Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Mit dem heutigen Beginn des neuen Kindergartenjahres stehen viele berufstätige Eltern erneut vor einer organisatorischen Herausforderung: In der ersten Woche endet die Betreuung in den deutschsprachigen Kindergärten bereits um 12.30 Uhr, die verlängerte Öffnungszeit wird noch nicht angeboten.
In den vergangenen Tagen haben Gleichstellungsrätin Brigitte Hofer dazu zahlreiche Rückmeldungen von Eltern erreicht.
„Gerade jetzt zeigt sich ganz konkret, was eine solche Regelung für Familien bedeutet“, so Hofer. „Nach rund zwölf Wochen Sommerferien bzw. Sommerbetreuung beginnt für viele Eltern erneut die Suche nach einer Lösung: Wer kann das Kind abholen? Wer kann früher von der Arbeit gehen? Wer nimmt noch einmal Urlaub oder organisiert eine andere Betreuung?“
Die Organisation des Familienalltags sei für berufstätige Eltern ohnehin mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Arbeitszeiten, Öffnungszeiten von Kindergarten und Schule, Ferienzeiten, Krankheitstage und andere Betreuungslücken müssten immer wieder miteinander in Einklang gebracht werden. Und weiter: „Und wir dürfen nicht vergessen, dass diese Organisations- und Betreuungsarbeit nach wie vor zu einem großen Teil von Frauen übernommen wird. Wenn institutionelle Betreuung ausfällt oder zeitlich nicht ausreicht, sind es häufig sie, die ihre Arbeitszeit anpassen, Urlaub nehmen oder andere Lösungen finden müssen“, betont die Gleichstellungsrätin.
Hofer hat sich daher an die zuständigen politischen Verantwortlichen gewandt und um Auskunft gebeten, welche organisatorischen Gründe der derzeitigen Regelung zugrunde liegen. Gleichzeitig regt sie an, zu prüfen, ob künftig bereits ab der ersten Kindergartenwoche längere Betreuungszeiten angeboten werden können.
Dabei gehe es nicht darum, die besonderen pädagogischen Anforderungen der Eingewöhnungsphase infrage zu stellen. Vielmehr müsse geprüft werden, wie diese mit den Bedürfnissen berufstätiger Eltern besser in Einklang gebracht werden können.
„Vereinbarkeit von Familie und Beruf braucht vor allem Verlässlichkeit und Planbarkeit. Mein Wunsch ist, dass wir aus den Erfahrungen dieser ersten Woche lernen und für die kommenden Kindergartenjahre Lösungen finden, die den pädagogischen Anforderungen ebenso Rechnung tragen wie der Lebens- und Arbeitsrealität der Familien“, so Hofer.
Verlässliche Kinderbetreuung sei schließlich nicht nur eine familienpolitische Frage, sondern auch eine Frage der Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. „Wenn Betreuungslücken überwiegend von Frauen aufgefangen werden, kann sich dies auf Arbeitszeit, berufliche Entwicklung, Einkommen und langfristig auch auf die soziale Absicherung auswirken“, unterstreicht Gleichstellungsrätin Hofer.




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