Von: Redaktion Südtirol News
Neue Arbeitsmarkt-News untersucht 79 Berufsgruppen nach Alter, Geschlecht, Staatsbürgerschaft und Beschäftigungsform – Auch die mögliche technologische Ersetzbarkeit von Tätigkeiten wird betrachtet
Bozen – Welche Herausforderungen ergeben sich für den Südtiroler Arbeitsmarkt, wenn man die Berufe im Einzelnen betrachtet? Diese Frage hat sich der Arbeitsmarktservice des Landes Südtirol gestellt und in der neuesten Ausgabe der Arbeitsmarkt-News versucht, Arbeitsmarktentwicklungen darzustellen – insbesondere, was den potenziellen Ersatzbedarf anbelangt, wenn die ältere Generation in Pension geht.
Dabei werden die wichtigsten 79 Berufsgruppen, in denen unselbständige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tätig sind, unter den Aspekten Geschlecht, Alter, Staatsbürgerschaft und Beschäftigungsform betrachtet (Datenstand 2025).
“Der Blick auf die einzelnen Berufe zeigt, wie unterschiedlich die Ausgangslage auf dem Südtiroler Arbeitsmarkt ist. Die analysierten Berufsgruppen unterscheiden sich teilweise sehr deutlich im Hinblick auf Geschlechterverteilung, Präsenz von ausländischen Arbeitskräften und Durchschnittsalter. Diese Unterschiede müssen wir im Blick haben, wenn wir die künftigen Herausforderungen am Arbeitsmarkt beurteilen”, sagt Arbeits-Landesrätin Magdalena Amhof.
Die häufigste Berufsgruppe unter den unselbstständig Beschäftigten sind die Büro- und Verwaltungsfachkräfte. (Frauen 19,1 Prozent, Männer 7,3 Prozent). Bei den Frauen folgen Verkäuferinnen mit 9 Prozent und Servierfachkräfte mit 7,9 Prozent. Bei den Männern Lagerfachkräfte mit 5,5 Prozent sowie Köche und Verkäufer mit jeweils 4,2 Prozent.
Frauen und Männer weiterhin häufig in unterschiedlichen Berufen
Deutliche Unterschiede zeigt die Analyse bei der Geschlechterverteilung. Frauen sind vor allem in Pflege-, Sozial- und Erziehungsberufen vertreten, Männer überdurchschnittlich häufig in technischen, handwerklichen und produktionsnahen Berufen. Die Durchlässigkeit zwischen den Berufsfeldern ist gering: Sowohl der Anteil von Männern in typischen Frauenberufen als auch jener der Frauen in typischen Männerberufen liegt unter einem Prozent.
“Diese Durchlässigkeit gilt es zu erhöhen, denn der Beruf wirkt sich auch auf Einkommenschancen und vor allem die Absicherungschancen im Alter aus”, betont Amhof. Zudem verschenke man wertvolle Potenziale, wenn junge Frauen und Männer ihre Berufswahl vorwiegend aufgrund von traditionellen Rollenmustern treffen.
Auch beim Alter bestehen beträchtliche Unterschiede zwischen den Berufsgruppen. Ein höheres Durchschnittsalter findet sich häufig in Berufen, die längere Ausbildungswege oder langjährige Berufserfahrung voraussetzen (zum Beispiel Führungskräfte, aber auch Sicherheitsdienste). Beschäftigte in vielen Handwerksberufen sind hingegen vergleichsweise jung. Ein hoher Anteil älterer Beschäftigter kann auf einen künftig notwendigen demografischen Ersatzbedarf hinweisen.
Ausländische Arbeitskräfte in einzelnen Berufen stark vertreten
Große Unterschiede bestehen auch hinsichtlich der Staatsbürgerschaft. Besonders hohe Anteile von Beschäftigten mit ausländischer Staatsbürgerschaft finden sich in verschiedenen Hilfs-, Saison- und Dienstleistungsberufen (bei gastgewerblichen Hilfskräften zum Beispiel 74,7 Prozent).
Altersstruktur und KI nicht immer im Einklang
“KI und Automatisierung könnten zweifellos einen wichtigen Beitrag leisten, um die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt abzufedern”, erklärt Arbeitsmarktservice-Direktor Stefan Luther. “Ein echter Glücksfall wäre es, wenn sie gerade jene Tätigkeiten und Berufe ersetzen könnten, in denen besonders viele ältere Arbeitnehmende beschäftigt sind. Genau hier liegt allerdings die Einschränkung: Das Substitutionspotenzial ist gerade in mehreren Berufsfeldern, die einen hohen Anteil an älteren Beschäftigten aufweisen, vielfach begrenzt”, präzisiert der Arbeitsmarktservice-Chef. KI und Automatisierung böten durchaus Chancen, die Folgen des demografischen Wandels abzumildern – allerdings nicht unbedingt dort, wo ihre Unterstützung am dringendsten benötigt würde.
Die Arbeitsmarkt-News sind online abrufbar.




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