Europas Arbeitsämter planen den digitalen Umbau

Mehr Zeit für Menschen statt Papierkram

Samstag, 03. Oktober 2026 | 12:12 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen/Urspelt – Die Arbeitsmarktverwaltungen in Europa stehen vor einem tiefgreifenden Modernisierungsschub: Digitalisierung, neue Anforderungen an Beratung und Vermittlung, grenzüberschreitende Mobilität sowie der demografische Wandel verlangen eine fachliche, technologische und organisatorische Weiterentwicklung. Diese Modernisierung stand im Mittelpunkt der 8-Länder-Konferenz der deutschsprachigen Arbeitsverwaltungen am 28. und 29. September im Château d’Urspelt in Luxemburg. Auch der Arbeitsmarktservice des Landes Südtirol (AMS) hat daran teilgenommen.

Mehr Zeit für Beratung und Vermittlung durch digitale Verfahren

„Eine moderne Arbeitsmarktverwaltung entsteht nicht durch neue IT allein. Wir müssen gleichzeitig unsere Dienstleistungen, unsere Technologien und unsere Organisation und – vor allem – die dahinterstehenden Regeln und Gesetze vereinfachen und weiterentwickeln“, fasst der Direktor der Abteilung Arbeitsmarktservice, Stefan Luther, die Ergebnisse der Konferenz zusammen. „Unser Ziel ist eine Arbeitsmarktverwaltung, die digital stärker und in der persönlichen Betreuung zugleich wirksamer wird“, sagt Luther. Digitale Verfahren seien eine Voraussetzung für Automatisierung und dienten dazu, Routinearbeit zu reduzieren sowie Informationen besser nutzbar zu machen. So entstehe mehr Zeit für Beratung, Vermittlung und individuelle Unterstützung.

Im Rahmen der 8-Länder-Konferenz, die heuer in Luxemburg stattfand, tauschten sich die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsverwaltungen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, der Niederlande, Luxemburgs, Ostbelgiens, Liechtensteins und Südtirols darüber aus, wie die notwendige Modernisierung vollzogen werden könne.

Ostbelgien etwa verbinde Kompetenzfeststellung und Sprachtest mit digital unterstützten Verfahren, wie der AMS Südtirol erfuhr. Österreich hingegen entwickle neue digitale Angebote für Unternehmen und erweitere bestehende Plattformen. Beeindruckt zeigte sich Luther von der Bedeutung, die andere Arbeitsmarktverwaltungen der digitalen Modernisierung beimessen. “So hat Luxemburg beispielsweise bei einer mit Südtirol vergleichbaren Größe mittlerweile eine Mitarbeiterschaft von rund 80 Personen aufgebaut, die sich ausschließlich mit der Digitalisierung der Arbeitsmarktverwaltung beschäftigt”, berichtete der AMS-Direktor.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit gewinnt an Bedeutung

Ein weiterer Modernisierungsschwerpunkt sei die Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg. Durch die neuen europäischen Regeln zur Koordinierung der sozialen Sicherheit wird eine grenzüberschreitende Abstimmung zunehmend notwendig, zum Beispiel wenn es um Arbeitslosenleistungen bei grenzüberschreitenden Erwerbsbiografien geht. „Ein moderner europäischer Arbeitsmarkt braucht Arbeitsverwaltungen, die Daten sicher austauschen, Verfahren aufeinander abstimmen und Menschen auch über Grenzen hinweg verlässlich begleiten können“, unterstreicht Luther.

Bezirk: Bozen

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