Südtirol startet Pilotprojekt für junge Menschen

Pille, Spirale & Co. gratis: Neues Angebot für 14- bis 25-Jährige in Südtirol

Montag, 31. August 2026 | 17:22 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Am 1. September startet in Südtirol ein Pilotprojekt, das Menschen dabei unterstützt, gesund und selbstbestimmt mit Sexualität, Kinderwunsch und Verhütung umzugehen.

Junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren mit Wohnsitz in Südtirol sowie besonders schutzbedürftige Personen können im Rahmen des Projekts kostenlose Verhütungsmittel in Anspruch nehmen. Das Projekt, das die Landesregierung im Juni beschlossen hat, läuft zunächst für ein Jahr und setzt eine Bestimmung des Landesgesetzes zu den Familienberatungsstellen von 2025 um.

Informieren, aufklären und beraten

Für Gesundheitslandesrat Hubert Messner ist der Start ein wichtiger Schritt für Prävention und Gesundheitsförderung: “Aufklärung, Beratung und ein einfacher Zugang zu Verhütungsmitteln sollen vor allem jungen Menschen helfen, eingeverantwortliche und informierte Entscheidungen zu treffen sowie Risiken zu verringern. Damit stärken wir die sexuelle und reproduktive Gesundheit und beugen ungewollten Schwangerschaften vor.”

Aktuelle Daten des Landesstatistikinstituts ASTAT unterstreichen die Bedeutung dieser Maßnahme. Im Jahr 2025 wurden in Südtirol 595 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen, 13,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast die Hälfte der betroffenen Frauen war zwischen 18 und 29 Jahre alt. Rund 24 Prozent hatten bereits früher einen Schwangerschaftsabbruch. Diese Zahlen zeigen laut Gesundheitsressort, wie wichtig niederschwellige Information, persönliche Beratung und ein einfacher Zugang zu wirksamen Verhütungsmitteln sind.

Verhütungsmittel nach ärztlichem Ermessen

Das Pilotprojekt umfasst die kostenlose Bereitstellung der Antibabypille, von Vaginalringen, Hormonpflastern, Spiralen und subkutanen Implantaten und Kondomen. Jugendliche und junge Erwachsene aller Geschlechter erhalten nach ärztlichem Ermessen Zugang zu den Verhütungsmitteln. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Sensibilisierung und Aufklärung. In den beteiligten Einrichtungen werden die Anspruchsberechtigten individuell beraten und über die verschiedenen Verhütungsmethoden, deren korrekte Anwendung sowie den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen informiert.

Anspruchsberechtigte erhalten nach einer verpflichtenden Beratung und, wenn erforderlich, einer gynäkologischen Untersuchung ein Verschreibungsblatt. Damit können sie die verordneten Verhütungsmittel innerhalb von 30 Tagen kostenlos in den öffentlichen oder privaten vertragsgebundenen Apotheken beziehen. Kondome werden direkt von den Beratungsstellen ausgegeben.

Bei Familienberatungsstellen und Mädchenambulanzen

In der ersten Phase beteiligen sich die privat konventionierten Familienberatungsstellen sowie die Mädchenambulanzen in den Krankenhäusern Brixen, Sterzing und Innichen. Danach soll das Angebot auch auf die öffentlichen Familienberatungsstellen des Südtiroler Sanitätsbetriebs ausgeweitet werden.

Für das erste Projektjahr stellt das Land rund 500.000 Euro bereit. Nach Abschluss der Pilotphase werden die Ergebnisse bewertet. Bei positiver Bilanz kann das Angebot verlängert oder dauerhaft in das Leistungsangebot des Landes aufgenommen werden.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 3 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen