Von: importer
Supermärkte in mehreren europäischen Ländern sind Ziel von Cyberangriffen auf ihre Kühl- und Gefriersysteme geworden. Betroffen waren am Montag Filialen unter anderem in Schweden, Belgien, Luxemburg, Estland und Irland. Durch die Manipulationen stiegen die Temperaturen in den Kühlanlagen drastisch an, wodurch große Mengen an Lebensmitteln verdarben. Ein ähnlicher Vorfall hatte sich erst vor kurzem in Frankreich ereignet.
In Schweden meldeten die Lebensmittelketten ICA und Coop Temperaturanstiege. “Es gab einen Cyberangriff, und alle unsere Gefrierschränke erreichten zehn Grad”, sagte Engla Ingwall, Verkaufsleiterin einer ICA-Filiale in Stockholm. “Alles ist verdorben.” Das schwedische Unternehmen Coop teilte der Zeitung “Aftonbladet” mit, sechs seiner Filialen seien betroffen gewesen. In Belgien und Luxemburg verzeichneten die Handelskonzerne Ahold Delhaize und Colruyt Störungen.
Stephan Moelans, Chef des belgischen Kältetechnikunternehmens Sabcobel, das die Systeme von Delhaize betreibt, sagte der Nachrichtenagentur Belga, die Verdampfer der Anlagen seien in den Abtaumodus versetzt worden. “Ich bin seit zwei Uhr nachts wach. Wir haben die ganze Nacht und den gesamten Morgen daran gearbeitet, die betroffenen Geräte vom Netz zu trennen”, erklärte er.
“Ein leichtes Ziel”
Carrefour teilte mit, 15 seiner 700 Filialen in Belgien seien beeinträchtigt gewesen. Colruyt gab bekannt, dass in vielen seiner Spar-Franchise-Geschäfte die Kühlsysteme angegriffen worden seien. Der belgische Metzgereibetreiber Luc De Laet bezifferte den Schaden in seinem Betrieb auf rund 15.000 Euro. “Es macht mich wütend, weil es so viel Hunger auf der Welt gibt, aber die Ware ist nicht mehr zu gebrauchen, und man kann sie nur noch wegwerfen”, sagte er Reuters. “Es ist sehr beängstigend. Sie hacken das System, das die Temperatur registriert, und können es aus der Ferne programmieren.”
In Irland erklärte der Lebensmittelgroßhändler Musgrave, ein Vorfall habe die Kühlsysteme in 13 seiner SuperValu-Filialen lahmgelegt. In Estland stiegen die Temperaturen in einer Supermarktkette ebenfalls auf zehn Grad, wie der öffentlich-rechtliche Sender ERR unter Berufung auf den Technologieanbieter Kitman Coldtech berichtete.
Hintergründe bisher unklar
Die Hintergründe der Angriffe blieben zunächst unklar. Da keine finanziellen Forderungen gestellt wurden, vermuten Experten Sabotage. “Der Einzelhandel ist ein leichtes Ziel, weil Handelsketten eine Vielzahl von Kühlreglern, Gebäudemanagementsystemen, Zugangskontrollen und Kassensystemen betreiben”, erklärte Tom Hegel, Analyst beim Cybersicherheitsunternehmen SentinelOne. Die Margen im Lebensmittelhandel seien gering und die Ware verderbe innerhalb weniger Stunden, weshalb jede Störung schnell schmerzhafte, öffentlich sichtbare Folgen habe.




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