Ein Kommentar zur Künstlichen Intelligenz

Hybris

Dienstag, 29. September 2026 | 00:23 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Dass das ewige Scrollen in sozialen Netzwerken die Konzentration schwächt, Menschen emotional abstumpft und uns vor allem in jungen Jahren schadet, scheint so langsam durchzudringen. Doch während mehrere Staaten und Regionen Altersbeschränkungen für soziale Medien beschließen oder zumindest darüber nachdenken, schleudern uns Sam Altmann, Elon Musk und Co bereits ein viel größeres digitales Monster entgegen: Die KI soll’s richten, Dominanz sichern und einige wenige noch reicher machen.

Tech-Milliardäre lassen an einer künstlichen Super-Intelligenz forschen – ein KI-Gott, der alle Fragen beantwortet, all unsere Probleme löst und zumindest einige Menschen an die Spitze der Schöpfung hebt. Allein die Überheblichkeit des Gedankens ist schwindelerregend und löst Brechreiz aus.

Was uns in Hollywood-Filmen und in Science-Fiction-Romanen freudigen Angstschauer bereitete, wird nun beinharte Realität. Elon Musk pumpt Millionen Dollar in seine Gehirnchip-Firma Neuralink, damit uns KI sogar physisch eingepflanzt werden kann – für den optimierten Menschen, das optimierte Ego.

Gleichzeitig plädieren namhafte Chefs von KI-Firmen für eine Nachdenk-Pause und warnen vor Programmen, die möglicherweise außer Kontrolle geraten könnten. Warum sie das tun, ist unklar: Manche glauben, die USA wollen verhindern, von China überholt zu werden. Andere vermuten, die Firmen treiben damit die Aktien in die Höhe, denn der Ressourcenverbrauch und die Umweltverschmutzung von Datenzentren ist enorm und es ist fraglich, ob der hohe Aufwand den wirtschaftlichen Nutzen rechtfertigt. Wieder andere halten die Sorgen der Firmenchefs für plausibel, zumal bereits mehrmals KI-Chatbots aus einer gesicherten Umgebung ausgebrochen sind und andere Systeme gehackt haben.

Tatsache ist: Die Büchse der Pandora ist bereits geöffnet, KI ist längst in unserem Alltag angekommen. Wir übergeben ihr die Bürokratie, nutzen sie als Ratgeber, als Dolmetscher oder gar als Therapeut und Partnerersatz, lassen Musik für uns komponieren und erwecken mit ihr unsere eigenen Videos zum Leben. KI wird zu einer Krücke, auf die wir uns freudig stützen, während unsere eigenen geistigen Fähigkeiten schrumpfen.

KI ist gleichzeitig auch die freundliche Stimme am Telefon, die es auf unsere Bankdaten und Passwörter abgesehen hat. Staaten überwachen uns viel effizienter und werten unsere Daten aus. KI löscht vielleicht nicht die Menschheit aus. Doch umso mehr sie unseren Alltag durchzieht, umso brüchiger wird unsere digitale Sicherheit und unsere Privatsphäre. KI dezimiert den Arbeitsmarkt und erstellt sexistische Deepfakes. Schöne neue Welt.

Wer im Zeitalter der KI überleben will, braucht klares Denken und ein offenes Herz, ein gepflegtes Innenleben, eine gesunde Distanz zu neuen Medien (ohne sie grundsätzlich abzulehnen), Familie und echte Freunde sowie Nähe zur Natur. Vor allem Bescheidenheit – das Bewusstsein darüber, dass wir nicht die Herren der Schöpfung sind und welchen Platz wir im Leben einnehmen -, würde uns allen guttun.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen