Von: Matthias Knapp
Bozen/Innsbruck – Die neue EWCS-Studie zu den Arbeitsbedingungen in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, die am 19. Oktober in Innsbruck vorgestellt wurde, zeigt deutliche Unterschiede bei den Arbeitszeiten von Frauen und Männern in Südtirol. Während Männer in Südtirol häufig sehr lange Arbeitswochen leisten, arbeiten Frauen deutlich öfter in Teilzeit. Für Arbeits-Landesrätin Magdalena Amhof bestätigen die Ergebnisse die Bedeutung einer familienfreundlichen Arbeitswelt und einer modernen Vereinbarkeitspolitik.
“Die Studie untermauert, was wir aus eigenen Erhebungen der Arbeitsmarktbeobachtung in Südtirol wissen: Die Arbeitsrealität von Frauen und Männern ist nach wie vor sehr unterschiedlich”, kommentiert Amhof. Während laut Studie Männer überdurchschnittlich häufig sehr lange Arbeitszeiten leisten, reduzieren viele Frauen ihre Erwerbsarbeit, um Betreuungs- und Familienaufgaben übernehmen zu können.
Laut Studie liegt der Anteil derjenigen, die 35 bis 40 Wochenstunden leisten, bei 43 Prozent (Tirol liegt bei 40 Prozent, das Trentino bei 61 Prozent). 58 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Südtirol arbeiten weniger als 35 Stunden pro Woche. Davon kommen 35 Prozent auf 21 bis 34 Wochenstunden (also jede dritte Erwerbstätige), 23 Prozent auf höchstens 20 Stunden.
Gleichzeitig arbeitet jedoch mehr als jeder fünfte Mann (21 Prozent) in Südtirol mindestens 48 Stunden pro Woche; weitere zwölf Prozent kommen auf 41 bis 47 Wochenstunden. Diese Tendenz zu überlangen Wochenarbeitszeiten kristallisiert sich in der EWCS-Studie in Südtirol als überdurchschnittlich ausgeprägt heraus, gefolgt von Tirol.
Ziel bleibt die höhere Erwerbstätigkeit von Frauen
“Wenn Frauen ihr Potenzial aufgrund ungünstiger Rahmenbedingungen nicht einbringen können, verliert das Land wertvolle Kompetenzen, die bereits vor Ort sind. Diese durch Arbeitskräfte zu ersetzen, die man erst anwerben, herholen und unterbringen müsse, ist volkswirtschaftlich und gesellschaftspolitisch nicht zielführend – wenn auch der Beitrag von Fachkräften aus anderen Ländern unverzichtbar bleibt”, sagt Amhof.
“Familien brauchen Rahmenbedingungen, die es Eltern ermöglichen, Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlich aufzuteilen. Dazu gehören hochwertige Betreuungsangebote, flexible Arbeitszeitmodelle und eine Unternehmenskultur, die Vereinbarkeit als gemeinsamen Auftrag versteht”, bekräftigt Amhof. Nur so sei das Ziel einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen langfristig zu erreichen.
Insgesamt weist Südtirol innerhalb der Europaregion den höchsten Anteil an Erwerbstätigen mit sehr langen Arbeitswochen auf. 13 Prozent der Beschäftigten arbeiten üblicherweise mindestens 48 Stunden pro Woche. In Tirol liegt dieser Anteil bei zehn Prozent, im Trentino bei neun Prozent.
Die Studie untersucht auch die Diskrepanz zwischen tatsächlicher und gewünschter Arbeitszeit. 37 Prozent der Erwerbstätigen in Südtirol würden ihr Arbeitspensum gerne reduzieren. Rund die Hälfte (49 Prozent) möchte ihre derzeitige Arbeitszeit beibehalten. 15 Prozent würden hingegen gerne mehr arbeiten (jede vierte Teilzeitkraft wünscht sich auf Euregio-Ebene eine Erhöhung der Stundenzahl).
“Die Ergebnisse zeigen, dass Beschäftigte in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Bedürfnisse haben. Arbeitszeitmodelle müssen deshalb flexibel genug sein, um sowohl Familienpflichten als auch berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu berücksichtigen. Genau darin liegt eine der großen Herausforderungen der Arbeitswelt von morgen”, sagt Amhof.




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