Einsatz. Das Heizelement erhitzt die Luft im Garraum je nach Modell auf Temperaturen zwischen 30 und 240 Grad Celsius. Der Ventilator bewegt die heiße Luft, und diese umströmt das Essen im Garraum gleichmäßig und von allen Seiten. Bei Temperaturen ab 120 Grad Celsius bilden sich dank der so genannten Maillard-Reaktion die typischen Röstaromen, und die Lebensmittel bräunen.

Die Bezeichnung als Fritteuse ist eher irreführend – vielmehr ist eine Heißluftfritteuse ein kleiner, leistungsstarker Umluftofen mit schnell zirkulierender Heißluft. Im Handel sind sowohl Geräte mit einem Garraum als auch Geräte mit zwei getrennten Garräumen erhältlich. Mit letzteren lassen sich zwei verschiedene Gerichte mit unterschiedlichen Temperaturen und Garzeiten zur gleichen Zeit zubereiten.

Laut einem Vergleich der Stiftung Warentest sind 600 Gramm Tiefkühlpommes im Backrohr nach 35 Minuten, im Airfryer bereits nach 20 Minuten fertig gegart; der Energieverbrauch dafür beläuft sich im Backrohr auf 1.481, im Airfryer auf 537 Wattstunden. Im Vergleich zum Backrohr ist der Garraum der Heißluftfritteuse nämlich kleiner und erhitzt sich daher rascher, die heiße Luft zirkuliert schneller, lange Vorheizzeiten sind obsolet, und die Speisen garen kürzer und sind zudem fettärmer als Speisen aus der klassischen Öl-Fritteuse.

Damit kann die Heißluftfritteuse für Single-Haushalte und Haushalte, die üblicherweise nur kleine bis mittlere Portionen zubereiten und Wert auf Schnelligkeit legen, eine Alternative zum herkömmlichen Backrohr sein. Für große Mengen, ganze Backbleche und klassische Kuchen und Torten bleibt das Backrohr die bessere Wahl.

„Gerade weil das Marketing die emotionale Ebene bedient, sollte die Anschaffung eines neuen Küchengerätes stets wohlüberlegt erfolgen“, rät Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. „Andernfalls wird der neue Airfryer schon bald in der Abstellkammer oder im Keller landen, neben dem Brotbackautomaten und dem Smoothie-Mixer, die man vor einigen Jahren ebenfalls voller Begeisterung angeschafft, dann aber nur kurze Zeit verwendet hat.“

Wer eine Heißluftfritteuse nutzt, sollte jedenfalls ein paar grundlegende Dinge beachten:

•    Aufgrund der Bildung von Acrylamid gilt der Grundsatz „Vergolden statt verkohlen“.

•    Bei hohen Temperaturen sollte man ein hitzestabiles Öl verwenden, z.B. raffiniertes Olivenöl, spezielles Backöl oder raffiniertes Rapsöl.

•    Backpapier ist meist nicht notwendig und kann sogar die Luftzirkulation stören.

•    Auch Alufolie ist nicht notwendig und sollte jedenfalls nicht mit salzigen oder sauren Lebensmitteln in Berührung kommen, da diese Aluminiumteilchen herauslösen.

•    Das regelmäßige Reinigen des Garraums von altem Fett und von Speiseresten beugt der Bildung von ungesunden trans-Fettsäuren sowie Rauchbildung vor.

Bezirk: Bozen

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