Bürgermeister weist Kritik an Hotelprojekt in Martell zurück

“Man hat uns nie gefragt”

Freitag, 24. April 2026 | 12:01 Uhr

Von: mk

Martell – Mehrere Südtiroler Umwelt- und Alpinorganisationen haben Bedenken gegenüber dem geplanten Hotelprojekt in der Tourismuszone Gallenmahd im Martelltal geäußert. Bürgermeister Georg Altstätter kann die Kritik nicht nachvollziehen, zumal die Tourismuszone bereits seit 2002 im Bauleitplan der Gemeinde eingetragen ist. Auch das Argument, das Hotel entstehe mitten im Naturpark, führt seiner Ansicht nach am Kern vorbei.

Eine Investitionsgruppe aus dem Vinschgau hat den Baugrund im letzten Jahr erworben. Den Umweltschützern zufolge soll ein Hotel mit bis zu 140 Betten entstehen. Die Ursprünglichkeit der Landschaft mit wilden Steinformationen, Wald und Wasser soll Erholungssuchenden mitten in der Abgeschiedenheit und Ruhe ein unvergessliches Erlebnis bieten.

Nachdem der Bauherr die Unterlagen zur Genehmigung des Durchführungsplanes vorgelegt hat, wurde der Entwurf im Gemeindeausschuss genehmigt. Aufgrund des Umweltberichtes sind noch die Gutachten der Ämter mit den Auflagen in der Gemeindekommission für Raum und Landschaft zu behandeln. Wenn dies abgeschlossen ist, muss der Gemeinderat über den Durchführungsplan befinden. Erst dann kann ein Projekt vorgelegt werden.

Die Bedenken, die CAI, Mountain Wilderness, der WWF, LIPU, Legambiente der Dachverband für Natur und Umweltschutz und der Heimatpflegeverband Südtirol gegen die Pläne vorgebracht haben, hält Altstätter für unbegründet. „Die Zone besteht schon seit 26 Jahren. Ausgleichsmaßnahmen wurden im Umweltbericht genauestens geschrieben und sind umsetzbar“, erklärt der Bürgermeister gegenüber Südtirol News.

Auch den geplanten Lawinenwall sieht Altstätter nicht als sonderlich problematisch. Die Zone für touristische Einrichtungen beträgt laut Bauleitplan 8.255 Quadratmeter. „Der Lawinenwall, der oberhalb der Zone errichtet und auch die Langlaufloipe und den Winterwanderweg schützen soll, ist rund 150 Meter lang“, erklärt der Bürgermeister. Außerdem sei eine Renaturierung mit ortstypischen Pflanzen vorgesehen.

Obwohl das Hotel auf über 1.600 Metern Meereshöhe und außerhalb bestehender Siedlungen entstehen, muss die Infrastruktur nur teilweise neu verlegt werden. „Die Elektroinfrastruktur und Glasfaser führen direkt an der Zone vorbei, während die Wasserversorgung über eine bestehende konzessionierte Quelle gewährleistet ist“, erklärt Altstätter. Nur für die Abwasserentsorgung müssen Klärbecken neu errichtet werden. Auch die Zufahrtstraße besteht bereits.

Blick in düstere Vergangenheit

Die Kritik, dass so ein Hotel ausgerechnet im Nationalpark entstehen soll, lässt der Bürgermeister nicht gelten und verweist dabei auf historische Zusammenhänge. „Dieser Nationalpark wurde am 24.04.1935 eingeführt – mitten im Faschismus. Damals war eine schwierige Zeit für unser Land Südtirol. Die Bürger und Grundbesitzer wurden nicht gefragt, ob sie diesen Nationalpark überhaupt wollen“, erklärt Altstätter. Eine Einbeziehung der Bevölkerung, wie sie Umweltschützer heute oft fordern, habe es damals nicht gegeben.

Dies gelte ebenfalls für die Gemeinde Stilfs, die 100 Prozent der Fläche im Nationalpark hat. „Auch die anderen acht Gemeinden wurden nicht gefragt“, betont Altstätter – und er verweist auf eine weitere Eigenart: Laut internationalen Richtlinien soll es keine bewohnten Gebiete in einem Nationalpark geben, wie dies etwa Nationalpark hohe Tauern der Fall ist.

Italien ging jedoch einen anderen Weg. „Im Nationalpark Stilfserjoch gibt es drei der größten Stauseen Südtirols, mehrere Skigebiete und eine oder mehrere Hochspannungsleitungen, um nur ein paar Beispiele zu nennen“, betont Altstätter.

Ungleiche Verteilung

In der Gemeinde, die seit jeher von Strukturschwäche geprägt war und stark abwanderungsgefährdet ist, will man sich durch die Verbindung zum Nationalpark aber nicht ausbremsen lassen – im Gegenteil.

„Ein Hotelbetrieb dieser Größenordnung und Qualität ist wichtig für die weitere Entwicklung des Martelltales“, betont der Bürgermeister. Der Tourismus schaffe Arbeitsplätze und wirke der Abwanderung entgegen. Einige touristische Betriebe haben in den letzten Jahren bereits geschlossen. Doch im Tal gibt man die Hoffnung nicht auf.

Auch die Diskussion um den „Overtourism“ in Südtirol betrachtet Altstätter differenziert. Man könne bestimmte Situationen nicht auf das ganze Land übertragen. „Auf den 14.500 Hektar Fläche unserer Gemeinde finden in 600 Gästebetten 65.000 Nächtigungen statt. Dies sind ungefähr 4,5 Nächtigungen pro Hektar im Jahr. In den Tourismushochburgen gibt es einige Gemeinden, wo dieser Faktor um circa 400 übertroffen wird. Hier sehen wir den Unterschied“, betont der Bürgermeister.

Bezirk: Vinschgau

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