Fischereiverband Südtirol mahnt

Frostberegnung kann Fischbestand bedrohen

Montag, 22. März 2021 | 10:23 Uhr

Bozen – Der Weltwassertag wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 1993 ins Leben gerufen, um die Grundlage allen Lebens zumindest einmal im Jahr ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stellen. Heuer steht dieser besondere Tag unter dem spannenden Motto “Wert des Wassers” – Anlass für den Fischereiverband Südtirol, sich einige Gedanken dazu zu machen, mit Fokus auf die Situation in Südtirol. Dabei merken die Fischer auch an, dass die Frostberegnung der Bauern das Wasser aus den Bächen in der Nähe der Apfelkulturen verwendet. Wenn die Frostberegnung läuft, dann braucht sie in kürzester Zeit große Wassermengen, die dann wiederum in den Bächen fehlen. Die Folge davon: Die Fische verenden.

Wir Südtiroler sind privilegiert: sauberes Trinkwasser fließt praktisch überall aus dem Wasserhahn, fast kostenlos; unsere Fließgewässer verfügen dank Kläranlagen großteils über eine sehr gute Wasserqualität; bedrohliche Trockenzeiten sind (noch) die Ausnahme und Regentage erhalten (noch immer) das wenig schmeichelhafte Prädikat schlecht (Schlechtwetter) verpasst, vor allem von Radiomoderatoren oder Tourismustreibenden.

Wobei wir beim “Wert” wären, dem heurigen Motto des Weltwassertages, und uns eines passenden “Gesetzes” aus der Volkswirtschaft bedienen, dem “abnehmenden Grenznutzen”. Auf den Wasserkonsum vereinfachend heruntergebrochen besagt es, dass ein Glas Trinkwasser in der Wüste einen vergleichsweise höheren Nutzen stiftet, als auf einem Küchentisch einer Südtiroler Familie, wo beliebig viel Frischwasser aus den Hahn nachrinnt. Je mehr man Wasser trinkt, umso geringer wird der Bedarf an weiterem Wasser, der zusätzliche Nutzen jedes weiteren Glases sinkt. Der natürliche Wasserreichtum in unserem Land oder die Übersättigung, um beim “abnehmenden Grenznutzen” zu bleiben, hat dazu geführt, dass in unserer Wohlstandsgesellschaft der Wert des Wassers anders wahrgenommen wird. Man könnte auch sagen, dass die Wertschätzung dafür auf der Strecke geblieben ist. Wasser gilt eben nicht mehr als das Lebenselixier schlechthin, zum Leben und Überleben notwendig, sondern als selbstverständliche und im Überfluss vorhandene Ressource, die es ökonomisch so gut als möglich abzugreifen gilt. Ein “Ressourcenfluch light”, um bei der Terminologie aus der Volkswirtschaft zu bleiben.

Wir Südtiroler (und beileibe nicht nur wir) haben dem Wasserüberfluss leider nach und nach eine dunkle Kehrseite beschert. In noch zu vielen Führungszirkeln von Politik und Wirtschaft wird jedes menschlich “ungenutzt” abfließende Wasser, mag es auch noch wenig sein, als wirtschaftliche Vergeudung wahrgenommen. In Folge sind in Südtirol allein für die Wasserkraftnutzung über 1000 Ableitungen genehmigt worden, darunter rund 850 für kleine Kraftwerke, die ledig rund drei Prozent zur Stromproduktion im Lande beitragen. Wasser als Energiequelle versiegt zwar nicht, zumindest derzeit noch nicht, und ist in diesem Sinne regenerativ – die Stromproduktion aus Wasserkraft ist aber allzu oft alles andere als “grün”. Die fatalen ökologischen Folgen, für welche an dieser Stelle der Platz leider fehlt, sind Insidern bekannt, der Allgemeinheit vermutlich nicht: unseren Gewässern geht es nicht im Entferntesten so gut wie dem darin fließenden Wasser!

Gewässerökosysteme sind äußerst sensibel und komplex und haben die für sie nachteilhafte Eigenschaft, sich dem Blick der breiten Öffentlichkeit zu entziehen. Was unter der Wasseroberfläche wirklich passiert, erschließt sich nur jenen, die sich intensiv mit den Gewässern beschäftigen. Werden Bäume entlang von Flussufern gefällt, erreichen die Behörden Anrufe aufmerksamer Bürger, die (berechtigterweise) Auskunft über die Ursache einfordern – meistens Hochwasserschutz. Verenden hingegen Fische, weil für die Frostberegnung der Apfelkulturen die Restwassermenge in einem Bach unterschritten wurde (was illegal ist), bleiben die Anrufe aus – nicht aus Böswilligkeit, sondern schlicht weil es niemand bemerkt – bis auf die Fischer.

Am heutigen Weltwassertag ruft der Fischereiverband Südtirol die Entscheidungsträger in Politik, Verwaltung und Wirtschaft dazu auf, “sich Gedanken über den wahren Wert des Wassers zu machen – der freilich weit über den ökonomischen Aspekt hinaus reicht. Es geht vor allem um den ökologischen Wert von Wasser, um dessen Wertschätzung als Grundlage der aquatischen Ökosysteme und deren biologische Vielfalt, und schlussendlich um den Erhalt einer lebenswerten Umwelt für uns Menschen!”

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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11 Kommentare auf "Frostberegnung kann Fischbestand bedrohen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
patriot
patriot
Tratscher
20 Tage 16 h

Es größte Übel fir die Fisch sein woll die Fischer ….

Lucifer_Morningstar
20 Tage 16 h

Ui ui, iatz no am besten es frostberegnen verbiaten oder wos?

traktor
traktor
Universalgelehrter
20 Tage 7 h

lucifer@
die kraftwerke sölln mir auch noch ausschalten zum wohle der fische

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
20 Tage 16 h

i hat mea ongst va die Graureiherund, und nou letzer sein die Cormoran, die sellme fressn olls zom.

Faktenchecker
20 Tage 15 h

Da werden fleissig die Pestizide in die Bäche und das Grundwasser gespült.

Oracle
Oracle
Tratscher
20 Tage 11 h

.. wie auch massenweise und diffus südtirolweit Reingungsmittelrückstände und Medikamenterückstände in den Abwässern und damit Gräben landen…

lalala
lalala
Tratscher
20 Tage 15 h

Wenn 99% über tiefbrunnen lafn?

buggler2
buggler2
Tratscher
20 Tage 15 h

Hot ersch a Bauer mit mir gsog: du wassersch mit mein Wossr. Also keart onscheinend Öl den Bauern🤔

traktor
traktor
Universalgelehrter
20 Tage 15 h

voller wassertanker gegen vollen öltanker… und allen ist geholfen

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
20 Tage 14 h

Weniger Fische für die Fischer – ja das ist wirklich ein Problem…

Oracle
Oracle
Tratscher
20 Tage 11 h

…. kein Wasser, keine Landwirtschaft… keiner lebt in Südtirol vom Fischfang in den Bächen…. Die Diskussion erübrigt sich deshalb…

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