Von: Matthias Knapp
Bozen – Ausgehend von der gegenwärtigen Lage veröffentlicht das Landesstatistikinstitut ASTAT die aktualisierten Schätzungen und Prognosen des Südtiroler BIP und der Konsumausgaben der privaten Haushalte.
Im Jahr 2026 dürfte das Südtiroler Bruttoinlandsprodukt (BIP) 28,6 Milliarden Euro erreichen, was einem Wachstum von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch die Konsumausgaben der privaten Haushalte in Südtirol werden voraussichtlich steigen, und zwar um 0,5 Prozent. Aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage zeichnet sich für 2026 ein sehr unsicheres Bild ab.
BIP 2026: Wirtschaftswachstum zwischen 0,7 Prozent in Italien und 1,1 Prozent in der EU-27
Im Jahr 2025 betrug die reale Veränderungsrate des italienischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) 0,6 Prozent und lag damit um 0,1 Prozentpunkte über der Schätzung vom vergangenen März.
Nach zwei Rezessionsjahren verzeichnen Österreich und Deutschland nach Angaben der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen (DG ECFIN) der Europäischen Kommission im Jahr 2025 eine Zunahme des BIP. In Österreich stieg es um 0,8 Prozent, gestützt durch die Stabilisierung der Investitionen und den Anstieg der privaten Konsumausgaben, die ihrerseits von einer Zunahme der Reallöhne profitieren. Auch der deutschen Wirtschaft kommt 2025 das Wachstum der Reallöhne zugute. In Deutschland ist das BIP jedoch kaum mehr als stagnierend und stieg im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 0,2 Prozent, eingebremst durch zaghaftere Investitionen. Die EU-27 verzeichnete 2025 insgesamt ein Wachstum um 1,4 Prozent.
Die Schätzungen für 2026 sind von zunehmender Unsicherheit geprägt. Die internationalen Aussichten bleiben weiterhin sehr unsicher. Die anhaltenden Spannungen im Persischen Golf wirken sich nach wie vor negativ auf die globalen Lieferketten aus. Die Inflation ist im August erneut gestiegen, angetrieben durch den neuerlichen Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise. Die Erdölpreise zeigen eine volatile Entwicklung, bedingt durch die Risiken möglicher Unterbrechungen der Lieferungen aus dem Nahen Osten.
Das italienische BIP dürfte sowohl 2026 als auch 2027 um 0,7 Prozent wachsen. Das Wachstum wird ausschließlich von der Binnennachfrage getragen, zu der auch der Nationale Wiederaufbau- und Resilienzplan (PNRR) beiträgt. Die Auslandsnachfrage, die durch die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten und den daraus resultierenden Anstieg der Energiepreise belastet wird, dürfte hingegen negativ beitragen.
Laut der Europäischen Kommission dürfte das BIP sowohl in Österreich als auch in Deutschland im Jahr 2026 um 0,6 Prozent wachsen. Für beide Länder wurde die Prognose gegenüber der zuletzt veröffentlichten Vorausschätzung nach unten revidiert.
2027 wird für alle betrachteten Gebiete ein Wirtschaftswachstum zwischen 0,7 Prozent in Italien und 1,4 Prozent in der EU-27 prognostiziert.
Südtiroler BIP: +0,8 Prozent im Jahr 2025 – ungewisses Jahr 2026
Das Jahr 2025 brachte für die wichtigsten Handelspartner Südtirols, Österreich und Deutschland, nach zwei aufeinanderfolgenden rückläufigen Jahren eine leichte Verbesserung. Diese Erholung zeigt sich jedoch nicht in den Südtiroler Ausfuhren in die beiden deutschsprachigen Märkte, die gegenüber dem Vorjahr weiter sanken (-6,8 Prozent nach Österreich und -8,6 Prozent nach Deutschland). Der Rückgang lässt sich darauf zurückführen, dass sich die wirtschaftliche Erholung in den Partnerländern mit Verzögerung auf die Nachfrage nach Importgütern auswirkt. Trotz der Spannungen aufgrund der Zölle legten die Exporte in die Vereinigten Staaten zu und erreichten bis Jahresende ein Plus von 8,4 Prozent.
Die Arbeitsmarktindikatoren bleiben insgesamt stabil und zeichnen ein solides Bild der Wirtschaft. Gestützt wird dieses auch durch die höchste jemals erreichte Zahl eingetragener und aktiver Unternehmen. Die Inflation war im Jahr 2025 zwar moderat, lag jedoch über zwei Prozent. Insgesamt deuten die jüngsten Schätzungen unter Berücksichtigung des im Jahr 2024 verzeichneten Rückgangs (-0,9 Prozent) für 2025 auf ein Wachstum des BIP von 0,8 Prozent hin.
Die geopolitischen Spannungen tragen dazu bei, dass die Inflation im Jahr 2026 auf einem erhöhten Niveau verharrt. Der Verbraucherpreisindex für alle privaten Haushalte (NIC) lag im August in der Gemeinde Bozen bei 3,6 Prozent.
Die Beschäftigungslage bleibt stabil. Dabei nimmt die Beschäftigung im Dienstleistungssektor im zweiten Quartal 2026 leicht zu. Damit setzt sich das Beschäftigungswachstum das sechste Quartal in Folge fort.
Im zweiten Quartal 2026 verzeichneten die Südtiroler Exporte gegenüber demselben Quartal des Jahres 2025 einen Rückgang. Die Exporte nach Deutschland gingen um 1,2 Prozent zurück, während jene nach Österreich um 10,6 Prozent zunahmen.
Für 2026 und 2027 gehen die jüngsten Prognosen von einem Wachstum des BIP von 0,9 Prozent beziehungsweise 0,8 Prozent aus.
Der Konflikt im Nahen Osten beeinflusst die Entwicklung der Konsumausgaben
Die Konsumausgaben der ansässigen und nicht ansässigen privaten Haushalte in Südtirol könnten 2025 um schätzungsweise 1,0 Prozent gestiegen sein. Damit läge der Anstieg knapp unter dem gesamtstaatlichen Wert von 1,2 Prozent.
Für 2026 wird, dem gesamtstaatlichen Wert entsprechend, ein Anstieg der Konsumausgaben der privaten Haushalte um 0,5 Prozent erwartet. Die Entwicklung dieses Indikators wird jedoch maßgeblich vom weiteren Verlauf des Konflikts im Nahen Osten abhängen, der seit Monaten zu steigenden Energiepreisen führt. Die Entwicklung der Konsumausgaben der privaten Haushalte wird daher von den Preissteigerungen in Bereichen wie Energie und Treibstoffe beeinflusst werden, die tendenziell die für andere Güter verfügbare Kaufkraft einschränken.
Für 2027 wird eine Zunahme der Konsumausgaben der privaten Haushalte von 0,6 Prozent erwartet, die ebenfalls mit dem auf gesamtstaatlicher Ebene berechneten Wert übereinstimmt.




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