Spektakulärer Bergrettungseinsatz in der senkrechten Civetta-Wand

“Verletzt und ohne Seil auf ausgesetztem Felsvorsprung”

Montag, 31. August 2026 | 08:13 Uhr

Von: Martin Geier

Alleghe – Die gewaltige, über 1.000 Meter hohe und durchweg senkrechte Nordwestwand des 3.220 Meter hohen Monte Civetta in den Belluneser Dolomiten war am Sonntag Schauplatz eines beeindruckenden Rettungseinsatzes.

Ein polnisches Kletterpaar, das auf der schwierigen Kletterroute „Via Solleder-Lettenbauer” unterwegs war, geriet in 2.500 Metern Höhe in große Bergnot. Nachdem sich der Mann verletzt hatte, saßen beide in unterschiedlicher Höhe auf zwei verschiedenen Felsvorsprüngen fest, da er das Seil eingezogen hatte und somit beide keine Sicherung zum Felsen besaßen. Dank der Bergretter Venetiens und der Besatzung des Rettungshubschraubers nahm der Einsatz einen glücklichen Ausgang. Der verletzte polnische Alpinist und seine Partnerin wurden nacheinander mit dem Rettungshubschrauber und einer Seilwinde aus der durchweg senkrechten Wand geholt.

Facebook/Luca Dragoni

Die Kletterroute „Via Solleder-Lettenbauer” ist eine der legendärsten Kletterrouten in den Alpen und gilt historisch als die weltweit erste Kletterroute des sechsten Schwierigkeitsgrades (VI) nach der UIAA-Skala. Die Route, die am 7. August 1925 von den deutschen Alpinisten Emil Solleder und Gustav Lettenbauer in einer phänomenalen reinen Kletterzeit von etwa 15 Stunden und ohne ein einziges Biwak erstbestiegen wurde, durchreißt die gewaltige, über 1.000 Meter hohe, durchwegs senkrechte Nordwestwand des 3.220 Meter hohen Monte Civetta in den bellunesischen Dolomiten.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Veneto – CNSAS

Eine Seilschaft bestehend aus einem 34-jährigen Mann und einer 34-jährigen Frau, beide polnische Bergsteiger, die in den frühen Morgenstunden des Sonntags in die Wand eingestiegen waren, um die schwierige Route in Angriff zu nehmen, geriet mitten in der Nordwestwand des Civetta in große Bergnot, nachdem sich der Mann bei einem Sturz verletzt hatte. Kurz vor 7.00 Uhr startete der von der Notrufzentrale alarmierte Rettungshubschrauber Falco 2 mit Bergrettern an Bord in Richtung der Nordwestwand des Civetta.

Am Einsatzort angekommen, machte die Rettungsmannschaft das Klettererpaar aus, das den sogenannten Sockel hinter sich gelassen hatte und sich nun am Beginn des anspruchsvollsten Abschnitts auf einer Höhe von etwa 2.500 Metern befand. Die unverletzte Frau befand sich auf einem einen Meter breiten Felsvorsprung weiter oben, ohne Seil und ohne Möglichkeit, sich abseilen zu können. Der Mann saß etwa dreißig Meter tiefer auf einer halben Meter breiten kleinen Terrasse. Er hatte sich beim Sturz eine Knöchelverletzung und Prellungen zugezogen.

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Weder der Mann noch die Frau waren angeschnallt oder am Felsen gesichert, da der Verletzte die Seile eingezogen hatte. Da sich beide in einer prekären Lage befanden, wurde beschlossen, zunächst den Verletzten zu retten, der in einer weniger stabilen Situation festsaß.

Ein Hubschrauberretter holte ihn mit einer 55 Meter langen Winde an Bord und flog ihn zur nahegelegenen Tissi-Hütte, wo das medizinische Notfallteam ihm Erste Hilfe leistete.

Facebook/Montagna 360 Diego Dellai Guida Alpina

In einem zweiten Durchgang ließ der Rettungshubschrauber den Retter auf Höhe der Frau abseilen, die sich in einer sichereren Position befand. Nachdem sie eingehakt worden war, zog der Retter sie an Bord und brachte sie ebenfalls zur Tissi-Hütte.

Anschließend wurde der 34-jährige polnische Bergsteiger ins Krankenhaus von Agordo gebracht. Dank der Bergretter Venetiens und der Besatzung des Rettungshubschraubers nahm der beeindruckende Einsatz einen glücklichen Ausgang.

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