Der Brennerbasistunnel wird später in Betrieb gehen

BBT: Inbetriebnahme erst 2034, mehr als eine Mrd. teurer

Dienstag, 20. Oktober 2026 | 17:46 Uhr

Von: importer

Das Mammutprojekt Brennerbasistunnel verzögert sich und wird beträchtlich mehr kosten: Wie die Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE der APA am Dienstag nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte, wird sich die Fertigstellung auf 2033 und die Inbetriebnahme auf 2034 verschieben. Bisher war von einer Fertigstellung 2031 und einer Inbetriebnahme 2032 die Rede gewesen. Zudem würden sich die Gesamtprojektkosten von 10,5 Mrd. Euro auf 11,7 Mrd. Euro erhöhen, hieß es.

Entsprechende Gerüchte um eine erneute zeitliche Verschiebung hatte es bereits in den vergangenen Monaten gegeben. Und dies vor allem wegen der Abstimmungen in Bezug auf die bahntechnische Ausrüstung. Schließlich kündigte die Basistunnelgesellschaft eine “Aktualisierung des Bauprogramms” an, die nunmehr erfolgte und die entsprechenden Konsequenzen zur Folge hatte. Von einer “Aktualisierung der bahntechnischen Planung von 2008” war dann am Dienstag die Rede, die zu der Verschiebung und Erhöhung der Projektkosten führe. Nach den entsprechenden “technischen und wirtschaftlichen Bewertungen” seien die neuen Zeiten und Kosten vom Aufsichtsrat genehmigt worden.

Seit 2008 habe sich “vor allem aus technischer und normativer Sicht viel getan: neue Technologie und Sicherheitsvorschriften sind mittlerweile bindend”, ließen die Tunnelverantwortlichen wissen. Die nunmehrige Neuplanung baue auf “innovativen Weiterentwicklungen und den wertvollen Erfahrungen aus dem Gotthard-Basistunnel auf”. Man habe wertvolle Impulse für den Brennerbasistunnel erhalten, das Potenzial der dritten Röhre, des sogenannten Erkundungsstollen, sei aufgezeigt worden. Dieser werde weiter zum Servicetunnel entwickelt. Die Kapazität in den Hauptröhren soll dadurch erhöht werden. Betriebsunterbrechungen betreffend Instandhaltungsarbeiten könnten deutlich reduziert werden, wodurch die Verfügbarkeit der Anlage erhöht werde, wurde argumentiert. Das sei ein großer Vorteil für die gesamte Betriebsphase.

Zusätzliche Arbeiten wegen Sicherheit, Integration der Bahntechnik

“Der Brenner Basistunnel ist mehr als nur ein Tunnel: Er ist ein grenzüberschreitendes Bahnsystem, das höchsten Anforderungen an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Betrieb gerecht werden muss”, erklärten die beiden Vorstände der BBT SE, Umberto Lebruto und Martin Gradnitzer, in einer Pressemitteilung. Die technische Planung sei deshalb “an den heutigen Stand der Technik und die geltenden Sicherheitsanforderungen angepasst” worden. “Die dafür notwendigen zusätzlichen Bauarbeiten und die Integration der Bahntechnik bedeuten mehr Zeit und höhere Kosten. Der BBT ist ein einzigartiges Projekt, das maßgeblich dazu beitragen wird, den Straßenverkehr zu entlasten”, warben die beiden Vorstände um Verständnis.

Mehr Bauwerke, mehr Geld

Als Gründe für die deutlich höheren veranschlagten Kosten wurden unter anderem die zusätzlichen Tunnelbauwerke genannt, die nötig seien, um den Erkundungsstollen als Servicetunnel zu nutzen, sowie der längere Bauzeitraum. Auch seien höhere Aufwendungen für die bahntechnische Ausrüstung vonnöten, unter anderem aufgrund weiterentwickelter technischer und sicherheitsbezogener Anforderungen. Schließlich wurden auch noch “Preissteigerungen und Inflation” als Auswirkungen für das grenzüberschreitende Eisenbahntunnelprojekt zwischen Österreich und Italien ins Treffen geführt.

Hanke: “Verzögerung und Mehrkosten unerfreulich”

“Die Verzögerung und Mehrkosten beim BBT sind unerfreulich. Für die Bevölkerung Tirols ist die Fertigstellung des Tunnels essenziell, da so ein Teil des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene verlagert werden kann”, reagierte unterdessen Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) gegenüber der APA nicht sehr amused. Derartige Entwicklungen würden weitreichende Folgen für die budgetäre Situation und die örtliche Bevölkerung haben. “Ich erwarte mir vom Vorstand der BBT SE, dass dieser die neuen Pläne konsequent, im neuen Zeitrahmen und mit strikter Kostendisziplin umsetzt. Die Menschen, allen voran die Tiroler Bevölkerung, müssen sich darauf verlassen können, dass dieses Projekt jetzt mit voller Kraft vorangetrieben wird”, mahnte Hanke zugleich ein, dass der nunmehrige Zeitrahmen jedenfalls eingehalten werde.

“Jede Verzögerung beim Brenner Basistunnel ist ein Rückschlag, das braucht man gar nicht schönreden. Wir haben jetzt die lange eingeforderte Klarheit, wie es weitergeht”, fiel unterdessen die Reaktion von Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) gemischt aus. Die nun angekündigte Nutzung des Erkundungsstollens als Servicestollen, um damit die Sicherheit zu erhöhen, künftige Sperrtage zu vermeiden und damit die Kapazitäten zu erhöhen, klinge “technisch schlüssig”, fand der Landeshauptmann, der aber auch deutliche Kritik an den Verantwortlichen übte: “Als Landeshauptmann fordere ich jetzt endgültig ein Ende der Geheimhalterei und eine rasche Fertigstellung des BBT.”

Tirols Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) forderte unterdessen von den Verantwortlichen unter anderem “rasch ein verbindliches und grenzüberschreitend abgestimmtes Betriebskonzept”: “Es muss auf Punkt und Beistrich regeln, wie der Tunnel betrieben, gewartet und im Ernstfall abgesichert wird und wie seine Kapazitäten maximal genutzt werden können.” Der weltweit längste Eisenbahntunnel werde dafür gebaut, um den Verkehr über den Brenner von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Dafür brauche es ein wirksames Kapazitätsmanagement sowie abgestimmte Fahrpläne für den Güter- und Personenverkehr, so Zumtobel. Er nannte die Bauzeitverlängerung und die damit verbundenen höheren Kosten einen “herben Rückschlag für unsere Bemühungen, den Verkehr am Brennerkorridor von der Straße auf die Schiene zu verlagern”.

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