WIFO-Wirtschaftsbarometer Sommer 2026

Südtirols Handel mit Licht und Schatten

Mittwoch, 19. August 2026 | 09:54 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Das Geschäftsklima im Südtiroler Handel zeigt sich in den einzelnen Bereichen recht uneinheitlich. Zufriedenheit herrscht vor allem im Großhandel, wo es den Unternehmen häufiger gelungen ist, die gestiegenen Kosten durch höhere Verkaufspreise auszugleichen und damit die Ertragslage zu sichern. Im Einzelhandel sowie im Bereich Handel und Reparatur von Kraftfahrzeugen ist hingegen ein deutlich heterogeneres Bild festzustellen. Dies geht aus der Sommererhebung des Wirtschaftsbarometers vom WIFO ‒ Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

Ertragslage im Einzelhandel – Rückblick 2016-2025 und Erwartungen für 2026

Im Südtiroler Großhandel bleibt die Konjunkturlage tendenziell günstig: Fast neun von zehn Unternehmen zeigen sich mit ihrer Ertragslage zufrieden. Die Umsatzerwartungen profitieren von den verbreiteten Preissteigerungen und bleiben positiv, wenn auch etwas verhaltener als im vergangenen Frühjahr. Zudem berichten die Unternehmen von steigenden Investitionen. Unter den einzelnen Sparten ist der Optimismus bei Einrichtungsgegenständen, Haushaltswaren und Eisenwaren sowie bei Maschinen und Anlagen am stärksten ausgeprägt. Gedämpfter sind die Erwartungen hingegen im Bereich Haushaltsgeräte und Elektronik sowie bei den Handelsagenten und -vertretern. In beiden Sparten beklagen rund dreißig Prozent der Unternehmen eine schlechte Ertragslage.

Ertragslage im Großhandel – Rückblick 2016-2025 und Erwartungen für 2026

Im Einzelhandel beurteilen 85 Prozent der Unternehmen die Ertragsaussichten für das laufende Jahr als zufriedenstellend, trotz der weit verbreiteten Kostensteigerungen. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen: Die günstigsten Einschätzungen kommen von Betreibern von Kaufhäusern, Supermärkten, Minimärkten und Discountern, denen es dank höherer Verkaufspreise gelungen ist, Investitionen und Gewinnmargen zu sichern. Die negativsten Aussichten betreffen hingegen den ambulanten Handel und den Onlinehandel, wo es den Unternehmen schwerfällt, die höheren Kosten auf die Verkaufspreise umzuwälzen und mehr als ein Drittel eine unbefriedigende Ertragslage beklagt. Auch unter den Einzelhändlern für Einrichtungsgegenstände und Haushaltswaren sowie in der Bekleidungsbranche ist das Geschäftsklima eher verhalten. In beiden Sparten berichten die Kaufleute von einem Rückgang des Geschäftsvolumens.

Einzelhandel Ertragslage nach Branchen

Im Bereich Handel und Reparatur von Kraftfahrzeugen fallen die Einschätzungen zum Geschäftsjahr 2026 von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich aus: Fast ein Drittel der Betriebe rechnet mit einer wirklich guten Ertragslage, während rund ein Fünftel diese als schlecht bezeichnet. Die Investitionstätigkeit bleibt schwach und bestätigt damit die Unsicherheit, die die Branche weiterhin prägt.

Ertragslage im KFZ-Handel-und Reparaturgewerbe – Rückblick 2016-2025 und Erwartungen für 2026

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, betont: „Der neuerliche Kostenanstieg infolge der internationalen geopolitischen Spannungen kommt zu den strukturellen Herausforderungen hinzu, mit denen die Händlerinnen und Händler konfrontiert sind. Es gilt, insbesondere die kleinen Unternehmen zu unterstützen, um die Vitalität unserer Städte und Dörfer zu erhalten und die Beschäftigung zu sichern.“

Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände

Elena Messina Bonaldi, Präsidentin Confesercenti Südtirol erklärt: „Die aktuelle Saison macht die schwierige Lage des Wanderhandels deutlich sichtbar. Insbesondere ist der ausgleichende Effekt der Touristenpräsenz gegenüber der zurückhaltenden Kaufkraft der einheimischen Kundschaft heuer ausgeblieben. Der Sektor verzeichnet in allen Landesteilen eine Abschwächung der Geschäftstätigkeit.“

„Der Großhandel fährt auf stabilem Kurs, im Einzelhandel ist die Straße hingegen holprig: Hohe Kosten, schwache Margen und Kaufzurückhaltung bremsen viele Betriebe. Jetzt braucht es Rückenwind durch weniger Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen und mehr Kaufkraft“, sagt Philipp Moser, Präsident Wirtschaftsverband hds.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen