Shein leidet unter neuen Zoll- und Abgabenregelungen in USA und Europa

Modehändler Shein enttäuscht bei Börsengang in Hongkong

Dienstag, 01. September 2026 | 09:13 Uhr

Von: importer

Der lang erwartete Börsengang des Online-Modehändlers Shein in Hongkong ist für Anleger mit einem Dämpfer gestartet. Die Aktie des für extrem günstige Kleidung bekannten Konzerns fiel am ersten Handelstag am Dienstag zeitweise um bis zu zehn Prozent unter ihren Ausgabepreis und tendierte später noch vier Prozent im Minus. Investoren zeigten sich besorgt, dass das Geschäftsmodell durch neue Zoll- und Abgabenregelungen in den USA und Europa ausgehöhlt wird.

Diese untergraben den bisherigen Wettbewerbsvorteil des Direktversands von Billig-Ware an die Kunden. Die Bewertung des Unternehmens mit Sitz in Singapur liegt mit rund 25 Milliarden Dollar (21,56 Mrd. Euro) nur noch bei einem Bruchteil des Höchststandes von fast 100 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2022.

Tägliche aktive Nutzer in Europa eingebrochen

Die Skepsis der Anleger spiegelte sich bereits in der verhaltenen Nachfrage nach den Aktien wider, die mit 48,56 Hongkong-Dollar lediglich in der Mitte der Preisspanne zugeteilt worden waren. “Ich denke, das schwache Debüt zeigt, dass Anleger Shein selbst nach dem massiven Bewertungsabschlag nicht als offensichtlich günstig ansehen”, kommentierte Charu Chanana, Anlagestrategin bei Saxo. Mit dem 15-fachen des erwarteten Gewinns sei die Aktie mehr als doppelt so hoch bewertet wie die des Konkurrenten Temu. Die neuen EU-Regeln zeigen bereits Wirkung: Einem Analysten zufolge sind die täglich aktiven Nutzer in Europa um rund 45 Prozent eingebrochen. “Dies ist weniger ein Shein-Problem, sondern eher das Ende einer Ära für den billigen grenzüberschreitenden Versand”, erklärte Josh Gilbert von eToro.

Shein, das im ersten Quartal ins Minus gerutscht war, versucht gegenzusteuern. Der Konzern weitet seine Plattform zu einem Marktplatz für Drittanbieter aus und kaufte zuletzt die US-Modemarke Everlane. Dennoch bleiben Risiken. So laufen Untersuchungen der US-Handelskommission FTC und der EU-Kommission wegen Verbraucherschutzfragen und dem Umgang mit illegalen Produkten. Wegen der genauen Prüfung seiner Geschäftspraktiken, etwa bei Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit, waren Börsengänge in New York und London zuvor gescheitert.

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