Von: Matthias Knapp
Bozen – Der Schutzauftrag besteht seit Jahren – nun wird im Bereich der Ausbringung von Gülle und Jauche in Natura-2000-Gebieten auch die Umsetzung konkret. Am 28. August hat die Landesregierung auf Vorschlag von Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutzlandesrat Peter Brunner die neuen Managementleitlinien beschlossen.
Für Natura-2000-Gebiete gilt nämlich gesetzlich ein Verschlechterungsverbot: Das bedeutet, dass sich der Erhaltungszustand beziehungsweise die Artenzusammensetzung und die Artenzahl von Flora und Fauna auf den betroffenen Flächen nicht verschlechtern darf. Das Naturschutzgesetz – Landesgesetz Nr. 6/2010 – sieht für Natura-2000-Gebiete grundsätzlich ein Verbot der Ausbringung von Mineraldünger und Flüssigdünger sowie Gülle und Jauche aus der Viehwirtschaft vor. Auf der Grundlage von Managementleitlinien wird die Bewirtschaftung weiterhin möglich, wenn die naturschutzfachlichen Anforderungen berücksichtigt werden.
“Der Schutz der Natura-2000-Lebensräume ist keine neue politische Forderung, sondern seit Jahrzehnten gesetzlich vorgegeben. Nun schaffen wir mit den neuen Managementleitlinien, die gemeinsam mit der Landwirtschaft erarbeitet wurden, einen praktikablen, klaren Weg für die Umsetzung, der Naturschutz und landwirtschaftliche Praxis zusammenbringt”, unterstreicht Landesrat Brunner.
Inhaltlich legen die Managementleitlinien fest, wann ein Düngeplan notwendig ist und wie er erstellt werden soll. Betriebe, die Mineraldünger oder Flüssigdünger, Gülle oder Jauche aus der Viehwirtschaft von außerhalb auf Mähwiesen in Natura-2000-Gebieten ausbringen wollen, müssen einen Düngeplan erstellen. Wer auf die Ausbringung von Mineral- oder Flüssigdünger, Gülle und Jauche auf den betroffenen Flächen verzichtet und Festmist oder andere geeignete Lösungen nutzt, braucht keinen Gülleplan. Bei kleinen Betrieben mit einem durchschnittlichen Viehbesatz von maximal 1,5 Großvieheinheiten (GVE) pro Hektar kann ein vereinfachter Düngeplan vorgelegt werden.
So wenig Bürokratie wie möglich
“Die neuen Leitlinien beinhalten eine nachvollziehbare Differenzierung nach Wiesentyp, Bewirtschaftung und Viehbesatz – mit einer möglichst einfachen Abwicklung für jene Betriebe, die nur geringe Mengen an Dünger einsetzen. Mit diesen Maßnahmen möchten wir den bürokratischen Aufwand eingrenzen”, erklärt Landwirtschaftslanderat Luis Walcher.
Naturschutz und Landwirtschaft
Mit den neuen Managementleitlinien wolle man beides ermöglichen: eine funktionierende Bewirtschaftung und den Schutz der Lebensräume, für die Südtirol Verantwortung trage, betonen die Landesräte Peter Brunner und Luis Walcher.
Dachverband: “Kompromiss stinkt zum Himmel”
Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz fühlt sich unterdessen völlig vor den Kopf gestoßen: Nach zehn Jahren Untätigkeit in Sachen Gülleausbringung in Natura 2000-Gebieten werde die Güllewirtschaft noch mit einem faulen Kompromiss belohnt, erklärt der Fachverband in einer Aussendung.
Schon 2016 habe es einen Kompromiss zwischen Bauernbund und zuständiger Naturschutzbehörde bei der Ausbringung von Gülle auf artenreichen Wiesen in Natura 2000-Gebieten gegeben. Die Landwirtschaft erklärte sich damals bereit, Güllepläne zu erstellen und somit die zerstörerische Wirkung von Überdüngung auf unseren Bergwiesen einzudämmen. Passiert sei allerdings nichts, kritisieren die Umweltschützer.
“Zehn Jahre lang wurde weiterhin lustig und fidel Gülle auf Bergwiesen entsorgt und die Artenvielfalt nachweislich stark dezimiert“, erklärt der Dachverband. Bei den Umweltschützern gingen jährlich viele Meldungen besorgter Bürgerinnen und Bürger ein, die dicke Gülleschichten auf Berg- und Feuchtwiesen dokumentieren. „Diese Praxis hat eine enorme Zerstörungskraft, allein die Meldungen an die zuständigen Landesbehörden verliefen bisher ins Leere”, so der Dachverband weiter.
Nun habe die Hoffnung bestanden, dass mit dieser schlechten landwirtschaftlichen Praxis endlich aufgeräumt wird. Der Dachverband und einige Mitgliedsorganisationen hätten Landesrat Peter Brunner immer wieder über diese schädliche Praxis informiert, heißt es in einer Presseaussendung. “Jetzt müssen wir leider feststellen, dass die intensive Berglandwirtschaft weiterhin mit Gülle die Natura 2000-Wiesen überdüngen kann.”
Dass jetzt nach zehn Jahren Säumigkeit endlich Güllepläne gemacht werden sollen, glaubt der Dachverband nicht. “Und wenn es doch welche geben sollte, wer kontrolliert zukünftig die Ausbringung? Wohl niemand! Und somit wurde wiederum auf dem Rücken der Artenvielfalt ein Kompromiss vom Kompromiss gefunden, und die Fördergelder aus Steuermitteln fließen weiterhin in die subventionierte Zerstörung der Natur”, betont der Dachverband für Natur- und Umweltschutz.




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