Von: Matthias Knapp
Sarnthein – Mit einer festlichen Erntedankfeier im Bürgerhaus von Sarnthein hat der Verein Freiwillige Arbeitseinsätze (VFA) sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Gemeinsam mit Freiwilligen, Bergbauernfamilien, Vertretern der Trägerorganisationen, Förderern, Politik und langjährigen Wegbegleitern blickte der Verein auf drei Jahrzehnte gelebter Solidarität zurück. Im Mittelpunkt der Feier standen Dankbarkeit für die Ernte, die Würdigung des ehrenamtlichen Engagements sowie die Vorstellung des neuen Jubiläumsbuches „Man spürt jede Hand“, das die Geschichte des Vereins und zahlreiche persönliche Erfahrungen von Bergbauernfamilien und Freiwilligen festhält.
Aus einer Idee wurde eine Erfolgsgeschichte
In seinem Rückblick zeichnete Obmann Georg Mayr die Entwicklung des Vereins nach. Die Idee zur Gründung entstand Anfang der 1990-er Jahre im Umfeld des Bäuerlichen Notstandsfonds. Nach verschiedenen behördlichen Abklärungen und einem Pilotprojekt in drei Gemeinden starteten 1996 die ersten Freiwilligeneinsätze auf Südtiroler Bergbauernhöfen. Bereits ein Jahr später gründeten der Südtiroler Bauernbund, die Caritas, der Südtiroler Jugendring und die Lebenshilfe den Verein Freiwillige Arbeitseinsätze.
Was damals klein begann, entwickelte sich zu einer festen Säule der Unterstützung für Südtirols Berglandwirtschaft. Seit 1996 leisteten Tausende Menschen auf Bergbauernhöfen wertvolle Hilfe bei der Bewältigung der täglichen Arbeit und trugen damit dazu bei, dass bäuerliche Familien in schwierigen Situationen Entlastung erfahren konnten. „In all diesen Jahren haben die unzähligen Helferinnen und Helfer mit ihrem Einsatz einen Beitrag dazu geleistet, dass in Südtirol auch heute noch so viele Bergbauernhöfe auch in extremer Lage bewirtschaftet werden können. Dafür gebührt ihnen unser aufrichtiger Dank!“, unterstrich Obmann Mayr.
Beeindruckende Zahlen auch nach 30 Jahren
Der Verein kann auch heute auf eine starke Unterstützung zählen. Im Jahr 2026 wurden 1.673 Freiwillige vermittelt. Sie leisteten gemeinsam 14.910 Einsatztage auf 251 Bergbauernhöfen in allen Teilen Südtirols.
Die Helferinnen und Helfer stammen längst nicht mehr nur aus Südtirol. Rund zwei Drittel kommen aus Deutschland, weitere Freiwillige aus Österreich, der Schweiz, anderen Regionen Italiens sowie aus weiteren Ländern Europas. Besonders erfreulich ist die Beteiligung von Südtiroler Freiwilligen, die mehr als ein Fünftel aller Helferinnen und Helfer ausmachen.
Die Zahlen zeigen außerdem, dass freiwilliges Engagement kein Alter kennt: Fast die Hälfte der Freiwilligen ist heute über 55 Jahre alt. Sie bringen Lebenserfahrung, Wissen und Tatkraft auf die Bergbauernhöfe mit.
Buchpräsentation und Podiumsgespräch
Ein Höhepunkt der Feier war die Präsentation des Jubiläumsbuches „Man spürt jede Hand“.
Das Buch erzählt von Begegnungen zwischen Helfenden und Bergbauernfamilien, von Herausforderungen im Berggebiet und von den vielen kleinen und großen Gesten der Solidarität, die den Verein seit drei Jahrzehnten prägen.
In einer Gesprächsrunde wurde die Entwicklung des Vereins beleuchtet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprachen über die Bedeutung der freiwilligen Arbeitseinsätze für die Südtiroler Berglandwirtschaft, blickten auf die vergangenen 30 Jahre zurück und diskutierten Perspektiven für die Zukunft des Vereins.
Am Podium Platz nahmen der Buchautor Leo Hillebrand, Landesrätin Rosmarie Pamer, VFA-Obmann Georg Mayr, Bergbauernvertreter Alberich Hofer, der Bergbauer Reinhold Volgger und die Helferin Ruth Berg. Moderiert hat die Buchvorstellung Markus Frings.
Dank an Förderer und Unterstützer
Ein besonderer Dank galt der Südtiroler Landesregierung/Amt Deutsche Kultur, der Firma ASPIAG/Despar und der Stiftung Südtiroler Sparkasse. Letztere beide unterstützen den Verein seit vielen Jahren.
Dank an die Freiwilligen
Im Rahmen der Feier wurden einige Freiwillige stellvertretend für die vielen Helferinnen und Helfer geehrt, die in den vergangenen Jahren ihre Zeit und Arbeitskraft unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben. VFA-Koordinatorin Monika Thaler stellte die Helferinnen und Helfer jeweils kurz vor und machte die Ehrung so zu einem emotionalen Höhepunkt des Abends.
Großen Applaus gab es auch für drei Persönlichkeiten, die die Geschichte des VFA seit vielen Jahren prägen: Manuel Kröss als Mitarbeiter seit zehn Jahren, Monika Thaler als Koordinatorin seit 20 Jahren und Georg Mayr als Obmann seit 30 Jahren.
Solidarität, die Zukunft hat
Auch nach 30 Jahren bleibt das Ziel des Vereins unverändert: Menschen für freiwilliges Engagement zu begeistern und Bergbauernfamilien in herausfordernden Situationen konkret zu unterstützen.
Die Geschichte der Freiwilligen Arbeitseinsätze zeigt eindrucksvoll, dass gelebte Solidarität Brücken zwischen Stadt und Land, zwischen Generationen und über Ländergrenzen hinweg schaffen kann. Oder, wie der Titel des Jubiläumsbuches treffend zusammenfasst: „Man spürt jede Hand.“




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