„Wir können es uns nicht leisten, Industrie zu verlieren“

Industrie soll Südtirols Zukunft sichern

Montag, 07. September 2026 | 16:53 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Kürzlich war Landeshauptmann Arno Kompatscher zu Gast im Generalrat des Unternehmerverbandes Südtirol. Im Mittelpunkt der Aussprache stand der Industriestandort Südtirol und die Notwendigkeit, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu schaffen, die den produzierenden Unternehmen langfristige Perspektiven für Investitionen, Innovation und Wachstum am Standort ermöglichen.

Beide Seiten lobten die konstruktive Zusammenarbeit bei wichtigen Themen. Gemeinsames Ziel sei es, die industrielle Wertschöpfung und hochwertige Arbeitsplätze in Südtirol zu sichern, das verarbeitende Gewerbe im Land zu stärken und den Unternehmen die notwendigen Entwicklungsmöglichkeiten zu geben.

„Es ist wichtig, dass wir in Südtirol erkennen, dass wir die Industrie brauchen. Auch Europa hat erkannt, dass Industrie Wohlstand schafft und nur dadurch wichtige Sozialleistungen garantiert werden können. Wir können es uns nicht leisten, Industrieunternehmen zu verlieren. Unsere Unternehmen erzeugen auf minimaler Fläche knapp ein Viertel der Wertschöpfung in unserem Land, garantieren ein hohes Steueraufkommen und schaffen attraktive Arbeitsplätze mit überdurchschnittlichen Löhnen – gerade auch für unsere Jugend”, betonte der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol, Alexander Rieper. Zudem erwirtschaftet die Industrie mehr als 80 Prozent der Südtiroler Exporte und leistet rund 70 Prozent der Innovationsausgaben.

Ein wichtiges Signal für den Industriestandort sei – ganz aktuell – der positive Ausgang der Verhandlungen zum Verbleib der Stahlwerke in Bozen. „Wenn Wirtschaft und Politik gemeinsam Verantwortung übernehmen und an einem Strang ziehen, können nachhaltige und zukunftsfähige Lösungen für Südtirol geschaffen werden”, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Ein zweites wichtiges Signal sieht der Unternehmerverband in der steuerlichen Entlastung. „Es ist ein Zeichen in Richtung Vertrauen in die Industrie, wenn neben dem regionalen Irpef-Steuersatz auch bei der Irap eine Reduzierung angestrebt wird. Schließlich sind Steuerentlastungen die wirksamste Unterstützung für Unternehmen und Familien. Unternehmen sind bei einer Entlastung der Steuerlast bereit zu investieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen”, unterstrich Rieper. Steuerentlastungen müssen nicht zu sinkenden Steuereinnahmen führen. Das zeige auch die Erfahrung der vergangenen 10 Jahre, wo die Steuereinnahmen im Landeshaushalt von 4,6 auf 6,6 Milliarden um 44 Prozent gestiegen sind.

„Südtirol verfügt derzeit dank seiner Wirtschaftskraft, der Autonomie und erfolgreicher Verhandlungen mit Rom über einen Rekordhaushalt von mehr als zehn Milliarden Euro. Daher ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Südtirol noch stärker für die Zukunft zu rüsten und die notwendigen Mittel für die großen Herausforderungen und Zukunftsthemen bereitzustellen. Dazu gehören Investitionen in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Internationalisierung und Energiewende. Gleichzeitig braucht es mehr Vereinfachung, um Unternehmen mehr Spielraum für Investitionen und Wachstum zu geben”, betonte Rieper.

Südtirol muss zudem konsequent eine Industriestrategie verfolgen – so wie es auch andere erfolgreiche Wirtschaftsregionen und Länder tun. Entscheidend ist dabei, jungen Menschen klare Perspektiven zu bieten: durch leistbaren Wohnraum und eine starke Positionierung Südtirols als Innovations- und Arbeitsstandort. Dafür braucht es auch eine exzellente Bildung auf allen Ebenen – von der Berufsschule bis zur Universität – sowie die Bereitschaft, in Innovation und angewandte Forschung zu investieren.

Bezirk: Bozen

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