Von: Matthias Knapp
Martell – Mountain Wilderness Italia, der Dachverband für Natur- und Umweltschutz, der Heimatpflegeverband Südtirol, die Umweltschutzgruppe Vinschgau und der CAI Alto Adige haben am 8. Oktober gemeinsam Rekurs beim Verwaltungsgericht Bozen eingereicht. Angefochten wird der Beschluss des Gemeinderates von Martell vom 25. Juni, mit dem der Durchführungsplan für das Tourismusentwicklungsgebiet „Gallenmahd“ genehmigt wurde.
„Auf einer bisher unverbauten Lichtung auf 1.665 Metern Meereshöhe, mitten im Nationalpark Stilfserjoch, soll ein Vier-Sterne-Hotel mit rund 15.650 Kubikmetern Baumasse und 120 bis 140 Betten entstehen — mehr als sechs Kilometer vom nächsten Ortskern entfernt, mitten in der Naturlandschaft auf einer Fläche ohne jegliche Erschließung, mit bis zu 6.191 Quadratmetern Bodenversiegelung“, kritisieren die Organisationen.
Aus Sicht der fünf Organisationen sei das Projekt der falsche Schritt für das Martelltal. „Martell wirbt mit einem weitgehend unversehrten Tal und hat sich für den sanften Tourismus entschieden. Ein Großhotel am Talschluss setzt genau dieses Kapital aufs Spiel. Die Frage ist nicht, ob man in Gallenmahd bauen kann, sondern ob man dort bauen soll“, so die Organisationen in einer Aussendung.
Die wichtigsten Gründe des Rekurses sind: Durch den Hotelbau wird ein Risiko geschaffen, dem ein Schutzbau entgegengesetzt werden muss, zumal der Bauplatz in der roten Lawinengefahrenzone liegt – ein über 150 Meter langer, zwölf Meter hoher und an der Basis 40 Meter breiter Schutzdamm.
Die Organisationen kritisieren außerdem die Umweltprüfung als lückenhaft und verweisen auf das Gebiet im Nationalpark. In Martell stehe seit fast 80 Jahren das Sporthotel „Paradiso” leer in einer Zone ohne Naturgefahren. Eine ernsthafte Alternativenprüfung habe nie stattgefunden.
Die Umweltverbände legen Wert darauf zu unterstreichen, nicht gegen touristische Entwicklung in Martell aufzutreten. „Eine Nationalparkgemeinde braucht jedoch eine Entwicklung, die zum Nationalparkgrundgedanken passt: kleinteilig, im Bestand, mit echtem Nutzen vor Ort. Sie braucht aber auch endlich Planungssicherheit vom Land. Wer den Nationalparkplan seit vier Jahren liegen lässt, darf sich nicht wundern, wenn Gemeinden nach dem erstbesten Großprojekt greifen“, erklären die Organisationen.
Im Gespräch mit Südtirol News wies der Bürgermeister von Martell, Georg Altstätter, die Einwände unterdessen als unbegründet zurück, zumal die Tourismuszone bereits seit 2002 im Bauleitplan der Gemeinde eingetragen sei. Der Schutzwall soll auch die Langlaufloipe und den Winterwanderweg schützen und es ist eine Renaturierung mit ortstypischen Pflanzen vorgesehen.
Was den Nationalpark anbelangt, verwies Altstätter auf ein schmerzhaftes Kapitel in Südtirols Geschichte. Der Nationalpark sei zur Zeit des Faschismus eingeführt worden, ohne dass den betroffenen Gemeinden überhaupt ein Mitspracherecht eingeräumt worden sei. Das Hotelprojekt schütze das Martelltal vor Abwanderung und trage zur Entwicklung des Gebiets bei, so der Bürgermeister.




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