Offener Brief

Bäckermeister lanciert erschütternden Hilferuf

Donnerstag, 20. August 2026 | 10:01 Uhr

Von: Matthias Knapp

Laas – Der Verbraucherschutzverein Robin solidarisiert sich mit dem Hilferuf eines Bäckermeisters aus dem Vinschgau. Der Inhaber der Bäckerei klagt in einem offenen Brief darüber, dass sein Betrieb kurz vor dem Aus stehe, und fordert Maßnahmen von der Landesregierung. Laut Robin würden hohe Energiekosten für immer mehr Kleinbetriebe zur Existenzfrage.

Hier der Brief von Bäckermeister im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Kompatscher,

in den Medien und bei politischen Sonntagsreden wird immer wieder das Sterben der Nahversorger im ländlichen Raum bedauert. Es wird gerätselt, warum traditionsreiche Betriebe schließen und die Jugend abwandert. Wenn Sie die Antwort darauf suchen, müssen Sie nicht lange forschen. Sie können sie direkt hier bei mir, im Vinschgau, ablesen. Mein Name ist Markus Hofer. Ich bin der „DorfBeck“ in Laas und betreibe die kleinste Meisterbäckerei Südtirols. Ich liebe mein Handwerk, ich versorge mein Dorf täglich mit frischem Brot und stehe jede Nacht in der Backstube.

Doch die Landespolitik nimmt uns Kleinstbetrieben systematisch die Luft zum Atmen. Ich stehe mit dem Rücken zur Wand, und wenn sich nichts ändert, gehört mein Betrieb bald zu den nächsten, die für immer zusperren müssen. Die Realität sieht so aus: Für ein einziges, kleines Geschäft mit angeschlossener Backstube zahle ich mittlerweile 2.000 Euro Stromkosten im Monat Maximalbetrag war sogar fast 5000€. Das ist für einen Kleinstbetrieb absolut untragbar. Die Situation ist so dramatisch, dass ich mir seit sechs Jahren keine Renteneinzahlung mehr leisten kann. Ich arbeite mir jede Nacht die Finger wund, um am Ende des Monats nur noch die Fixkosten und die Energiekonzerne zu bedienen, während ich selbst sehenden Auges in die Altersarmut getrieben werde. Wie, Herr Landeshauptmann, soll ein kleiner Handwerksbetrieb unter diesen Bedingungen überleben?

Was diese Situation zu einer unerträglichen Ungerechtigkeit macht, ist der historische und moralische Hintergrund in unserem Land. Wir leben in einer Region, die massenhaft sauberen, günstigen Strom aus Wasserkraft produziert. Unsere Ahnen hier im Vinschgau – man denke nur an das tragische Schicksal von Alt-Graun und die Flutung des Reschensees – mussten buchstäblich von Haus und Hof weichen, wurden enteignet und vertrieben, damit diese Stauseen und Kraftwerke überhaupt gebaut werden konnten. Das Volk hat damals das Opfer erbracht. Und was ist der Dank dafür heute? Während die einheimische Bevölkerung und das lokale Handwerk beim Strom gnadenlos zur Kasse gebeten werden, fährt der landeseigene Energiekonzern Alperia Jahr für Jahr Rekordgewinne in dreistelliger Millionenhöhe ein. Dass sich die Politik dann hinter EU-Recht, freien Märkten und dem Merit-Order-Prinzip versteckt, um zu rechtfertigen, warum wir „Gaspreise“ für unseren eigenen Wasserkraftstrom zahlen müssen, ist den Bürgern und Betrieben nicht mehr vermittelbar. Das ist kein freier Markt, das fühlt sich für uns wie systematisierte Abzocke auf dem Rücken der Steuerzahler an. Die Gewinne aus unserer Südtiroler Wasserkraft gehören nicht in die Bilanzen eines Energie-Riesen, der die eigenen Leute aussaugt. Sie gehören in Form von bezahlbaren Tarifen zurück zu den Bürgern und zu den lokalen Handwerksbetrieben, die das Fundament unserer Dörfer bilden.

Ich fordere Sie als Landeshauptmann und als Hauptverantwortlichen dieses Landes dazu auf, die Südtirol-Autonomie endlich dort zu nutzen, wo es um die nackte Existenz der Menschen geht: 1. Einführung eines echten, geschützten Landestarifs für das lokale Handwerk und Nahversorger, der sich an den tatsächlichen Produktionskosten der heimischen Wasserkraft orientiert und nicht an spekulativen Börsenpreisen. 2. Sofortige Entlastung bei den Sozial- und Rentenbeiträgen für inhabergeführte Kleinstbetriebe, damit harte Arbeit wieder eine Absicherung im Alter garantiert, anstatt in der Existenznot zu enden. Wenn die Landesregierung hier nicht sofort einschreitet und den Ausverkauf der Betriebe stoppt, werden bald nicht nur die Lichter in der kleinsten Meisterbäckerei Südtirols ausgehen. Dann stirbt die Lebendigkeit unserer Dörfer endgültig. Ich erwarte von Ihnen keine bürokratischen Textbausteine, sondern konkrete Antworten und Taten für das Südtiroler Handwerk.

„Der offene Brief des Laaser Bäckermeisters Markus Hofer ist für den Verbraucherschutzverein Robin ein eindringlicher Hilferuf, der nicht ungehört bleiben darf“, erklärt der Verbraucherschutzverein. Robin solidarisiert sich mit dem Kleinunternehmer und seiner Forderung nach konkreten Maßnahmen zur Entlastung des lokalen Handwerks.

„Was Hofer beschreibt, dürfte kein Einzelfall sein. Gerade kleine Handwerksbetriebe, Nahversorger, Bäckereien, Gastbetriebe und familiengeführte Unternehmen kämpfen mit hohen Energie-, Personal- und Betriebskosten“, so Robin. Wenn trotz voller Arbeitsleistung am Monatsende kaum noch Luft zum Atmen bleibt, gehe es längst um die Frage, ob solche Betriebe überhaupt noch eine Zukunft haben.

„Wir fragen uns schon lange: Warum ist der Aufschrei eigentlich nicht viel größer?“, sagt Robin-Geschäftsführer Walther Andreaus. „Es kann nicht sein, dass Kleinbetriebe von einem Monat auf den anderen 5.000 statt 2.000 Euro für Strom zahlen müssen, weil irgendwo internationale Krisen den Gaspreis in die Höhe treiben“, so Andreaus. Die Wasserkraft, aus der Südtirol seinen Strom gewinnt, sei von diesen Krisen gar nicht betroffen. „Eine Preisexplosion auf dieser Grundlage ist daher durch nichts zu rechtfertigen – sie trifft Kleinbetriebe und Haushalte völlig unnötig hart. Das Autonomiestatut würde uns die Werkzeuge für eine Strompreiskontrolle geben. Es ist Zeit, sie zu nutzen.“

Für Robin ist der offene Brief deshalb mehr als die Klage eines einzelnen Unternehmers. „Er macht sichtbar, was in vielen kleinen Betrieben zunehmend zum Problem wird: Energiekosten werden zu einem wesentlichen Kostenfaktor, der nicht einfach weitergegeben werden kann. Kleine Betriebe können ihre Preise nicht beliebig erhöhen, ohne Kunden zu verlieren“, so Andreaus.

Sein Fazit lautet: Wenn der Nahversorger verschwindet, verschwindet mehr als nur ein Geschäft: Es gehe um Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung, kurze Wege, Lebensqualität und die Lebendigkeit unserer Dörfer.

Besonders ernst nimmt Robin die Frage, wie Südtirol mit seinem Wasserkraftreichtum umgeht. „Bevölkerung und Wirtschaft müssen einen nachvollziehbaren und spürbaren Vorteil aus dieser Ressource haben. Es kann nicht genügen, immer wieder auf die Bedeutung der Wasserkraft hinzuweisen, während Haushalte und Kleinbetriebe gleichzeitig über hohe Stromrechnungen klagen“, so Andreaus.

Robin unterstützt daher die Forderung nach einer ernsthaften politischen Debatte darüber, wie die Südtiroler Wasserkraft stärker zur Entlastung der heimischen Haushalte und Betriebe eingesetzt werden kann.

„Der Hilferuf aus Laas sollte ein Weckruf sein“, so Andreaus. „Wir dürfen nicht erst dann über den Erhalt unserer Dörfer sprechen, wenn der letzte Bäcker, Handwerker oder Nahversorger zugesperrt hat. Wer die kleinen Betriebe erhalten will, muss dafür sorgen, dass sie wirtschaftlich überleben können.“

Robin fordert die Landesregierung deshalb auf, die Sorgen der Kleinstbetriebe ernst zu nehmen und endlich eine offene Diskussion über die Südtiroler Energiepolitik und die Nutzung des Wasserkraftvorteils zu führen: „Denn hinter jeder Stromrechnung steht ein Mensch. Und hinter jedem kleinen Betrieb stehen Menschen, Familien und ein Stück Südtiroler Dorfleben.

Bezirk: Vinschgau

Kommentare

Aktuell sind 17 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen