Was wäre wenn...?

Trägt vegetarische Ernährung zum Tierschutz bei?

Freitag, 09. Oktober 2026 | 08:04 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Am 1. Oktober war Weltvegetariertag, am 4. Oktober Welttierschutztag. Da stellt sich die Frage, ob eine Umstellung auf vegetarische Ernährung tatsächlich mehr Tierschutz bedeutet. Denn bekanntlich produziert auch die intensive Haltung von Milchkühen und Legehennen Tierleid, unter anderem werden die männlichen Kälber von Milchkühen sowie die männlichen Küken aus der Legehennenzucht vielfach als „Abfallprodukt“ betrachtet.

Die österreichische Tierschutzorganisation VIER PFOTEN wollte wissen, wie sich eine Reduktion des Fleischkonsums auf die Anzahl der gehaltenen Tiere, das Tierwohl und die Treibhausgasemissionen in Österreich auswirkt, und hat 2022 eine entsprechende Studie (Schlatzer und Lindenthal 2022) in Auftrag gegeben. Ausgangspunkt waren die Tierbestände im Jahr 2020: österreichweit wurden 108,1 Millionen Tiere (Masthühner, Legehennen, Schweine, Puten, Mastrinder, Milchkühe, Schafe, Ziegen, Pferde) für die Produktion von Nahrungsmitteln gehalten. Fische und Wildtiere wurden nicht berücksichtigt.

Im Szenario einer flächendeckenden Umstellung der Österreicher auf eine ausgewogene ovo-lakto-vegetarische Ernährung werden zwar noch immer Tiere für die Produktion von Milch und Eiern, aber nicht mehr für die Produktion von Fleisch gehalten. „Die Anzahl der für die Nahrungsmittelproduktion gehaltenen Tiere schrumpft dadurch pro Jahr um 100,3 Millionen auf nur mehr 7,8 Millionen Tiere, was einer Reduktion der Tierbestände um beinahe 93 Prozent entspricht“, unterstreicht Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol. „Auch der Flächenverbrauch nimmt ab, denn durch den Wegfall des Fleischkonsums werden Futtermittelflächen frei.“

Da jedem der verbleibenden Tiere rechnerisch eine größere Stallfläche zur Verfügung steht, könnten dann sämtliche Legehennen und Milchkühe tiergerecht gemäß den Grundsätzen der biologischen Tierhaltung bzw. in Freiland- oder Weidehaltung gehalten werden. Nach Abzug jener Flächen, die fortan dem Anbau proteinreicher Pflanzen für die menschliche Ernährung dienen, bleibt im Szenario noch immer eine Restfläche von rund 637.000 Hektar freier landwirtschaftlicher Nutzfläche. Diese Fläche könnte, so die Autoren, teils für flächendeckenden biologischen Anbau, teils für Renaturierung und Aufforstung genutzt werden.

Eine aktuelle Untersuchung von YouGov CP Austria und Integral Marktforschung anlässlich des diesjährigen Weltvegetariertages zeigt übrigens, dass der Absatz von Fleisch und Geflügel in Österreich gegenüber 2016 um 6,6 Prozent und der Absatz von Wurstwaren um 8,3 Prozent zurückgegangen ist. 36 Prozent der Befragten, die Fleisch essen, geben an, den eigenen Fleischkonsum in der nächsten Zeit reduzieren zu wollen. Im Vordergrund stehen dabei das Tierwohl und der Klimaschutz. YouGov und Integral zufolge werde Fleisch in Österreich zunehmend bewusster konsumiert – ganz im Sinne einer „flexitarischen“ Ernährung.

Bezirk: Bozen

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