Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Die Beschäftigten im privaten Sektor in Südtirol verdienen deutlich mehr als der italienische Durchschnitt. Der höhere Lohn gleicht allerdings die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten nicht aus. Das geht aus einer aktuellen Studie des Arbeitsförderungsinstitut (AFI) hervor. Grundlage sind die jüngsten Daten des INPS.
Demnach lag der durchschnittliche Brutto-Tagesgehalt eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers in Südtirol im Jahr 2024 bei 130 Euro. Italienweit waren es durchschnittlich 118 Euro. Damit liegt das Südtiroler Lohnniveau rund zehn Prozent über dem nationalen Schnitt.
Führungskräfte erzielen in Südtirol im Durchschnitt 589 Euro pro Tag, leitende Angestellte 267 Euro, Angestellte 142 Euro und Arbeiter 112 Euro.
Im Ranking der italienischen Provinzen kletterte Südtirol damit vom achten auf den dritten Platz. Nur in Mailand und Rom wurden höhere Durchschnittslöhne registriert.
Besonders groß ist der Unterschied bei Arbeitern und Angestellten. Arbeiter verdienen in Südtirol im Schnitt 19,3 Prozent mehr als auf nationaler Ebene, bei den Angestellten beträgt der Vorsprung 17,2 Prozent. Bei Führungskräften fällt der Unterschied mit 6,1 Prozent deutlich geringer aus.
Inflation frisst Lohnplus auf
Der höhere Verdienst schlägt sich allerdings nicht entsprechend in einer potenteren Kaufkraft nieder. In den vergangenen zehn Jahren stiegen die nominalen Löhne im privaten Sektor in Südtirol um 21,5 Prozent. Italienweit betrug das Plus lediglich 14,2 Prozent.
Gleichzeitig zogen die Verbraucherpreise in Südtirol im selben Zeitraum um 27,3 Prozent an. Damit wurde der Lohnzuwachs von der Inflation aufgezehrt.
AFI-Direktor Stefan Perini zufolge konnten die Lohnsteigerungen lediglich rund drei Viertel des tatsächlichen Anstiegs der Lebenshaltungskosten ausgleichen. Der Verlust an Kaufkraft bleibe deshalb trotz des überdurchschnittlichen Lohnniveaus ein zentrales Problem – sowohl in Südtirol als auch auf nationaler Ebene.
„Dass sich die Lohnentwicklung in Südtirol zunehmend von der gesamtstaatlichen Dynamik abkoppelt, werten wir zunächst als sehr positive Entwicklung“, betont AFI-Direktor Stefan Perini, „wären da nicht die hohen Lebenshaltungskosten.
Stellungnahme von AFI-Präsident Stefano Mellarini
„Es ist positiv festzustellen, dass die Lohnentwicklung in der Privatwirtschaft in Südtirol eine günstigere Entwicklung aufweist als im gesamtstaatlichen Kontext. Für eine umfassende Bewertung ist es jedoch ebenso wichtig, den Vergleich mit den wirtschaftlich nächstgelegenen Regionen zu berücksichtigen, ins-besondere mit jenen im deutschsprachigen Raum. Das Lohnniveau und die beruflichen Chancen stellen neben anderen Faktoren wichtige Elemente für die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Südtiroler Arbeitsmarktes dar.“





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