Südtirols Ortskerne sollen gestärkt werden

Plattform Land: Leerstand nutzen statt neu bauen

Donnerstag, 01. Oktober 2026 | 17:24 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Wohnraum schaffen, Ortskerne stärken und gleichzeitig Boden schützen: Für die Plattform Land sind das keine Gegensätze. Gerade in Südtirol mit seinem knappen Siedlungsraum braucht es konsequente Innenentwicklung: Leerstände aktivieren, Gebäude sanieren, verbaute Flächen besser nutzen und dort entsiegeln und begrünen, wo Asphalt nicht mehr notwendig ist.

Der Handlungsdruck ist groß. In Italien gingen 2024 netto mehr als 78 km² Boden neu verloren. In Südtirol sind bereits weit über 20.000 Hektar versiegelt. Gleichzeitig wurden bis Frühjahr 2026 in rund 50 Gemeinden gut 3.000 Leerstände erfasst.

„Wir müssen die Wohnraumfrage und die Bodenfrage gemeinsam lösen. Jeder aktivierte Leerstand und jedes sanierte Gebäude nimmt Druck von der grünen Wiese. Kompakte Ortsstrukturen schaffen kurze Wege zu Geschäften, Dienstleistungen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Das stärkt die Zentren und macht Dörfer alltagstauglicher“, sagt Andreas Schatzer, Präsident der Plattform Land.

Innenentwicklung ist dabei mehr als Flächensparen. Kompakte Ortsstrukturen schaffen kurze Wege und bringen Menschen zu Fuß in die Zentren. Wo sie einkaufen, Dienstleistungen nutzen, ausgehen und sich aufhalten, profitieren Handel und Gastronomie. Gleichzeitig entsteht Wertschöpfung vor Ort: Werden bestehende Gebäude saniert und wieder genutzt, schafft das Aufträge für lokales Handwerk und Bauwirtschaft. Wer den Bestand pflegt, verhindert zudem, dass Gebäude verfallen und später hohe Sanierungs- oder Abbruchkosten verursachen. Und jede Nutzung bestehender Strukturen kann helfen, zusätzliche Erschließungs- und Folgekosten an neuen Standorten zu vermeiden.

Leerstand als Chance für die Dörfer

Diese Verbindung von Bodenschutz, Ortsentwicklung und lokaler Wertschöpfung prägt auch die Arbeit der Plattform Land. Seit Jahren setzt sie sich dafür ein, bestehende Gebäude besser zu nutzen und Sanierungen zu erleichtern. Ein wichtiger Baustein sind die Energie- und Sanierungsberatungen. Im Rahmen von „SÜDTIROL SANIERT“ stehen diese noch bis Ende 2027 kostenlos bzw. zu reduzierten Preisen zur Verfügung. Sie helfen, Sanierung, Umbau, Energieeffizienz, Kosten und Förderungen gemeinsam zu betrachten.

„Leerstand ist eine Chance mitten im Dorf. Wenn bestehende Häuser wieder bewohnt oder genutzt werden, kommen Menschen zurück in den Ortskern. Das stärkt Geschäfte und Gastronomie und spart zugleich neue Bauflächen“, so Carmen Plaseller, Bürgermeisterin von Lüsen.

Damit aus einzelnen Aktivierungen eine dauerhafte Entwicklung wird, ist konsequentes Leerstandsmanagement für Südtirol besonders wichtig. Es hilft, ungenutzte Gebäude wieder in Nutzung zu bringen, neuen Wohnraum im Bestand zu schaffen und Ortskerne langfristig zu beleben. So werden vorhandene Strukturen besser genutzt, Werte erhalten und der Druck auf neue Bauflächen reduziert.

Auch der öffentliche Raum ist entscheidend. „Ein guter Dorfplatz ist nicht nur schön. Wenn er Schatten bietet, angenehm kühl ist und Raum zum Sitzen und Begegnen schafft, wird er tatsächlich genutzt. So verbinden wir Klimaanpassung mit mehr Lebensqualität und einem lebendigeren Dorfzentrum“, sagt Günther Wisthaler, Bürgermeister von Niederdorf.

Wie das konkret aussehen kann, zeigt Bruneck, das als Stadt mit gutem Beispiel vorangegangen ist: Ein gewöhnlicher Parkplatz im Herzen von Bruneck wurde zur grünen Oase der Entspannung und Biodiversität. Mit diesem Projekt hat die Stadtgemeinde Bruneck 2024 den Ground Breaking Award der CIPRA gewonnen.

Die Plattform Land begrüßt daher auch die angekündigte Landesförderung von bis zu 75 Prozent für die Begrünung von Plätzen. „Flächensparen darf nicht als Verzicht verstanden werden“, betont Schatzer. „Wenn wir Leerstände aktivieren, Gebäude sanieren und versiegelte Flächen wieder entsiegeln, gewinnen wir mehrfach: Wir schützen Boden und Klima, stärken lebendige Ortskerne und sichern Werte im Bestand. Gleichzeitig bleibt mehr Kaufkraft im Dorf, Handel und Gastronomie gewinnen an Frequenz und Sanierungen schaffen Arbeit für Handwerk und Bauwirtschaft. Gute Innenentwicklung ist damit auch gute Wirtschaftspolitik für unsere Gemeinden.“

Bezirk: Bozen

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