Eine Herausforderung

Sommerhitze treibt Menschen in Scharen auf die Berge

Sonntag, 30. August 2026 | 08:18 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Trient – Der Sommer 2026 wird in Italien und Südtirol in die Geschichte eingehen. Es war außergewöhnlich lange sehr heiß. Südtirols Landesmeteorologe Dieter Peterlin spricht von einem Ausreißer, doch der Trend, sei aufgrund der Klimaerwärmung gegeben.

Auf der Suche nach der Frische

Die zunehmende Sommerhitze verändert auch das Reiseverhalten der Menschen: Immer mehr Urlauber zieht es in die Berge. Dort suchen sie kühlere Temperaturen. Auch das Trentino und Südtirol profitieren von diesem Trend. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass beliebte Bergregionen die zunehmenden Besucherströme nicht mehr problemlos bewältigen können.

Nach Schätzungen von Assoturismo-Cst (Italienischer Tourismusverband von Confesercenti), die auf einer Befragung von mehr als 1000 italienischen Beherbergungsbetrieben beruhen, werden im August landesweit rund 96,7 Millionen Übernachtungen erwartet – 1,1 Prozent mehr als im August 2025.

Besonders stark wächst der Tourismus in den Bergregionen. Dort werden voraussichtlich rund 11,7 Millionen Übernachtungen verzeichnet, ein Plus von 2,3 Prozent. Das Trentino-Südtirol gehört zu den Gebieten, die von der zunehmenden Nachfrage nach kühleren Urlaubszielen profitieren.

“Die Berge werden gewissermaßen zu einem echten Klimaschutzraum”, sagt Massimiliano Peterlana, Präsident der Internationale Börse für den Bergtourismus (BITM) und Vizepräsident von Confesercenti Trentino. Die Entwicklung sei eine große Chance, müsse aber mit Bedacht gesteuert werden.

Denn der wachsende Andrang bringt auch Probleme mit sich. In einigen besonders beliebten Orten kam es zuletzt zu Verkehrsüberlastungen und langen Warteschlangen. Wenn sich große Besucherzahlen auf wenige Wochen oder sogar einzelne Tage konzentrieren, geraten Mobilität, Infrastruktur und Umwelt unter Druck.

“Nicht nur Ankünfte und Übernachtungen zählen”

Die Entwicklung sei längst kein vorübergehendes Phänomen mehr, hebt Peterlana hervor. Die Bergregionen müssten deshalb überlegen, wie Besucherströme besser verteilt und die notwendigen Investitionen gesteuert werden können. Gleichzeitig gehe es darum, die Interessen der Urlauber mit jenen der Menschen in Einklang zu bringen, die ganzjährig in den Bergregionen leben und arbeiten.

“Wir dürfen nicht den Fehler machen, Erfolg ausschließlich an der Zahl der Ankünfte und Übernachtungen zu messen”, sagt Peterlana. Entscheidend sei vielmehr, das Wachstum nachhaltig und räumlich ausgewogen zu gestalten.

Dabei könne auch die Digitalisierung helfen. Sie soll Thema der 27. Ausgabe der BITM sein, die am 18. und 19. November in Trient unter dem Motto „Digiturismo“ stattfindet.

Digitale Systeme könnten künftig nicht nur bei der Vermarktung helfen. Mithilfe von Besucherdaten ließen sich Stoßzeiten frühzeitig erkennen, Besucherströme überwachen und Urlauber gezielt auf weniger bekannte Ziele lenken.

Damit könnte aus einer bisher oft reaktiven Bewältigung des Massentourismus eine vorausschauendere Steuerung werden. Denn die Berge profitieren zwar zunehmend von der Flucht vor der Sommerhitze – doch ihr Erfolg könnte ohne entsprechende Planung schnell zum Problem werden.

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