Von: Martin Geier
Bozen – Jahrzehnte hindurch wurde Südtirols Tourismus mit dem deutschen Gast verbunden. Das war auch kein Wunder, denn abgesehen vom Hochsommer, als sich im Pustertal und in den Dolomitentälern auch viele Italiener tummelten, „gehörte” das Urlaubsland – von einigen Peanuts wie den Schweizern und den Holländern abgesehen – fast uneingeschränkt den Deutschen.
Es war eine Win-Win-Situation, denn für Deutsche war – und ist – Südtirol so etwas wie ein Sehnsuchtsland, das Alpenberge mit einem gehörigen Schuss mediterranem Flair verband und in dem sie von allen problemlos verstanden wurden. Für die Touristiker waren sie hingegen gerne gesehene Stammgäste, die lange blieben, vorhersehbare Essenswünsche hatten und fast jedes Jahr – manchmal sogar mehrmals im Jahr – wiederkamen. Leider sterben den einheimischen Touristikern immer mehr dieser biederen, aber treuen Wanderurlauber weg.

„Dank“ der sozialen Netzwerke und einer prosperierenden Wirtschaft, die eine gutbetuchte Mittelschicht schuf, wird Südtirol inzwischen bei Gästen aus Asien, insbesondere bei Chinesen, Südkoreanern, Japanern und Taiwanesen, immer beliebter. Über diese „neuen Touristen“, die immer zahlreicher werden, freuen sich die Hoteliers einerseits, denn sie verringern die Abhängigkeit von den Gästen aus Deutschland und Italien, beleben die Vor- und Nachsaison und spülen dank ihrer Großzügigkeit viel Geld in die Kassen.
Schade nur, dass sie im Land nur wenige Tage verbringen und dabei von einem „Instagram-Hotspot“ – etwa Seceda, Villnöß und Pragser Wildsee – zum nächsten hopsen, um morgen in Mailand, Venedig oder im Schloss Neuschwanstein zu sein.
Als Flugtouristen buchen sie so früh wie möglich, um günstige Tickets zu erhalten. Das hat jedoch zur Folge, dass sie die Hotels für andere Gäste „zubuchen”. Viele Deutsche hingegen entscheiden sich erst nach dem Wetterbericht für eine Reise nach Südtirol – und stellen dann möglicherweise fest, dass die Zimmer bereits „weggebucht“ sind.

Für die Touristiker ist es eine Zwickmühle: Die Asiaten versprechen zwar weitere Einnahmen, sind nach Fotos und Videos aber wieder weg und kommen meist auch nie wieder. Dabei nehmen sie den Familienurlaubern, den Wellnesstouristen und den älteren Wanderurlaubern die Zimmer weg – oft verärgerte Stammgäste, die leider nicht mehr wiederkommen.

Es gilt, sich zu entscheiden: Will man einen „Fast-Food-Tourismus“, der die Landschaft konsumiert und sich auf wenige „Instagram-würdige“ Orte beschränkt, oder einen sanfteren Tourismus, der sich aufs Land besser verteilt und Urlauber anzusprechen versucht, die länger bleiben wollen? Die Touristiker wollen es allen recht machen, aber dieser Schuss könnte nach hinten losgehen.
Salopp formuliert könnte die knifflige Frage „Asiaten oder Germanen?” lauten, aber eigentlich geht es darum, eine Tradition gegen eine „Moderne” zu verteidigen, die dem Land eher schadet. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Chinesen, Südkoreanern, Japanern und Taiwanesen die Augen für die vielen Schönheiten zu öffnen, die Südtirol zu bieten hat.




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